Editha Weber: Große Fürstinnen und ihre Gärten

Covermotiv:
Jeanne-Maguerite Lecadre au jardin –
Gemälde von Claude Monet (bpk/Scala)

Regensburg. – Das Frühjahr ist da und auch Ostern ist nicht mehr weit. Was liegt da näher, sich für einen geruhsamen Osterspaziergang zu entscheiden. Da kommt das Buch mit dem verführerischen Untertitel „Spaziergänge durch sieben der schönsten Schlossparks in Deutschland“ wie gerufen und bietet sich als willkommenen und sachverständigen Begleiter an.

Fast ist es so, als hakt sich Editha Weber bei Leserin und Leser ein und begleitet sie auf ein Terrain, das die Sehnsucht nach Ruhe und Entspannung, aber auch die Wissbegierde nach historischen Zusammenhängen stillt. Und nicht zuletzt zeichnet die Autorin die Lebenslinien der Fürstinnen nach, die sich vor allem auch als „Literarische Gärtnerinnen“ hervortaten. Zumeist sind es starke, machtvolle Persönlichkeiten, aber auch stille Frauenschicksale.

Wir begleiten die Autorin zum Großen Garten von Hannover Herrenhausen, der für Kurfürstin Sophie von der Pfalz (1630-1714) als „Der Garten ist mein Leben“ galt. Sie soll bestimmend für den Ausbau der Anlage gewesen sein und ging als „Grande Dame der barocken Gartenlust“ in die Geschichte ein.

Auch ihre Tochter, die preußische Königin Sophie Charlotte (1668-1705) nahm erheblichen Einfluss bei der Gartenausgestaltung ihres Berliner Charlottenburger Refugium.

Weiter geht es nach Bayreuth, wo Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), die Lieblingsschwester Friedrichs des Großen, Bayreuther Schlösser und die Gartenanlagen planerisch und gestalterisch beeinflusste. Markgräfin Wilhelmine zählt zu den bedeutendsten Frauen des 18. Jahrhundert, sie war, salopp formuliert, multitalentiert was Kunst und Kultur betrifft.

Gebildet und höchst kreativ wird die Tochter von Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, Prinzessin Elisabeth Friederike Sophie von Bayreuth, verheiratete Herzogin Friederike von Württemberg (1732-1780), geschildert. Neben Sanspareil im Markt Wonsees, im Landkreis Kulmbach (Oberfranken), das von Markgräfin Wilhelmine ursprünglich als Felsentheater mit Wasserspielen gedacht war, nutzte sie mit ihrem Hofstaat Fantaisie als Sommersitz und lies ihn nach ihren Ideen und Vorschlägen gestalten.

Eine kreative Gartengestalterin wie Markgräfin Wilhelmine oder Herzogin Friederike war Fürstin Louise von Anhalt-Dessau (1750-1811) wohl nicht. Ihr Gatte, Fürst Franz von Anhalt-Dessau, schuf sein Gartenreich, die Dessau-Wörlitzer Anlagen, die den Gedanken der Aufklärung realisierten. Er ließ ein kleines Landhaus »Luisium« für sie als privaten Wohnsitz erbauen. Gleichwohl hatte Fürstin Louise ein Faible für die Natur und widmete sich praktischer Gartenarbeit. Seit 2000 gehört das weitläufige Gartenreich Dessau-Wörlitz zum UNESCO Weltkulturerbe.

Die früh verwitwete Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar und Eisenach in Tiefurt (1739-1807) – sie besonders – und ihr Sohn Prinz Contantin ließen sich beim Entstehen des malerischen Tiefurter Schlossgartens vom Stil englischer Landschaftsgärten inspirieren. Herzogin Anna Amalia machte das Schloss mit seinem Garten zum „Musensitz, Refugium und Erinnerungsort an Italien“ – wie es Editha Weber formuliert.

Brikada-Empfehlung: Genießen Sie die Spaziergänge durch die prachtvollen Schlossparks und Gärten, die auch heute noch – trotz zum Teil massiver Veränderung im Laufe der Jahrhunderte – Spiegelbilder höfischen Daseins und philosophischen Gedankenguts sind. Die Autorin fächert ein anschauliches Panorama herrlicher Schlossparks und Gärten auf, die Königinnen, Prinzessinnen, Markgräfinnen und Herzoginnen konzipierten oder in ihrer Ausgestaltung kreativ mit beeinflussten. Es sind ausdrucksstarke Orte von Macht und schöngeistiger Weltanschauung, aber auch Orte zum Lustwandeln, Trostspender und Kraftort, um den Alltag zu bewältigen. Damals wie heute.
Brigitte Karch

Über die Autorin: Dr. phil. Editha Weber lebt als freie Autorin und Historikerin in der Steiermark und in Mecklenburg. Regelmäßig schreibt sie über Reisen und Kultur. Gärten sind ihre Leidenschaft.

Editha Weber: Große Fürstinnen und ihre Gärten – Spaziergänge durch sieben der schönsten Schlossparks in Deutschland, 160 Seiten, gebunden, 22 Euro, ISBN/EAN: 9783791730301, erschienen Februar 2019 im Friedrich Pustet Verlag, Regensburg.


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