Keine Chance für den “Eva”-Infarkt!


Das belegt eine Umfrage des Emnid-Instituts in Pullach unter 351 Frauen im Alter zwischen 45 und 75 Jahren. "Vier von fünf Frauen gehen davon aus, dass sie die gleichen oder bessere Chancen haben, einen Infarkt zu überleben", weiß Prof. Dr. Bernd Tischer vom Emnid-Institut. Doch das ist ein Irrtum.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weit vor den Krebs-Erkrankungen die häufigste Todesursache bei Frauen. Der Herzinfarkt ist dabei das Risiko Nummer eins. Rund 52 Prozent aller Todesfälle durch Herz-Kreislauf- Erkrankungen entfallen auf Frauen, und mehr als die Hälfte der Frauen überleben den ersten Infarkt nicht. Damit sind die Überlebenschancen bei Frauen bei einem Infarkt deutlich geringer als bei Männern. Der Grund: Frauen kommen im Durchschnitt rund 40 Minuten später in die Klinik als Männer, weil sie die spezifisch weiblichen Symptome eines Infarkts nicht erkennen.

Hinter diesen Zahlen stehen ungenügende Kenntnisse über den sogenannten "Eva"-Infarkt, und das nicht nur bei den Frauen, sondern auch bei Angehörigen und Ärzten. Deshalb hat sich ein interdisziplinäres Team von Kardiologen in Kliniken und Reha-Einrichtungen, Hausärzten sowie Ernährungs- und Sportmedizinern zur "Initiative Frauenherz" zusammengeschlossen, um die Frauen aufzuklären, wie sie sich vor einem Infarkt schützen können. Langfristig soll diese Initiative dazu beitragen, die Zahl der Todesfälle von Frauen an Herz- und Kreislauf-Erkrankungen zu reduzieren.

Woran erkennt man den "Eva"-Infarkt?
"Der Hauptgrund für die hohe Sterblichkeit von Frauen sind die eher untypischen Anzeichen des weiblichen Herzinfarkts", erklärte Prof. Dr.Verena Stangl (Bild) von der Charité der Berliner Humboldt-Universität vor der Presse in München. Die allgemeinen Symptome eines Infarkts wie Schmerzen im Oberkörper, inklusive Rücken, Ausstrahlung in Arme, Zähne und Kiefer, Enge in der Brust und Angstzustände würden teilweise bei fast jeder zweiten Frau gar nicht auftreten. Frauen können häufig andere oder zusätzliche Symptome haben: ungewöhnliche Müdigkeit, Schlafstörungen, Kurzatmigkeit, Oberbauchbeschwerden wie Übelkeit sowie Schmerzen in Hals und Nacken. Die Mehrdeutigkeit dieser untypischen Symptome hat für die Frauen schwerwiegende Konsequenzen: lebensrettende Maßnahmen werden oft zu spät eingeleitet.

Rauchen und Pille ” ein gefährliches Duo
Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Rauchen, Übergewicht, Stress und Bewegungsmangel sind allgemein bekannt. Einige andere Faktoren sind für Frauen aber besonders bedeutsam. Als Beispiel nannte Prof. Stangl die Zuckerkrankheit. Hier haben Frauen ein dreifach höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. "Viele Risikofaktoren wirken sich bei Frauen gravierender aus als bei Männern". Dazu zählen zum Beispiel Fettstoffwechselstörungen und psychische Faktoren wie unbewältigter Stress durch Mehrfachbelastung in Beruf und Haushalt. Bei jüngeren Frauen bedeutet das Rauchen und die gleichzeitige Einnahme eines oralen Verhütungsmittels ("Anti-Baby-Pille"), bei älteren Frauen der Rückgang der gefäßschützenden Östrogene nach der Menopause das Risiko eines Herzinfarkts. Die Pille allein bedeutet noch kein Risiko. Aber durch die Kombination Rauchen plus Pille muß man sogar von einem etwa 20-fachen Infarktrisiko ausgehen.

Eines der wichtigsten Ziele der Initiative Frauenherz ist die Vorbeugung durch Reduzierung der Risikofaktoren: Vermeidung von Übergewicht, regelmäßige Bewegung, Einstellen des Rauchens und ausgewogene Ernährung. Eine "herzgesunde" Ernährung zeichnet sich durch ungesättigte pflanzliche Fettsäuren (z.B.Oliven-oder Maiskeimöl) und Omega-3-Fettsäuren (z.B. aus Fischöl), aber auch durch eine ausreichende Zufuhr von Mikronährstoffen (Vitamine, Mineralstoffe) und sekundären Pflanzenstoffen aus, erläuterte Prof. Dr. Alois Sellmayer von der
Medizinischen Poliklinik der Universität München. Da die tägliche Ernährung eine ausreichende Versorgung mit diesen Stoffen nicht immer gewährleistet, kann eine Ergänzung durch ein Kombinationspräparat aus Vitaminen, Mineralstoffen, sekundären Pflanzenstoffen und Omega-3-Fettsäuren, das besonders auf die Bedürfnisse des Frauenherzens abgestimmt ist, sinnvoll sein. Seit November 2004 ist ein solches diätetisches Lebensmittel zur Behandlung von Frauen mit koronaren Herzerkrankungen in Apotheken erhältlich.

Im Mittelpunkt einer wirksamen Vorbeugung steht aber immer, den Lebensstil wenn nötig zu ändern. Schon mit 30 Minuten aktiver Bewegung täglich können Frauen ihr Infarktrisiko um 30 Prozent senken. Auch Stress kann aktiv bewältigt werden. Und schließlich sollten selbst junge Frauen auf mögliche Symptome einer Herzerkrankung achten und mit ihrem Arzt darüber sprechen.
Dr. Isolde Bräckle

Weitere Informationen zum Thema "Frauen und Herzinfarkt" gibt es auf der Website www.frauenherz.info oder per Post: Initiative Frauenherz, Postfach 120208, 60115 Frankfurt.

(Der Link www.frauenherz.info wurde am 17.2.2005 getestet.)