Bayerisches Nationalmuseum zeigt Bewegte Zeiten – Der Bildhauer Erasmus Grasser (um 1450-1518)

München. – Wie kein anderer Künstler hat Erasmus Grasser die spätgotische Kunst in München mit seinen extravaganten und raumgreifenden, zugleich einfühlsamen und charaktervollen Skulpturen geprägt. Anlässlich seines 500. Todestages werden zum ersten Mal wesentliche Werke seines Schaffens in einer umfangreichen Ausstellung präsentiert.

Um das Jahr 1480 war es ein erster öffentlicher Auftrag, der dem jungen Bildhauer zum Durchbruch verhalf: Bis heute ist Erasmus Grasser durch seine geschnitzten Moriskentänzer berühmt, die einst den Tanzsaal des Alten Rathauses in München schmückten.

 

Moriskentänzer „Hochzeiter“, Erasmus Grasser, 1480, Holz, Farbfassung von 1928, © Münchner Stadtmuseum, Foto: Gunther Adler, Ernst Jank

 

Die meisten erhaltenen Werke Grassers befinden sich jedoch in kirchlichem Besitz. Durch die Kooperation mit dem Diözesanmuseum Freising können zahlreiche dieser sakralen Arbeiten für die Ausstellung entliehen werden. Zu den bedeutendsten Stücken zählt die figürliche Ausstattung des Chorgestühls der Frauenkirche, von dem 36 Büsten sowie einige Statuetten und Reliefs gezeigt werden. Einen weiteren Höhepunkt stellt die Rekonstruktion des Hochaltars aus der Münchner Kirche St. Peter dar: Die erhaltenen Gemälde werden wieder mit der monumentalen Petersfigur vereint. Der Heilig-Kreuz-Altar der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in MünchenRamersdorf, der kürzlich restauriert wurde, ist ebenfalls in der Ausstellung zu sehen. Die herausragende bildschnitzerische Qualität Grassers wird gerade an diesem Werk besonders deutlich.

 

 

Monstranzaltärchen, Erasmus Grasser und Jan Polak, München, um 1480/90, © Bayerisches Nationalmuseum. Foto: Bastian Krack

 

Im Wechselspiel von Malerei und Skulptur schildert der Künstler die Passionsgeschichte. Der eindrückliche empfindsame Ausdruck der Figuren ergreift den Betrachter bis heute.

Zeitgenössische Gemälde, grafische Blätter, Musikalien und Kostüme ergänzen Grassers epochale Arbeiten und stellen diese in den Kontext der Lebens- und Glaubenswelt um 1500. Eine Dokumentation zur Restaurierung des Heilig-Kreuz-Altars der Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt in München-Ramersdorf gibt interessierten Besuchern Aufschluss über die wechselvolle Restaurierungsgeschichte dieses Werkes.

Bewegte Zeiten ist vom 19. April bis 29. Juli 2018 im Bayerischen Nationalmuseum in München zu besichtigen. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Diözesanmuseum Freising.

Zur Ausstellung erscheint der Katalog Bewegte Zeiten. Der Bildhauer Erasmus Grasser (um 1450-1518), 408 Seiten, mit zahlreichen Farbabbildungen, erhältlich im Museumsladen, Preis € 39,-

Das Ausstellungsprojekt wurde gefördert von der der Kulturstiftung der Länder, der Ernst von Siemens Kunststiftung, der Rudolf-August Oetker Stiftung und Edith-Haberland-Wagner Stiftung.
(Quelle: Bayerisches Nationalmuseum)
Weitere Informationen:
www.bayerisches-nationalmuseum.de

Titelbild: Anna Selbdritt (Detail), Erasmus Grasser, nach 1480, Lindenholz, geschnitzt, gefasst und teilvergoldet. © München, Marienanstalt Warnberg. Foto: Jens Bruchhaus