Haus der Kunst zeigt “Procession” der amerikanischen Künstlerin Kiki Smith

München. – In über drei Jahrzehnten hat die amerikanische Künstlerin Kiki Smith (geb. 1954 in Nürnberg) ein facettenreiches Werk geschaffen, das sich mit den politischen und sozialen, den philosophischen und spirituellen Aspekten der menschlichen Natur befasst.

Nun zeigt das Haus der Kunst die erste größere Museumspräsentation der Künstlerin in Europa. Die ausgewählten Werke verflechten sich zu einer Gesamtdarstellung des gedanklichen Kosmos der Künstlerin. Der Schwerpunkt liegt auf den Skulpturen vom Beginn der Werkentwicklung in den 1980er-Jahren bis zu jüngst entstandenen Arbeiten.

Kiki Smith: Untitled 1995, Braunes Papier, Methylzellulose, Pferdehaar, 134,6 x 45,7 x 127 cm, Photograph by Ellen Labenski, courtesy Pace Gallery © Kiki Smith, courtesy Pace Gallery

Kiki Smith überrascht durch die gedankliche Durchdringung ihrer Werke. Gleichwohl überzeugt sie durch ihre vielfältigen, variantenreichen Ausdrucksformen. Sie scheut sich nicht, Tabus und Grenzen der Scham aufzuzeigen und nimmt die Themen Alter, Tod und Sterben, Verwundung und Heilung, Ganzheit und Fragmentierung, Sexualität und Geschlecht, Identität und Erinnerung in ihren Darstellungsformen auf. Neben Skulpturen zeigt sie vor allem mit Zeichnung, Radierung und Lithografie, auch Buch, Fotografie und Video ihre breitgefächerte Virtuosität. Sie verwendet eine Fülle von Materialien, z.B. Bronze, Gips, Glas, Porzellan, Papier, Pigment, Aluminium, Latex, Federn, Haar und Bienenwachs.

Die Werke der 1990er-Jahre zeigen isoliert einzelne menschliche Körperteile: Bauch, Kopf, Hände, Gedärm, oder Gefäße mit den Körperflüssigkeiten Blut, Schweiß, Milch und Tränen. Vom Ganzen abgetrennt präsentiert, wirken sie wie archäologische Funde, oder Reliquien. Dabei machen die Radikalität der Bilderfindungen und die Magie des Materials das Werk von Kiki Smith so einzigartig. Durch ihre Hingabe an das „Drama” des Körpers, vor allem des weiblichen Körpers, ist das gesamte emotionale Spektrum von Gewalt und Verletzlichkeit, von Harmonie und Geborgenheit gegenwärtig.

Die Begegnungen zwischen Mensch und Kreatur drücken Innigkeit und Vertrautheit aus. Insgesamt wird bei den Wesen von Kiki Smith die Grenze zwischen Mensch, Natur und Kosmos durchlässig.

 

 

Kiki Smith: Sky 2011, Jacquard-Tapisserie, 287 x 190,5 cm, Photograph courtesy the artist and Magnolia Editions, Oakland © Kiki Smith, courtesy Pace Gallery

Die Serie von zwölf Tapisserien ist hier erstmals vollständig ausgestellt. In Anlehnung an die Tapisserien „Zyklus zur Apokalypse”, die Herzog Ludwig I. von Anjou in den Jahren 1377-1382 für seine Residenz in Angers fertigen ließ, erzählt die Künstlerin in ihrer eigenen Serie von Tapisserien eine Art Schöpfungsgeschichte. Schlange, Wolf, Rabenvogel, Eva, Adam, Reh, Berge, Flüsse, Meer und Gestirn sind zu einem bekenntnishaften Weltentwurf verwoben.
(Quelle: Haus der Kunst)

Die Ausstellung wird von Petra Giloy-Hirtz kuratiert. Der Katalog erscheint bei Prestel, mit Beiträgen von Julia Bryan Wilson, Petra Giloy-Hirtz, Virginia Raguin und Ulrich Wilmes; gebundenes Buch, 224 Seiten, 23,0 x 27,0 cm, 110 farbige Abbildungen, ISBN: 978-3-7913-5625-9, 49,95 Euro.

Kiki Smith: Procession, 2. Februar – 3. Juni 2018. Die Ausstellung eröffnet am Donnerstag, den 1. Februar (19 Uhr) mit einem Podiumsgespräch zwischen Kuratorin Petra Giloy-Hirtz und Künstlerin Kiki Smith (20 Uhr).

Weitere Informationen:
www.hausderkunst.de

Titelbild: Kiki Smith: Guide 2012, Jacquard-Tapisserie, 287 x 190,5 cm, Courtesy of the artist and Barbara Gross Galerie, Munich