Doris Losch: Ramboli geht stiften


Kater Ramboli ist ein gern gesehener Gast. Er liebt Abenteuer und ist immer für Adrenalistöße gut.
Gewohnt, zu ebener Erde zu Besuch zu sein, findet er es besonders prickelnd, diesmal zur Abwechslung im ersten Stock, unmittelbar über seinem gewohnten „Pensionszimmer“, für einige Tage Quartier zu beziehen. Da hat Katze doch gleich einen ganz anderen Rundblick. Aber dann ruft seine Wirtin plötzlich um Hilfe: Ramboli sei spurlos verschwunden. Nach mehreren Stunden und etlichen Schlückchen Kreislauftropfen (für die Suchenden) meldet sich die Nachbarin der Nachbarin: Ramboli schlummere selig in ihrem Bett. Die Dickmopsnudel von Kater muss sich durch die gekippte Balkontür hineingezwängt haben. Unschuldig schaut er vom Bett auf: „Was denn, sucht ihr etwa miiich?“

Wenige Tage später bricht erneut Panik aus. Er ist wieder weg. Wie im Krimi geht die „Soko Ramboli“ von Tür zu Tür der Wohnanlage und ermittelt. Aber wie üblich hat niemand etwas gehört oder gesehen. Fahndungsplakate werden ausgehängt: „Wer kennt diesen Kater? Vollschlanke Figur, hört auf den Namen Ramboli“. Die Soko hat den Verdacht, das Tier sei vom Balkon im ersten Stock in die Freiheit gesprungen. Sogleich macht sich die aus zwei reiferen Damen bestehende Soko auf in den begrünten Hof, dreht jedes Blatt um, schaut unter jeden Busch, späht in jeden Baumwipfel, sogar in Aschentonnen und unter Polster auf fremden Terrassenmöbeln und rattelt mit der Futtertüte. Nix. Rufe bleiben unerhört.

Bei hellem Sonnenschein hat die Suche begonnen, jetzt dämmert es und da – plötzlich, hinter einem sehr dichten Gebüsch steckt er, der Kater. Jetzt heißt es, ihn auf den rechten Weg zu locken in seine gewohnte Gastwohnung zu ebener Erde. Nach ein paar Fast-Nervenzusammenbrüchen gelingt es – inzwischen ist es stockdunkel – ihn hinter Schloss und Riegel zu bringen. Er muss aber noch in den ersten Stock – im Erdgeschoß ist eine andere Katze zu Gast und Ramboli ist bekannt für sein ruppiges Benehmen gegenüber Artgenossen. Es kommt zu Turbulenzen bis schließlich ein beherzter Nachbar ein Netz über ihn wirft, greift, in eine Transportbox stopft und nach oben bringt. Dort klettert Ramboli aus der Box, schüttelt sich und schaut zufrieden um sich: „Coole Sache, so ein Ausflug, miau!!“.
Doris Losch