Tchibo: Um „fair fashion“ flächendeckend zu erreichen, braucht es noch viel Zeit

Bildunterschrift: Eine Textilarbeiterin in Asien beim Nähen einer Bluse. Foto: © Tchibo

Hamburg/Berlin. – Das Hamburger Familienunternehmen Tchibo fordert von der Bundesregierung und der europäischen Textilbranche ein klares Bekenntnis zu ACT, einem Bündnis internationaler Textilproduzenten und -händler zur Erreichung flächendeckender existenzsichernder Löhne in der Textilindustrie.

Im Rahmen der 3. Tchibo Stakeholder Diskussion Nachhaltigkeit, die Anfang April in Berlin unter dem Motto „Über Fairness in unfairen Zeiten“ stattfand, wurde außerdem die Notwendigkeit von staatlichen Regulierungen zu Sorgfaltspflichten der Industrie betont. Tchibo CEO Thomas Linemayr machte deutlich, dass diese Pflichten „europaweit und für alle Marktteilnehmer gelten müssen“. Sollte ACT keine ausreichende Unterstützung bekommen, würden existenzsichernde Löhne flächendeckend kaum zu erreichen sein.

Bildunterschrift: Nanda Bergstein: „Eine Regulierung, die für alle Marktakteure in Europa gleiche Bedingung schafft, ist dringend notwendig. Denn mit freiwilligen Initiativen einzelner Firmen allein werden wir nicht schnell genug vorankommen und ‘fair fashion’ wird eine Illusion bleiben.“ Foto: © Tchibo

Tchibo selbst verfolgt seit 13 Jahren das strategische Ziel, ein zu 100 % nachhaltig arbeitendes Unternehmen zu werden. Seitdem wurde viel in die Lieferketten und Produkte investiert. Es hat sich gezeigt, dass auch mittelständische Unternehmen wie Tchibo in den internationalen Lieferketten etwas bewirken können. „Wir wollen und wir werden weiter in Nachhaltigkeit investieren, aber wir stehen heute an einer Schwelle, an der wir unsere Investments nicht mehr nennenswert steigern können, ohne unsere Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden», sagte Nanda Bergstein, Direktorin für Nachhaltigkeit (Unternehmensverantwortung) bei Tchibo. „Es zeigt sich immer deutlicher, dass die globalen und sehr komplexen Probleme nur von allen Beteiligten, also Industrie, Gewerkschaften, NGOs und Regierungen, gemeinsam gelöst werden könnten“, so Bergstein.

Die Direktorin verweist in diesem Zusammenhang auf Kambodscha. Dort verhandeln derzeit 21 Textilmarken mit der kambodschanischen Regierung und Arbeitgebern über die Einführung von flächendeckenden Tarifverhandlungen mit dem Ziel, die Löhne auf ein existenzsicherndes Niveau anzuheben. Die beteiligten Unternehmen stehen für rund 50 % der kambodschanischen Textilproduktion. Die Regierung ist jedoch besorgt, dass die andere Hälfte bei höheren Löhnen aus dem Markt abwandert und so die Wettbewerbsfähigkeit Kambodschas geschwächt werde.

Dieses Beispiel zeigt, wie wichtig die öffentliche und unmissverständliche Unterstützung durch die jeweiligen Regierungen der Vertriebsmärkte ist. Sie müssen auf die Regierungen der Produktionsländer und die dort einkaufenden Unternehmen einwirken, ACT zu unterstützen. Bezogen auf Deutschland fordert Tchibo eine Verpflichtung aller textilen Marktteilnehmer, sich an ACT zu beteiligen.
(Quelle: Tchibo)

Weitere Informationen:
www.tchibo.com