Hirmerverlag: „Ehem. Jüdischer Besitz – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus“

München. – Es war wahrhaftig an der Zeit, dass sich das Münchner Stadtmuseum diesem Thema stellt. Doch es scheint, dass die Aufarbeitung und die Darstellung der Ergebnisse aus der Provenienzforschung über die aus den Münchner Raubzügen der Nazis stammenden Kunstwerke weitestgehend gelungen ist.

Der im Hirmer Verlag erschienene Katalog zeigt die perfiden Mechanismen des Zusammenspiels des Kunst- und Antiquitätenhandels während der NS-Zeit und den städtischen Entscheidungsträgern sowie verschiedenen Institutionen.

Erstmals würdigt der Band die beraubten und gedemütigten jüdischen Kunsthändler und Kunstsammler, allesamt bedeutende Mäzene für das damalige kulturelle Leben der Stadt. Einbezogen sind die Bereiche Gemälde, Mode (u.a. Damenhüte), Möbel, Musikinstrumente.

Maria Luiko, Marionetten zu unterschiedlichen Bühnenstücken, Textil, Draht, Maché und Mullkaschierung farbig gefasst, um 1935. © Münchner Stadtmuseum

 

Berührend ist das Schicksal der in Litauen ermordeten Künstlerin Marie-Luise Kohn/Maria Luiko. Ihre Marionetten und Figurenfragmente sind heute Bestand der Puppentheatersammlung des Stadtmuseums.

Die Ausstellung im Münchner Stadtmuseum am Jakobsplatz dauert noch bis 23. September 2018

Anonym, Damenhut aus dem Firmenarchiv des Putz- und Hutgeschäfts Heinrich Rothschild, Stroh mit Stoffblüten aus Seide und Samt, 1910. © Münchner Stadtmuseum
Friedrich August von Kaulbach, Zeichnung „Schützenliesl“ aus dem Restbestand des Central Collecting Point. München, Kohlezeichnung auf Holz, 1878 © Münchner Stadtmuseum

 

 

 

Brikada-Empfehlung: Unbedingt empfehlenswert.
Autorin: Doris Losch

Ehem. Jüdischer Besitz – Erwerbungen des Münchner Stadtmuseums im Nationalsozialismus, gebunden, 272 Seiten, 140 Abbildungen, Euro 34.90, ISBN 978 3 7774 3024 9, herausgegeben von Vanessa-Maria Voigt und Henning Rader, erschienen im Hirmer Verlag, München.

Weitere Informationen:
www.hirmerverlag.de
www.muenchner-stadtmuseum.de

 

Titelbild: Herbert List, Untersuchung von Antonello da Messinas-Gemälde „Bildnis eines jungen Mannes“ im Central Collecting Point München, Fotografie, 1948; Münchner Stadtmuseum. © Herbert List & Max Scheler Estate, Hamburg