Michaela Karl: “Liesl Karlstadt”


Wer und was Liesl Karlstadt möglicherweise wirklich war, spürt Dr. Michaela Karl in der Biografie „Liesl Karlstadt – Gesichter einer Frau und Künstlerin“ auf. Die Autorin zeichnet ein sensibles Bild der am 12. Dezember 1892 in München als Elisabeth Wellano geborenen Schauspielerin nach.

Sie spürt den Werdegang des „armen Münchner Kindls“ auf, das als Liesl Karlstadt ihren eigenständigen Weg zur Künstlerin machte. Die erste Begegnung mit dem damals schon weithin bekannten Münchner Komikers Karl Valentin, deren beider Zusammenarbeit, wie sie später zu seiner Geliebten wurde und schließlich finanzielle Verluste durchstehen musste – prägten ihren Lebensweg.

Ihren persönlichen Tiefpunkt erlitt sie 1935 – ein Nervenzusammenbruch und Selbstmordversuch stürzten sie in tiefe Depressionen. Längere Klinikaufenthalte folgten. Nach dem Tod von Karl Valentin im Jahr 1948 erlangte sie als Volksschauspielerin, im Hörfunk und in kleineren Filmrollen große Beliebtheit. Sie verstarb am 27. Juli 1960 in Garmisch.

brikada-Bewertung: Das Buch wird nicht nur durch die beeindruckenden Schilderungen der Autorin so überaus lesenswert. Vielmehr ist es das sozialkritische Einordnen des Lebensweges von Liesl Karlstadt. Ihr Dasein ist eingebettet in die jeweiligen zeitlichen Gegebenheiten. Die mutige Haltung der Künstlerin – von der Kündigung einer sicheren Stellung, über das eigenständige Erwerbsleben und Auftreten als Soubrette und Theaterschauspielerin bis hin zur komisch-tragischen Zusammenarbeit mit Karl Valentin und späteren Solo-Nachkriegstätigkeit – all diese Stationen ordnet die Autorin unter sozialkritischen Aspekten ein.

Eine liebevolle Aufarbeitung, ja mehr noch: die Wiederentdeckung einer Frau und Künstlerin, die schon vor 100 Jahren ein selbst bestimmtes Leben führte und zu Recht vor dem Vergessen bewahrt werden muss! Michaela Karl ist dies mit der vorliegenden Biografie auf selten einfühlsame Weise gelungen!
Brigitte Karch

Michaela Karl: „Liesl Karlstadt“ – Gesichter einer Frau und Künstlerin, Paperback, 160 Seiten, 21 Textabbildungen, Format: 19,0 x 11,5 cm, 12,90 Euro, ISBN: 978-3-7917-2358-7, erschienen im Verlag Friedrich Pustet.

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