Frauen-Schau: Von Herta Müller bis zu Ina Menzer


Wer in den vergangenen vier, fünf Tagen die Presse verfolgte, glaubte kaum seinen Augen zu trauen: Frauen mit Spitzenleistungen rücken in der Öffentlichkeit immer öfter ins Blickfeld.

Fangen wir mal an bei den Nobelpreisträgerinnen. Da ist Herta Müller, die als Literaturpreisträgerin 2009 euphorisch gefeiert wird. Die Deutsche, als Banater Schwäbin in Rumänien geboren, wurde für ihren Roman "Atemschaukel" von der Schwedischen Akademie mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. Sie wird von Literaturkritikern als "eminent poetische Sprachschöpferin" bezeichnet. Übrigens, als "Geheimtipp" für die Vergabe des Deutschen Buchpreises gehandelt, erhielt nicht Herta Müller diese Auszeichnung, sondern die Außenseiterin Kathrin Schmidt. Sie gewann soeben mit ihrem Roman "Du stirbst nicht" den begehrten Preis.

Zurück zum Nobelpreis: erstmals wurde in der Kategorie "Ökonomie" mit Elinor Olstrom eine Frau geehrt. Die 75-jährige amerikanische Wirtschaftsexpertin machte sich einen Namen als exzellente Umwelt-Ökonomin. Sie forscht seit Jahren, wie man knappe Güter auf möglichst viele Menschen verteilen kann. Frau Olstrom teilt sich das Preisgeld von 1 Mio. US-Dollar mit ihrem amerikanischen Kollegen Oliver E. Williamson.

Auch Liz Mohn steht im Fokus der Medien. Nach dem Tode ihres Mannes Reinhard Mohn, einstiger Herrscher des Bertelsmann-Medienkonzerns, wird sie nun dort das Sagen haben. Bereits seit Jahren steht sie im 16 Mrd. Euro schweren Konzern an vorderster Stelle und bestimmt die Geschicke von über 100.000 Mitarbeitern sowie mehreren Dutzend Fernsehsendern und Radiostationen.

Wer am vergangenen Wochenende im ZDF das Frauenboxen mit verfolgte, konnte eine nicht immer ganz überzeugende Ina Menzer erleben. Dennoch gelang es dem zierlichen Persönchen mit den knallharten Fäusten, ihren Box-Weltmeistertitel im Federgewicht gegen ihre Herausforderin, die Niederländerin Esther Schouten, erfolgreich zu verteidigen. Ob etwas am so genannten "Zicken-Krieg" zwischen den beiden dran ist, bleibt dahin gestellt. Vielleicht ist aber alles auch nur Flüsterkram, ums Show-Biz in Schwung zu halten …

Und noch´n Gedicht: Amelie Kober, ihres Zeichens Snowboarderin mit vier Siegen in Folge im vergangenen Jahr, schaukelte sich jetzt in den Niederlanden an die Spitze. Dort durfte sie nach atemberaubendem Snowboard-Weltcuplauf das Siegerpodest betreten.

Ach ja, und da ist noch Liselotte Pulver. Sie wurde (diesmal) nicht ausgezeichnet – sie wurde "nur" 80 Jahre – mehr jung, denn alt – und hat anscheinend nach einem persönlichen Tief wieder zu ihrem ansteckenden Lachen zurückgefunden! Das zeichnet die in der Schweiz lebende Schauspielerin ("Ich denke oft an Piroschka" und "Die Buddenbrooks") ganz besonders aus! Herzlichen Glückwunsch noch nachträglich!
Brigitte Karch