Naturkosmetik – wirklich natürlich?

Frankfurt am Main. – Ist überall, wo „natürlich“ draufsteht auch wirklich „Natur“ drin?

Diese Frage ist schwierig zu beantworten. Der Begriff „Naturkosmetik“ ist weder von Berlin noch von Brüssel gesetzlich geregelt.

Nach der EU-Kosmetikverordnung soll ein kosmetisches Mittel Haut, Haare, Zähne und Mundhöhle reinigen, schützen, in gutem Zustand halten, Körpergeruch positiv beeinflussen, parfümieren.

Während ein Körperöl problemlos mit einem hohen Anteil an unveränderten Naturstoffen formuliert werden kann, ist ein Shampoo, das der erwarteten Produktleistung entspricht, mit einem geringeren Anteil formuliert.

Naturprodukte können bestenfalls „so natürlich wie möglich“ sein und bestehen meistens nicht ausschließlich aus Naturstoffen.

Das Angebot an „natürlicher“ Kosmetik reicht von Discounterware bis zu Luxuslabels sowie von konventioneller Kosmetik mit natürlichen Inhaltsstoffen bis zu zertifizierter Biokosmetik.

Für Kundinnen ist es schwierig, die tatsächliche „Natürlichkeit“ zu erkennen. Die Abbildung von Früchten, Blüten und Pflanzen auf der Verpackung („Greenwashing“) oder die Hervorhebung spezieller Wirkstoffe aus der Natur bedeuten noch lange nicht, dass es sich beim gesamten Produkt um Naturkosmetik handelt.

Verbraucher sehen sich im Super- oder Drogeriemarkt einem wahren Label- und Siegel-Dschungel gegenüber.

Die im deutschsprachigen Raum am häufigsten anzutreffenden Siegel sind Natrue, Bdih (Bundesverband der Industrie- und Handelsunternehmen für Arzneimittel, Reformwaren, Nahrungsergänzungsmittel und kosmetische Mittel e.V.), und Cosmos, ein internationaler Verband der gemeinsam von Ddih, Cosmebio (Frankreich), Ecocert Greenlife (Frankreich), Icea (Italien) und Soil Association (Großbritannien) gegründet wurde. Unterschieden werden zwei Stufen: Cosmos-Natural und Cosmos-Organic.

Diese Siegel stehen dafür, dass – soweit möglich! – natürliche Inhaltsstoffe, vorzugsweise in kbA-Qualität (aus kontrolliert biologischem Anbau) oder aus zertifizierter Wildsammlung eingesetzt werden und keine künstlichen Duftstoffe enthalten sind. Chemisch unveränderte Naturstoffe, bevorzugt in Bioqualität, sollen im Fertigprodukt dominieren. Aus Erdöl gewonnene Rohstoffe sind unzulässig. (Wobei Witzbolde meinen, Erdöl bestehe ja im Grunde auch nur aus Überresten der Dinos und Milliardenjahre alter Wälder.)

Nach dem Natrue-Standard können die drei Stufen „Naturkosmetik“, „Naturkosmetik mit Bioanteil“ und „Biokosmetik“ zertifiziert werden. Wasser gilt als natürlicher Stoff, wird aber bei der Ermittlung des Mindestanteils natürlicher Stoffe im Fertigprodukt nicht berücksichtigt.

13,6 Milliarden Euro haben die Bundesbürger 2017 für Gesichts-, Körper- und Haarpflege ausgegeben (+ 0,3 %), davon 1,33 Milliarden Euro (+ 6 %) für zertifizierte Naturkosmetik. Zu den führenden Marken zählen Weleda, alverde, Lavera, Kneipp Naturkosmetik, Annemarie Börlind, Dr. Hauschka, Logona, Sante, Santaverde, Dr. Scheller, Primavera etc.
Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.natrue.org
www.bdih.de

www.ecocert.com
www.cosmos-standard.org
www.ikw.de
www.haut.de