Ulrike Müller: bauhaus frauen

München – Überfällig ist dieses Buch, denn nach wie vor werden mit dem Begriff „Bauhaus“ geradezu reflexartig Walter Gropius, Mies van der Rohe und vielleicht noch die Lehrer Oskar Schlemmer und Wassili Kandinsky assoziiert.

Ulrike Müller schreibt in ihrem Vorwort: „Das Bauhaus hat einen wesentlichen Teil seines radikalen ideellen Vermögens (im doppelten Sinne) und seiner künstlerischen Leuchtkraft Frauen zu verdanken … Das 100-jährige Jubiläum hat nun schon im Vorfeld die Chance eröffnet, dass die Bauhausfrauen und ihre Werke als ein wesentlicher Teil der vergessenen weiblichen Moderne neu wahrgenommen werden.“

Im Sommersemester 1922 waren 52 Frauen und 95 Männer eingeschrieben, im Wintersemester 1932/33 waren es 25 Frauen und 90 Männer – wohl ein Ergebnis der autoritären Leitung Mies van der Rohes. 1933 erteilten die Nazis vielen Bauhausfrauen Berufsverbot, verfolgten sie aufgrund ihrer jüdischen Herkunft und wegen politischen Engagements. Sechs Frauen wurden in KZs ermordet wie Friedl Dicker und Otti Berger.

Glücklicherweise konnten viele Künstlerinnen wie Grete Stern oder Marli Ehrmann ins Ausland emigrieren, andere wie Marianne Brandt (legendär ist ihr „Kugelförmiges Tee-Extraktkännchen) überlebten in Deutschland.

Die Leistungen der Bauhausfrauen können für die Geschichte der Moderne, der Architektur, Malerei und Fotografie nicht genug gewürdigt werden. Gleichberechtigung der Geschlechter – die auch heute noch Gegenwind ausgesetzt ist – haben sie vorgelebt.

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Über die Autorin: Ulrike Müller hat Philosophie, Kirchenmusik, Theologie und Literaturwissenschaft studiert. Sie lebt in Weimar und arbeitet als Reiseleiterin, Museumspädagogin und Autorin. Außerdem tritt sie erfolgreich mit musikalisch-literarischen Soloprogrammen auf.

Autorin: Doris Losch

Ulrike Müller: „bauhaus frauen – Meisterinnen in Kunst, Handwerk und Design“, gebunden mit Schutzumschlag, 168 Seiten, zahlreiche Abbildungen, Euro 39.95, ISBN 978 39455 4357 3, erschienen im Elisabeth Sandmann-Verlag, München.

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