Modistenmeisterin Karin Zeisberger: Hüte stärken die Persönlichkeit

 

Karin Zeisberger ist eine der kreativsten und erfolgreichsten Modistinnen Deutschlands und darüber hinaus. Wer einmal einen „Zeisberger“ auf dem Kopf hatte, setzt – so jedenfalls ihre Fans – nur noch Modelle aus ihrem Atelier auf.

Von der Pike auf hat sie ihren Beruf gelernt. 1984 legte sie die Meisterprüfung ab und wurde mit der Goldmedaille für besondere Leistungen geehrt. Seit 1985 leitet sie ihre eigene Manufaktur in Waldfenster (Rhön).


Bildunterschrift (o.): Karin Zeisberger

 

Kreativität ist ihr in die Wiege gelegt. „Ich wollte immer einen künstlerischen Beruf ergreifen, etwas mit meinen Händen schaffen, etwas, mit dem ich mich ausprobieren konnte. Zuerst tendierte ich in Richtung Schaufensterdekorateurin. Doch es gab zu wenig Ausbildungsstellen.“ Zu ihrem Traumberuf Modistin kam Karin Zeisberger ganz profan dank der Berufsberatung des Arbeitsamts. Gleich bei der Besichtigung ihres künftigen Ausbildungsbetriebs war es um sie geschehen: „Was für faszinierende Kreationen da zu sehen waren! Ich wusste sofort, das ist das Richtige für mich.“


Bildunterschrift (o.): Feuerzauber – Modellhut von Karin Zeisberger

Was ist denn eigentlich das Faszinierende an Hüten? „Sie verändern die Persönlichkeit zum Positiven. Sie bringen Spaß und Freude. Hüte sind sozusagen das Sahnehäubchen für das Outfit, etwas Besonderes. Ein Hut verändert die Persönlichkeit. Die Leute sollten sich schicker kleiden, modebewusster.“

Menschen tragen Hüte seit jeher. Anfangs als Schutz vor Kälte, Unwetter, Sonne, als Merkmal der Zugehörigkeit zu einer Gruppe … Die Kulturhistorie der Hüte ist unglaublich reich. Im Laufe der Menschheitsgeschichte avancierten sie zu Statussymbolen (heute noch: Ascot),

 

Bildunterschrift (r.): Landlusthut. Hutmodell von Karin Zeisberger

 

Zugehörigkeitsmerkmalen z.B. von Berufs- und Volksgruppen, zu Symbolen der Macht (Krone etc.). Sie reihen sich in das ewig junge Spiel mit der Mode und der Lust am Schmücken und Schönmachen ein.

Humor und Spaß sind ein weiteres wichtiges Kriterium für Kopfbedeckungen. So hat Karin Zeisberger für eine Landpartie mit dem Motto Spanien auf Wunsch der Veranstalter lustige Hütchen für Hunde kreiert (u.a. „Fifi de Luxe“). „Ich hatte die Idee, Hunde gemeinsam mit ihren ebenfalls ‚behüteten‘ Besitzerinnen in Spanisch inspirierter Kleidung über den Laufsteg zu schicken.“ Das Publikum applaudierte begeistert! (Anm. d. Verf.: Wie wäre es mal mit flotten Käppchen für Katzen?)

                                                                                         
Bildunterschrift (o.): Hutmodell für Hunde von Karin Zeisberger

 

Stimmt es eigentlich, dass jemand ein Hutgesicht hat oder eben keins? „Nein. Jeder kann einen Hut tragen. Es kommt auf die richtige Form an. Ich schaue mir jedes Gesicht immer genau an. Wie ist die Form, welcher Typ sind die Dame oder der Herr?“ Kleinen Frauen kann ich keinen riesigen Hut aufsetzen. Bei einem kürzeren Hals brauche ich einen Hut, der streckt.“


Bildunterschrift (o.): Kunst am Kopf. Hutmodell von Karin Zeisberger

 

Neuerdings beobachtet sie eine Tendenz zu mehr Mut zum Hut. „Es gibt Kundinnen und Kunden, die haben noch nie einen Hut aufgesetzt, aber verspüren auf einmal Lust dazu. Hut ist auch bei der Jugend eindeutig im Kommen.“

Seit 1985 ist Karin Zeisberger mit ihrem eigenen Atelier selbständig. Sie besucht Ausstellungen, Messen und Events wie die jährliche Rosenschau im Botanischen Garten München. Zum persönlichen Service außer Haus gehört, dass z.B. zu weite Hüte gleich den individuellen Kopfmaßen angepasst werden. „Wichtig ist die Beratung der Kundinnen und Kunden. Denn, was sie sich wünschen ist das eine und was ihnen steht, das andere.“

 

Bildunterschrift (r.): Spirale des Lebens. Hutmodell von Karin Zeisberger

Noch in den 90-er Jahren waren Hüte weniger gefragt. Nach der Jahrtausendwende aber ging es nach dem Empfinden von Karin Zeisberger stetig und erfreulich aufwärts. „Auch Männer tragen wieder mehr Hüte“.

