Lenbachhaus München: Ehepaar Weigel/Brecht wieder vereint

München. – Diese Neuerwerbung komme, so Museumschef Matthias Mühling, einer Sensation gleich: Rudolf Schlichters Gemälde von Helene Weigel. Ab sofort hängt das Porträt der Ehefrau von Bertold Brecht neben dessen ebenfalls von Rudolf Schlichter gemaltem Porträt.

Bert Brechts Porträt kann bereits seit 1960 von den Besuchern des Lenbachhauses bewundert werden.

Beide Gemälde präsentieren die Neue Sachlichkeit der 20-er und 30-er Jahre. Nicht nur Emotionen verbinden beide Ansichten, sondern auch das Automobil. Brecht ist vor einer Collage seiner Steyr-Edel-Karosse abgebildet – als Kommunist pflegte der Dichter eine erstaunliche Liebe zu teuren Autos -, genau jenem Modell, das auch der damalige englische König favorisierte.

Der Bogen zu Helene Weigel bzw. ihrem Gemälde spannt sich insofern, als die Schauspielerin vor der Kulisse des Bühnenbilds zu Brechts Theaterstück „Mann ist Mann“ abgebildet ist. Brecht thematisiert darin u.a., wie ein Mensch in ein Auto “ummontiert“ wird. Was im 21. Jahrhundert, da ernsthaft Mischwesen aus Mensch und Roboter bzw. Maschine diskutiert werden, aktueller nicht sein kann.

Betrachtern mit Sinn für feinen Humor offenbart sich dieser darin, dass Helene Weigel links von Brecht nach links, also von ihm weg, blickt und nicht gerade gut gelaunt scheint. Brecht aber schaut pseudo-proletarisch die Museumsbesucher an, spöttisch und überlegen.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.lenbachhaus.de

Titelbild: RUDOLF SCHLICHTER: Porträt der Helene Weigel, 1928, Leihgabe der Ernst von Siemens Kunststiftung © Viola Roehr-v. Alvensleben, München / Foto: Lenbachhaus
RUDOLS SCHLICHTER: Bertolt Brecht, um 1926, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München © Viola Roehr-v. Alvensleben, München / Foto: Lenbachhaus