Närrisches zur Weiberfastnacht

 

Augsburg. – Mäusespeck – und dann noch geworfen!!!! Bleibt cool, verehrte Tierschützer! Beruhigt Euch Leute, es handelt sich dabei um närrisches Wurfmaterial. Jawoll, ja! Weder lebend noch tierisch, sondern tierisch gut schmeckend, und das in Hoch-Zeiten von Alaaf und Helau!

Mäusespeck sind – wer es nicht wissen sollte – Marshmallows, pappig-süß, unverzichtbar bei Karnevalsumzügen und auch außerhalb der 5. Saison als willkommenes Sofa-Sitz-Smart-Phone-Gezappe-Beiwerk. Inklusive klebriger Geräteoberfläche und mit eingebautem Zahnarztbesuch.

Warum wir über das Ganze so verzückt schreiben? Nun, wie der Bundesverband der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI), vorsichtshalber mit Sitz in Bonn, reichlich sachlich in seiner jüngsten Presseverlautbarung darlegt, bleiben „Süßigkeiten als Wurfmaterial unumstritten die Nummer 1, gefolgt von Blumen und kleinen Spielsachen“. Na da schau her!

Aber es geht noch weiter: So sollen in den nächsten Tagen bei den karnevalistischen Umzügen rund 500 Tonnen über das närrische Volk regnen. Allein im Kölner Rosenmontagszug werden nach Angaben des Festkomitees Kölner Karneval in diesem Jahr rund 300 Tonnen Süßigkeiten geworfen. In Düsseldorf und Mainz werden je ca. 60 Tonnen süße Spezialitäten an das närrische Volk verteilt.

300 Tonnen in Köln, plus 60 Tonnen in Düsseldorf, plus 60 Tonnen in Mainz – wo bleiben die geschätzten restlichen 80 Tonnen Wurfmaterial? Und wie hoch beläuft sich davon der Anteil an Mäusespeck? Na, vielleicht macht sich die so mancherorts geradezu aberwitzig beliebte Schaummasse ganz schnell, ganz heimlich auf den Weg und zieht zusammen mit den Weißen Mäusen, eine Spezies des Fruchtgummis und ein ebenso zahnungesundes Karnevalumzugsnaschwerk, in eine Wellness-Oase zurück. Mit verträumten Ausblick aufs närrische Treiben. Jedenfalls vorübergehend ein Päuschen, nicht lange, denn am Aschermittwoch ist alles vorbei. Dann ist auch der närrische Traum vom Wurfmaterial ausgeträumt!
In diesem Sinne: Helau und Alaaf!
Autorin: Brigitte Karch