 

Eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt das Klima. Augen und Haut müssen vor immer dünnerer Ozonschicht und greller Sonne geschützt werden. Wie ginge das eleganter als mit Hüten! Ein Bestseller von Karin Zeisberger ist denn auch ihr breitkrempiges an den Florentiner angelehntes Modell „Landlusthut“ aus Weizenstroh und mit bunten Samtbändern.


Bildunterschrift (o.): Ein Hauch von Luxus. Hutmodell von Karin Zeisberger

 

Fascinators wie Herzogin Kate sie trägt

Aktuell stark „angesagt“ seien die so genannten Trilbys – eine kleine Herrenhutform, die auch Frauen steht, aus den 30-er Jahren – und natürlich die charmant-verspielten Fascinators (früher Head Pieces genannt), wie Mode-Ikone Herzogin Kate sie trägt. Bei den Herren erfreut sich neben dem Trilby der Porkpie großer Beliebtheit. Brad Pitt und Justin Timberlake sollen sie auf ihren prominenten Häuptern spazieren tragen. „Es ist deutlich zu spüren, dass Prominente wie Herzogin Kate die Nachfrage positiv beeinflussen.“ Eine gewisse Vorbildfunktion ließe sich nicht leugnen.

 

 

                                                                         Bildunterschrift (o.): Locker und leger. Hutmodell von Karin Zeisberger

Bei den Materialien dominieren in der bevorstehenden Herbst- und Wintersaison hochwertige weiche Haarfilze. „Man greift wieder zu edleren Materialien, zu handgearbeiteten individuellen Modellen.“ En vogue seien für Männer Tweedmützen. Sehr beliebt seien in der Schlechtwettersaison „schnelle unkomplizierte Hüte, Kofferhüte, knautschbare, lässige Modelle, die sich zusammen rollen und im Rucksack verstauen lassen.

In ihrem persönlichen Hutregal hat Karin Zeisberger „schätzungsweise“ 30 Modelle: Panamahüte, mehrere Sonnenhüte, Fascinators … Im Winter trägt sie gerne Stirnbänder, garniert mit einer dekorativen Blüte. Wenn es schneit oder regnet, greift sie zum rollbaren Filzhut.

Das Farbspektrum Herbst/Winter 2017/2018 favorisiert dezente Töne wie Grau, Beige, Mauve, Zartrosa, Hellgrau. „Ich selbst mag es farbenfroher und liebe alles, was knallig und bunt ist: Rot, Pink, ein schönes Apfelgrün, das verarbeite ich in meinen Kollektionen immer wieder gerne.“

 


Bildunterschrift (o.): Historischer Hut. Hutmodell von Karin Zeisberger

Ein Hut ist nicht nur eine Bedeckung des Kopfes, für den Alltag und für Hochzeiten, es gibt Vereinshüte, Hüte für Musikgruppen (Oktoberfest), Trachtenvereine, – am ersten September-Wochenende ist Karin Zeisberger beispielsweise am Gredinger Trachtenmarkt vor Ort.

Modistin-Meisterin Karin Zeisberger bildet künftige Modistinnen aus und wurde für herausragende Ausbildungsleistungen ausgezeichnet. Viele der von ihr ausgebildeten Lehrlinge wurden Bundessiegerinnen bzw. Landessiegerinnen, so u.a. Diana Gräfin Bernadotte.

 

Bildunterschrift (r.): Karin Zeisberger

Wer jetzt Lust auf Hut bekommen hat und selbst tätig werden möchte, kann bei Karin Zeisberger auch Kurse buchen, in denen die Meisterin interessierte Laien mit der Technik des Modisten- und Hutmacherhandwerks vertraut macht.
Das Interview führte Doris Losch

 

Titelbild:  (v.l., obere Reihe): Exklusiver Landlust Hut; Modellhut: Ein Hauch von Luxus. (v.l., untere Reihe): Individuelle Hutlösungen – auch für Hunde. Herrenhut: Egal – zum Sonnenschutz oder leicht und leger. Alle Modelle und Fotos: © Karin Zeisberger

Weitere Informationen:
www.zeisberger-hut.de