Alice Frommholz: Über das Lachen


Lachen erfordert ein sehr feines Fingerspitzengefühl – man kann schließlich nicht mit einem aufdringlichen Lachen in eine Trauergesellschaft hineinplatzen – bildlich gesprochen. Doch es gibt Leute, die ganz wahllos, ganz sinnlos ihr Lachen wie ein Uhrwerk aufziehen, ohne den kleinen Haken wieder zu finden, der ihr Lachen abstellt. Nein, so ein Lachen läuft seine Tour ab wie eine Grammophonplatte. Ja, solche Menschen ahnen gar nicht, wie sie der Umwelt auf die Nerven fallen. Sie werden niemals das befreiende Gefühl eines Lachens empfinden, das aus dem Herzen kommt und die Wirkung einer wohltuenden Medizin hat. Denn ein unbeschwertes Lachen, es wird sich niemals vergessen – sondern es gibt sich wie ein unverhofftes Geschenk, das Freude bereitet, sich und der Umwelt.

Selbst ein Lachen, das man sich aus Höflichkeit abringt, wird immer etwas Gequältes an sich haben und wie ein Alpdruck sich aufs Gemüt legen. Doch ein jubelndes Kinderlachen, ein leise lockendes Lachen der Liebsten, das beschauliche, insichtgekehrte Lachen eines Greises – so ein Lachen rührt das Herz, bring es in Schwingung, zaubert das Glück hervor.

Doch das Lachen hat noch einen Partner – das Lächeln. Mitunter ist das Lächeln weit dem Lachen vorzuziehen. Nicht das ironische Lächeln über eine nichts ahnende, schief sitzende Krawatte, nicht das zynische Lächeln über einen unterlegenen Gegner – nein, das zufriedene Lächeln über eine geglückte Sache, das lieblich-errötende Lächeln eines jungen Mädchens, das stille Lächeln über eine gute Tat, und schließlich das strahlende Lächeln auf den Lippen einer Mutter, die sich über die Wiege ihres Kindes beugt.

Alice Frommholz (1910 – 1962)
Sie war Mitarbeiterin verschiedener Tageszeitungen in Berlin und Hannover, darunter auch bei der "Hannoverschen Presse". In ihren gefühlvollen Feuilletons, Betrachtungen und Gedichten zeigte sie ihr bemerkenswertes Talent und sensibles Gespür, kleinen Dingen des Alltags eine besondere Bedeutung zu geben.