Münchner Literaturfest feiert 10.Geburtstag!

München. – Es ist wieder soweit. Die Wiesn liegt hinter uns, die Münchner können sich wieder der Kultur widmen. Das Jubiläums-Literaturfest – es findet zum zehnten Mal statt – lockt Leseratten und solche, die es werden möchten mit mehr als 85 Lesungen und Diskussionen, zehn Buch- und Fotoausstellungen, Schreib- und Kreativ-Werkstätten für Kinder und Jugendliche und einem großen Angebot für Schulklassen.

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Das forum:autoren steht heuer unter dem Motto „Einübungen ins Paradies. Fragen an die Welt nach 1989“. Entworfen hat das Programm der prominente Schriftsteller und geborene Dresdener Ingo Schulze.

Bilduntereschrift: Pressekonferenz Literaturfest München 2019 (v.l.): Michael Then Vorsitzender des Börsenvereins Deutscher Buchhandel, Edith Offermann, Ingo Schulze,Tanja Graf, Anton Biebl und Thomas Kraft. Foto: (c) Catherina Hess

Tanja Graf, Literaturhaus-Leiterin und Geschäftsführerin des Literaturfests, betont: „Jubiläen sind immer auch Zäsuren und Zäsuren und laden ein, die Dinge neu zu betrachten. Was ist passiert seit 1989? Welche gesellschaftspolitischen und künstlerischen Impulse haben die neuen Demokratien weltweit ausgelöst?“

Denn 1989 sei keine isolierte deutsche Angelegenheit, seit dieser Zeit habe sich in der ganzen Welt politisch einiges verändert. „Wie können wir das nutzen für ein gelingendes Miteinander? Wir freuen uns auf spannende, inspirierende Begegnungen mit Autor_innen aus aller Welt und auf ein fulminantes Festprogramm“, erläutert Tanja Graf.

Bildunterschrift: Lyrikerin Xiao Xiao. Foto: (c) privat

Eingeladen hat Ingo Schulze zum forum:autoren Autor_innen und Intellektuelle aus aller Welt, u.a. den Träger des Deutschen Buchpreises Frank Witzel, den bosnischen Schriftsteller Dzevad Karahasan, Salman Rushdie, Judith Schalansky, die mexikanische Autorin Aura Xilonen, die chinesische Lyrikerin Xiao Xiao, die indische Schriftstellerin und Aktivistin Meena Kandasamy.

Hochspannend ist das neue Format des forum:autoren „Unterwegs in München“, bei dem Autor_innen Menschen besuchen, die nur unter Schwierigkeiten zu Lesungen kommen können. So besucht Manja Präkels das Kinderprojekt Arche, Marion Brasch die Senioreneinrichtung Münchenstift. Ingo Schulze und Dzevad Karahasan begeben sich in die Frauenabteilung der Justizvollzugsanstalt Stadelheim.

Bildunterschrift: Marion Brasch. Foto: ©Holmsohn

Tanja Graf lenkt den Interessensfokus auch auf Neuerscheinungen internationaler Autor_innen aus Belletristik und Sachbuch. Mit dabei sind u.a. die muslimische Feministin Reyhan Sahin alias Lady Bitch Ray. Sie konterkariert eindimensionale Fixierungen auf die weiße westliche Frau. Ulrich Wickert definiert Heimat neu via Identifikation mit den Werten des Landes, in dem man lebt, seiner Politik, Literatur und Geschichte.

Am 19. November findet die „Lange Hannah-Arendt-Nacht“ statt.

Münchner Bücherschau mit den „Lochis“

Wichtiger und sehr gut besuchter Teil des Literaturfests ist wie immer die Münchner Bücherschau. Sie wird in diesem Jahr 60! Mit dabei sind beispielsweise die Astronautin Samantha Cristoforetti, der Physiker Harald Lesch (Vortrag: Was hat das Universum mit mir zu tun?). Auf originelle Begegnungen dürfen sich Besucher mit „Friseur Danny“ freuen, der mutigen Vorleser_innen in München gratis die Haare schneidet, und mit den Youtube-Stars „Die Lochis“.

Bildunterschrift: Samantha Cristoforetti. Foto: (c)NASA Robert Markowitz
Bildunterschrift: Nora Bossong. Foto: (c) Heike Steinweg _SV

Zum Abschluss am 1. Dezember diskutieren die Schriftstellerin Nora Bossong und der Philosoph Albert Kitzler darüber, welche Antworten Literatur, Politik und Philosophie auf den bedrohlichen Zustand des Planeten Erde finden.

Edith Offermann hat im Jubiläumsjahr ein besonders facettenreiches Programm für Kinder und Jugendliche komponiert. Die Reihe „Generation Z – Stimmen für junge Leser_innen“ forscht, was die jungen Menschen begeistert, was sie lesen und wie Bücher sie erreichen. Antworten zu geben versucht der Blogger-Star Marah Woolf (zwei Millionen Follower) mit ihrer Lesung „Romantasy“ und das Literarische Jugendquartett. Vorgestellt wird auch das von der Spiegel-Journalistin Susanne Koelbl anregte „The Poetry Project“: Junge Geflüchtete aus Afghanistan, dem Iran und Syrien verfassen Texte über ihr Heimweh, über Krieg und Verlust, aber auch über Seltsamkeiten, die ihnen in Deutschland begegnet sind. Das Musik- und Comedy-Duo „Die Lochis“ sind beim Familienprogramm dabei ebenso wie der Bilderbuchkünstler Alexander Steffensmeier und der Autor Wieland Freund, der ein von Michael Ende nachgelassenes Romanfragment kongenial weitergeschrieben hat.

Das Jubiläums-Literaturfest dauert vom 13. November bis 1. Dezember 2019. Wo? Im Literaturhaus München, im Kulturzentrum Gasteig, in der Muffathalle und im Ampère, in der LMU, im Instituto Cervantes und im Lyrik Kabinett.

Autorin: Doris Losch

Weitere Informationen:
www.literaturfest-muenchen.de
www.muenchner-buecherschau.de
www.literaturhaus-muenchen.de
www.buchhandel-bayern.de

Im Anschluss an die Pressekonferenz stand der Beginn einer Tradition (vermuten wir!): Es wurden köstliche Nougatpralinen des Sponsoren Elly Seidl angeboten und liebend gerne angenommen.