Annette Borchardt-Wenzel: „Frauen in Baden“

Regensburg. – Biografien über berühmte, tüchtige, bemerkenswerte Frauen gibt es reichlich auf dem Büchermarkt. Vor allem in den 70ern des vorigen Jahrhundert war es ein beliebtes Thema, starke Frauen zu porträtieren. Annette Borchardt-Wenzel fügt nun mit Frauen in Baden – Ein biografischer Streifzug durch die Geschichte ein weiteres Buch über erwähnenswerte Frauen hinzu. Doch es ist überraschend ganz anders als die bisherigen Beschreibungen über Frauen.

Bereits auf den ersten Blick erkennbar. Das Titelbild signalisiert die historische Bandbreite ausgewählter Frauen: das Hauptmotiv zeigt Luise von Baden sowie eine Bildreihe mit Bertha Benz, erste Autofahrerin, Markgräfin Ottilie von Katzenellenbogen, Olympiasiegerin Lina Radke-Batschauer, Erzherzogin Maria Theresia und Modezeitschriftenverlegerin Aenne Burda.

Der Fokus liegt dabei auf Baden – erstaunlich, welche Kraft die Frauen kennzeichnet, was sie auf politischer Ebene und sozialem Engagement bewegten und wie ihr Handeln mitunter bis in die Gegenwart hinein eine wichtige Rolle spielt.

Es sind weit über 70 Frauen aus allen Schichten, Konfessionen und Tätigkeitsfeldern, die die Autorin in Kurzportäts spannend und mitreißend vorstellt. Mit dabei sind Adelige, Kirchenfrauen, Verbrecherinnen, Revolutionärinnen, Wissenschaftlerinnen, Wohltäterinnen und Politikerinnen. Aber auch Stars und Stilikonen finden hier ihren Auftritt.

Eine neue Sichtweise und Darstellungsform findet die Autorin eben in der Auswahl; denn sie bezieht die Frauenpersönlichkeiten in die historische Chronologie mit ein. Beispiele sind hier etwa: Mittelalter (Die Familie „von Baden“), Frühe Neuzeit (Die renitenten Nonnen von Pforzheim), Im Großherzogtum (Katharina Werner – die Bescheidene/Die Löfflerin – eine Kochbuch-Autorin), Freistaat Baden (Gerta von Ubisch – die erste Professsorin an der Uni Heidelberg), Zeit des Nationalsozialismus (Elisabeth von Thadden – Hinrichtung einer Pädagogin) und In den Nachkriegsländern und Baden-Württemberg (Ami-Liebchen oder auch Sonja Ziemann – das Schwarzwaldmädel).

Auch scheut sich die Autorin nicht, Außenseiterinnen wie Hübschlerinnen beim Konztanzer Konzil oder etwa die Terroristin Brigitte Mohnhaupt (Grausames Feminat) mit in die Kurzportäts einzubeziehen.

Doch damit nicht genug! Annette Borschardt-Wenzel verfügt über eine Edelfeder, will heißen, ihr gelingt es, leicht und locker Geschichte absolut unterhaltsam zu beschreiben. Eine Eigenschaft, die sie auch zur viel gebuchten Referentin für Vorträge über historische Frauengestalten macht.

Brikada-Empfehlung: Geschichte(n) über bedeutende Frauen in Baden erweist sich als historischer Streifzug der anderen Art: ein Überblick über das Handeln, Denken und Wirken von Frauen bis in die Gegenwart hinein. Ein ungebremster Lesegenuss – nicht ohne sehr nachdenklich stimmendes „Hinterher …“. So endet das Schlusswort der Autorin mit einem Zitat von Manuela Rukavina, der damaligen Vorsitzenden des Landesfrauenrates Baden-Württemberg, zum Weltfrauentag 2017. Diese warnte davor, dass angesichts weltweiter antidemokratischer Haltungen „die Errungenschaften [„der Menschenrechte und damit der Frauenrechte“] in Frage gestellt werden.“
 Brigitte Karch

Über die Autorin: Annette Borchardt-Wenzel, geboren 1962 in Bruchsal, ist Redaktionsleiterin von DER SONNTAG (hrsg. von den Badischen Neuesten Nachrichten). Die Journalistin ist Autorin mehrerer Bücher zur badischen Geschichte.

Annette Borchardt-Wenzel: Frauen in Baden – Ein biografischer Streifzug durch die Geschichte, 248 Seiten, 49 Abbildungen, gebunden mit Schutzumschlag, ISBN 978-3-7917-2831-5, 24,95 Euro, erschienen im Verlag Friedrich Pustet, Regensburg.

Weitere Informationen:
www.verlag-pustet.de