Jodversorgung in Deutschland ist nicht optimal


Für uns in Deutschland besteht durchaus kein Grund zur Entwarnung, denn nach wie vor ist eine nachhaltige Vorbeugung gegen den Jodmangel dringend erforderlich. Darauf wiesen Prof. Dr. Dr. Peter Scriba von der Universität München, Sprecher des Arbeitskreises Jodmangel, und sein Stellvertreter Prof. Dr. Roland Gärtner, München, hin.

Jod wird von der Schilddrüse für die Bildung von Schilddrüsenhormonen benötigt, die eine Vielzahl von Körperfunktionen beeinflussen, und muss deshalb mit der Nahrung kontinuierlich zugeführt werden, sonst kommt es zu schwerwiegenden gesundheitlichen Störungen.

Nach dem Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vom Dezember 2004 sind 27 Prozent der 6- bis 12-Jahrigen in Deutschland unzureichend mit Jod versorgt, das sind etwa 1,3 Millionen Kinder. Etwa 33 Prozent der Erwerbstätigen haben auch heute noch krankhafte Schilddrüsenveränderungen im Sinne einer vergrößerten Schilddrüse und/oder Knoten. Der Europäische Ernährungsbericht 2004 bescheinigt Deutschland zwar einen deutlichen Erfolg auf dem Weg zur Besserung der Jodversorgung, die in erster Linie durch die breite Verwendung von Jodsalz in der Nahrungskette erreicht wurde. Die durchschnittliche Jodaufnahme der Deutschen bleibt jedoch in allen Altersgruppen deutlich unter der bedarfsgerechten Menge. Die Folgen sind gravierend: Die Diagnose und Behandlung der Erkrankungen erfordern in Deutschland pro Jahr Aufwendungen von etwa einer Milliarde Euro.

Vorbeugung gegen Jodmangel
Der naturbedingte Jodmangel in der Nahrung kann ausgeglichen werden durch den regelmäßigen Verzehr von Seefisch und anderen Meerestieren sowie Milch und Milchprodukten, durch Verwendung von Jodsalz in der gesamten Nahrungskette ( Haushalt, Gemeinschaftsverpflegung, Lebensmittelwirtschaft) und durch die Einnahme von Jod in Tablettenform bei erhöhten Bedarf oder für Risikogruppen (erbliche Belastung oder Lebensphasen wie Pubertät, Schwangerschaft und Stillzeit). Auch bei Fastfood-Konsumenten, Sportlern, Veganern und Personen mit niedrigem sozialökonomischen Status stellte man Joddefizite fest, die ein Risiko darstellen.

Jodsalz ist seit Jahren das am häufigsten verwendete Haushaltssalz in Deutschland. Während in Gastronomie, beim Bäcker- und Fleischerhandwerk Jodsalz ebenfalls zu bis zu 80 Prozent eingesetzt wird, bestehen noch Defizite bei der Lebensmittelindustrie. Zielvorgabe wäre es aber laut WHO, Jodsalz konsequent und dauerhaft zu mehr als 90 Prozent in Privathaushalten zu verwenden und zu mindestens 70 Prozent bei der Lebensmittelherstellung.
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