aid: Schwangerschaftsdiabetes


Fünf bis zehn Prozent der werdenden Mütter leiden unter dem so genannten Gestationsdiabetes. Diese Form der Zuckerkrankheit ist eine erstmals in der Schwangerschaft auftretende Glukose-Toleranzstörung, definiert die Weltgesundheitsorganisation. Wie Dr. Brigitte Pawlowski von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf auf der Diabetes 2008 in Münster erklärte, sorgt die Unfähigkeit, Zucker zu verstoffwechseln, für ein mehr als fünffaches Risiko für Komplikationen bis hin zur Fehl- oder Totgeburt.

Der erhöhte Blutzuckerspiegel führt bei der werdenden Mutter und dem Fetus zu einer vermehrten Ausschüttung von Insulin. Insulin wiederum verstärkt den Aufbau von Körpermasse und lässt die übergroßen Babys entstehen. Diese Kinder haben ein höheres Risiko später fettleibig zu werden, weil Insulin das Sättigungszentrum im Zwischenhirn beeinflusst. Direkt nach der Geburt zeigen Kinder von unbehandelten Diabetikerinnen zum Teil Folgen einer verzögerten Organreifung, zum Beispiel der Leber und Lunge, was die typische Neugeborenengelbsucht beziehungsweise Atemnot hervorrufen kann. Die Mutter trägt während der diabetischen Schwangerschaft ein größeres Risiko für Harnwegsinfektionen, Bluthochdruck und für die gefürchtete (Prä-)Eklampsie mit Krampfanfällen. Innerhalb von 10 bis 15 Jahren nach der Schwangerschaft entwickelt die Hälfte dieser Mütter einen chronischen Diabetes Typ II. Trotz der schwerwiegenden Folgen erkennen Ärzte nur die Hälfte aller Schwangerschaftsdiabetikerinnen rechtzeitig und behandeln sie entsprechend. Pawlowski forderte die Durchführung eines Oralen Glukose-Toleranz-Tests (OGTT) für alle Schwangeren in der 24. bis 28. Woche. Falls Risikofaktoren vorliegen, sollte dieser schon vor der 13. Schwangerschaftswoche erfolgen. Dazu gehören Übergewicht (Body-Mass-Index ab 27 kg/m2), insbesondere bei Fettansatz rund um den Bauch, Diabetes mellitus Typ II in der nahen Verwandtschaft, höheres Alter (ab 25 Jahre), extreme Gewichtszunahme während der Schwangerschaft oder frühere Geburten von übergroßen Kindern. Mit ausgewogener Ernährung, Bewegung oder Insulingaben lässt sich der Diabetes gut behandeln, so dass auch die Risiken auf ein Minimum sinken.
Quelle: aid, Monika Heinis

Weitere Informationen: www.aid.de

(Der Link wurde am 21.02.2008 getestet.)