“Landpartie” lädt zur Museumstour ein: Essen, Trinken und mehr


„Die Landpartie will das verwöhnte Münchner Kulturpublikum in die kleinen Museen locken“, sagt Christine Heinz vom Schlossmuseum Ismaning bei der Eröffnung der beiden Ausstellungen „Gaumenfreuden – Augenschmaus“ und „Von Tisch und Bett, Ismaninger Gastlichkeit in früherer Zeit“ im Kallmann-Museum und im Schlossmuseum. Dies gelinge auch gut, schließlich machten die Münchner seit vielen Jahrzehnten gerne eine Landpartie, wozu immer auch eine zünftige Einkehr gehörte und gehört.

„Von Tisch und Bett“ blickt zurück in die Zeit der Tafern-Wirtschaften, die nicht nur dem leiblichen Wohl dienten sondern auch Stätte für Vertragsabschlüsse aller Art und Vereinslokale waren. Dank vieler privater Leihgaben gibt die Schau einen guten Überblick über Traditions-Gasthäuser und Schankstuben, von der Dorfwirtschaft bis zum Kiosk mit Limonadenausschank und ihre soziale Funktion im Alltagsleben. Auch ein „musterhaftes“ Gästezimmer ist aufgebaut incl. Nachttopf (mit Deckel), kupferner Bettflasche und keuschem Nachtgewand. Kochbücher, Bierkrüge, Gläser und Geschirr und der Nachbau einer Küche aus der Zeit um 1950 (erscheint uns Heutigen wie mindestens 500 Jahre alt) runden das Ganze ab. Köstlich die Karikatur eines Stammtisches von 1950: Bierdimpfeln unterschiedlichster körperlicher Gestalt Seit‘ an Seit‘ mit einer offenbar dem Bier zugetanen Miezekatze.

Aber das ist noch längst nicht Alles. Essen in der aktuellen Kunst beleuchtet „Gaumenfreuden – Augenschmaus“ mit ästhetischen, genussvollen, humorigen und absurden Inszenierungen rund um Lebensmittel, gedeckte Tische und essende Mitmenschen incl. historischer und religiöser Gesichtspunkte. Künstler wie Sonja Alhäuser, Sinje Dillenkofer, Elisabeth Endres, Gloria Gans, Roswitha Huber, Ruth Knecht, Judith Samen sind mit Arbeiten vertreten.
Soweit Ismaning. „Landpartie“ ist im gesamten Münchner Umland vertreten. „ EatArt heute“ ist in der Neuen Galerie mobil Dachau zu besichtigen. Dorothea Frigo serviert Pizza – aus Federn und Kunststofffolie. Regina Pemsl nimmt sich die Abgründe einer Kaffeeklatsch-Gesellschaft vor, Patricia Wich veranschaulicht die weltliche Vergänglichkeit mit Hilfe einer künstlichen Torte. Das Stadtmuseum Freising zeigt „Bierkrüge made in Germany“ der von 1876 bis 1906 bestehenden Freisinger Firma Hauber & Reuter (heute in den USA teuer bezahlte Sammlerstücke). „Ganz schön süß“ in Stadtmuseum Fürstenfeldbruck widmet sich der Geschichte der Konditorenkunst am Beispiel der Fürstenfeldbrucker Lebzelter-, Wachszieher- und Konditorendynastie Brameshuber. „Kunst + Essen aus der Zeit von 1880 bis in die 1980-er Jahre“ zeigt die Gemäldegalerie Dachau incl. schöner, aber auch ekliger und unappetitlicher Essens-Bilder von Georg Baselitz, Max Beckmann, Gabriele Münter u.a.

Mit „Milch! Nahrung – Mythos – Politikum“ geht das Bauernhofmuseum Jexhof in Schöngeising dem Mythos dieses uralten Nahrungsmittels und der aktuellen politischen Brisanz (Milchpreis, Existenzängste der Milchbauern) des Themas nach. Zu den Höhepunkten von „EssKultur – Zur Geschichte der Ernährung in der Neuzeit“ zählen drei gedeckte Tische bäuerlich-ländlicher, bürgerlich-städtischer und adelig-höfischer Esskultur.

Der Begleitband zur Ausstellung mit Rezepten aus dem Kochbuch der Theresia Arnoldin von 1787 dürfte Kochbuchsammler interessieren.

Die Sonderausstellung „Fisch + Fischer“ im Museum Starnberger See stellt nicht nur den Fisch als Lebensmittel in den Mittelpunkt, sondern auch den Beruf des Fischers früher und heute.

Alle neun Ausstellungen sind ein guter Grund für Münchner, wieder einmal eine Landpartie zu unternehmen.
Doris Losch

Weitere Informationen:
www.landpartie-museen-muenchen.de
www.dachauer-galerien-museen.de

Bildunterschrift: Vornehme Aufschnittschüssel – Garnieren von Schüsseln 1910. Motiv ist in der Ausstellung EssKultur – Zur Geschichte der Ernährung in der Neuzeitvom 5. Juli 2011 bis 8. Januar 2012 in den Dachauer Galerien Museen zu sehen. Foto: Bezirksmuseum Dachau

(Die Links wurden am 11.05.2011 getestet.)