34. Bayerischer Filmpreis an Margarethe von Trotta


In diesem Jahr ging der Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer, vertreten durch den Stellvertretenden Ministerpräsidenten Staatsminister Martin Zeil, an die Regisseurin Margarethe von Trotta.

In der Laudatio hieß es: „Margarethe von Trotta ist eine der engagiertesten Filmemacherinnen in Deutschland. Mittelpunkt ihres Werkes sind Frauenfiguren, von deren Schicksal und oftmals emanzipatorischem Kampf um Freiheit und Selbstbestimmung die Regisseurin mit großem Einfühlungsvermögen erzählt. So bringt sie uns auf ihre ganz eigene Art Personen wie Rosa Luxemburg, Hildegard von Bingen oder aktuell Hannah Arendt nahe.“

Margarethe von Trotta wurde 1942 in Berlin geboren und lebt heute in Paris und München. Sie studierte Kunst, Germanistik und Schauspiel und wurde unter Regisseuren wie Rainer Werner Fassbinder, Herbert Achternbusch oder ihrem späteren Mann Volker Schlöndorff zu einer der bekanntesten Darstellerinnen im Neuen Deutschen Film. An Schlöndorffs Filmen arbeitete sie als Koautorin und -regisseurin mit wie zum Beispiel in der Böll-Verfilmung "Die verlorene Ehre der Katharina Blum" (1975).

Ihren ersten eigenen Film drehte sie 1977 mit "Das zweite Erwachen der Christa Klages" über die Geschichte einer Münchner Kindergärtnerin, die aus grenzenlosem Engagement heraus eine Bank überfällt. Mit ihren Regiearbeiten prägte sie als eine der wenigen Frauen die Aufbruchstimmung im deutschen Film der 1970er Jahre. Ein großer, auch internationaler Erfolg gelang ihr 1981 mit dem Film "Die bleierne Zeit" über die Schwestern Gudrun und Christiane Ensslin, ausgezeichnet mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele Venedig.

Weitere Stationen ihres filmischen Schaffens sind unter anderem "Rosa Luxemburg" (1985) über die deutsche Sozialistin und Revolutionärin mit Barbara Sukowa in der Titelrolle, der Oscar-nominierte und mit dem Regiepreis des Bayerischen Filmpreises ausgezeichnete Film "Das Versprechen" (1994), eine mehrere Jahrzehnte umspannende Ost-West-Liebesgeschichte, das Drama "Rosenstraße" (2003) um deutsche Frauen, die im Jahr 1943 um ihre inhaftierten jüdischen Männer kämpfen, sowie der Psycho-Thriller "Ich bin die Andere" (2006), den sie wie "Rosenstraße" mit Katja Riemann in der Hauptrolle besetzte.

2009 erzählte sie in "Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen" wiederum mit Barbara Sukowa als Protagonistin eine sehr moderne Geschichte über die legendäre Mystikerin in einer katholischen Männerwelt. Mit "Hannah Arendt" legte sie in 2012 ein einfühlsames Porträt der Philosophin und Denkerin als starke und unkonventionelle Frau vor. Auch in diesem jüngsten Werk stellt Margarethe von Trotta ihr großes Gespür für die Entwicklung und Problematik weiblicher Charaktere unter Beweis, das unverkennbares Markenzeichen ihrer Filme ist.

Für ihr filmisches Werk erhielt Margarethe von Trotta viele nationale und internationale Auszeichnungen, unter anderem Filmbänder in Gold und Silber, den Bayerischen Filmpreis in der Kategorie Regie, die Goldene Kamera, eine Oscar-Nominierung als bester ausländischer Film sowie
diverse Preise bei internationalen Filmfestivals.

Der Preis für die beste Darstellerin (dotiert mit 10.000 Euro) wird verliehen an Barbara Sukowa für ihre Rolle in „Hannah Arendt“.

Begründung der Jury:
Wie Barbara Sukowa sich in Margarethe von Trotta’s „Hannah Arendt“ der Titelfigur annähert, um schließlich komplett mit ihr zu verschmelzen, ist Schauspielkunst vom Allerfeinsten. Das beginnt beim starken „German Accent“, den sich die in New York lebende Schauspielerin für die Rolle der emigrierten deutsch-jüdischen Philosophin eigens wieder antrainiert hat. Und es gipfelt darin, dass es Barbara Sukowa tatsächlich gelingt, dass wir Zuschauer hier einer großen Denkerin buchstäblich beim Denken zuschauen können. Wir können sehen und verstehen, wie sie ihre Gedanken entwickelt und wie sie als Beobachterin des Eichmannprozesses in Israel zu ihrer berühmten, als skandalös empfundenen Einschätzung der „Banalität des Bösen“ gelangen musste. Barbara Sukowa macht Hannah Arendt lebendig und für die Kinobesucher des 21. Jahrhunderts verstehbar.

Quelle: Bayerische Staatskanzlei

Weitere Informationen:
www.bayern.de
(Der Link wurde am 25.01.2013 getestet.)

Bildtext (v.l.): Barbara Sukowa und Margarethe von Trotta. Foto: Bayerische Staatskanzlei