Uni Osnabrück: Frauendarstellungen auf Bildpostkarten des Deutschen Kaiserreichs

Osnabrück. – Unter welchen Bedingungen lebten bürgerliche Frauen in der Zeit des Deutschen Kaiserreiches? Dieser Frage geht Prof. (i.R.) Dr. Sabine Giesbrecht, Stifterin des Bildpostkartenarchivs der Universität Osnabrück, nach. Mithilfe von Frauendarstellungen auf Postkarten zur Herrschaftszeit Kaiser Wilhelms II. befasst sie sich mit der Frauengeschichte und Wegen zur Emanzipation im Deutschen Kaiserreich.

Wilhelm II. war von 1888 bis 1918 der letzte deutsche Kaiser und König von Preußen. Während seiner Herrschaft gab es einen deutlichen Wandel in der Frauengeschichte. Durch die Bildpostkarten dieser Zeit zieht sich kontinuierlich ein Streben der Frauen nach größerer Selbstständigkeit, mehr Bewegungsfreiheit und Veränderungen der aktuellen Lebenssituation. In ihren Bildanalysen ausgewählter Postkarten geht Giesbrecht den Spuren von Umbrüchen im Geschlechterverhältnis nach und deutet sie als Wege zur Emanzipation.

Frauen gelten schon immer als bildniswürdige Objekte und sind als Postkartenmodelle sehr geschätzt“, so Giesbrecht. Anhand der von ihr ausgewählten 135 Karten analysiert die Professorin, wie und wo politische und soziale Ereignisse während der Herrschaft Wilhelms II. Spuren im Leben bürgerlicher Frauen hinterlassen haben und unter welchen Bedingungen sie lebten und arbeiteten. „Die Karten geben Auskunft über das offensichtlich vorhandene Bestreben, der Idee persönlicher Freiheit eine höhere Bedeutung in der gesellschaftlichen Wertehierarchie zu verschaffen“, sagt sie.

Mit Beginn des Ersten Weltkrieges änderte sich die Situation für die deutschen Frauen schlagartig. Plötzlich sind sie nicht mehr die standesbewussten und wenig selbständigen Vertreterinnen der Wilhelminischen Gesellschaft, sondern müssen als “Heimatfront” alle vormals von den Männern verrichteten Arbeiten übernehmen.

Grüße aus der Heimat. Copyright: Bildpostkartenarchiv Universität Osnabrück

„Kriegspostkarten schildern diese Frauen als verlässliche Partnerinnen, belastbar, umsichtig, erfinderisch bei anstehenden Ernährungsproblemen, kompetent in Gelddingen und besonders in der Kriegsfürsorge unverzichtbar für den Fortgang des Krieges“, so Prof. Giesbrecht. „Zum Dank erhebt man sie zu barmherzigen Mutterfiguren, Engeln, Dulderinnen und Heldinnen, aber nicht zu emanzipierten Bürgerinnen.”

Seit über 40 Jahren sammelt Giesbrecht historische Bildpostkarten. Das Archiv hat sie der Universität Osnabrück gestiftet. Es enthält inzwischen mehr als 17.000 Postkarten. Neben der Frauengeschichte sind die Sammelschwerpunkte Darstellungen musikalischer Kontexte, Propaganda im ersten und zweiten Weltkrieg sowie die Lokalgeschichte von Osnabrück und Umgebung. Rund 800 der Bildpostkarten zeigen historischen Frauen- und Männerbilder.

Als Ergebnis ihrer Forschung legt Prof. Giesbrecht nun das Buch „Wege zur Emanzipation: Frauendarstellungen auf Bildpostkarten des Deutschen Kaiserreiches unter Wilhelm II.“ vor. Es ist im Electronic Publishing Osnabrück (epOs) Verlag erschienen. Giesbrecht ist Professorin (i.R.) für Historische Musikwissenschaft im Fachbereich Erziehungs- und Kulturwissenschaften der Universität Osnabrück.
(Quelle: Universität Osnabrück)

 

Sabine Giesbrecht, Wege zur Emanzipation Frauendarstellungen auf Bildpostkarten des Deutschen Kaiserreiches unter Wilhelm II., 260 Seiten, 270 Seiten, 135 farbige Abbildungen von historischen Bildpostkarten, Printausgabe 34,90 Euro, ISBN 978-3-940255-72-3, CD-ROM 19,90 Euro ISBN 978-3-940255-73-0, erschienen bei epOs-Music, Universität Osnabrück, https://www.epos.uni-osnabrueck.de

Weitere Informationen:
www.bildpostkarten.uni-osnabrueck.de
www.uni-osnabrueck.de

Titelbild: Zur Frauenbewegung. Copyright: Bildpostkartenarchiv Universität Osnabrück