Ute Patel-Mißfeldt: „Man erlebt mit Hüten ganz tolle Sachen!“


Genau 5 Minuten vor Mitternacht “ zum Jahreswechsel 1940/1941 – kam Ute Patel-Mißfeldt in Bremerhaven zur Welt. Nach der grafischen Ausbildung gab sie als Fachlehrerin am Gymnasium in Langen Kunstunterricht. Sie folgte einem Lehrauftrag der Universität von Bhavnagar in Indien, unterrichtet dort an Textil-Fachhochschulen und erhielt sogar einen Lehrauftrag an der Universität von Taiwan-Taipeh, um dort Designer auszubilden. Sie war an der Gründung des Kunstvereins "Arche" ebenso beteiligt wie an der des "Kunstvereins Seide e.V." im Jahr 1997. Zudem ist sie als viel gefragte Kostümbildnerin tätig.

In Rundfunk- und Fernsehaufnahmen, darunter im ZDF, ARD, RTL, WDR, ORF, JNTV, BR3, Südwestfunk Baden-Baden, Bayern 2, war sie präsent und stellte in Linz, Zürich, Hamburg, Berlin, München, New York, Bombay, Washington, MS Europa sowie auf der Insel Mainau (Schloß) ihre Werke aus. Seit 1996 arbeitet die künstlerisch multi-talentierte Ute Patel-Mißfeld als Designerin für verschiedene Porzellan-Manufakturen wie etwa Kaiser Porzellan und Franz Porzellan. Mit ihren Karikaturen zu den Büchern „´Kunst´“ – appetitlich ´verbackt´“ stellt sie ihr treffsicheres Gespür für Humor, liebenswürdige Ironie und Skurriles sichtbar unter Beweis.

Darüber hinaus fungiert Frau Patel-Mißfeldt als musikalische Gesamtleiterin und Intendantin der „Österreichischen Donaufestspiele“ in Grein. Frau Patel-Mißfeld hat 25 Bücher, zahlreiche Kalender und Videos veröffentlicht. Seit 1998 veranstaltet sie die in Europa wohl größte jährliche Hut-Verkaufsschau „Mut zum Hut“. Weitere Ausstellungen führen sie in viele Teil der Welt. Im sozialen Bereich engagiert sich Ute Patel-Mißfeld für eine indische Frauenorganisation – „eine Herzenssache“ wie sie überzeugend versichert.

Die Künstlerin ist mit dem international anerkannten Urologen, Philosophen und Fotografen Prof. Dr. Vallabhbai Patel verheiratet. Die vierfache Mutter lebt und arbeitet auf dem Jagdschloss Grünau bei Neuburg an der Donau.

Temperamentvoll, Kreativität versprühend ohne Ende, liebenswürdig extrovertiert, gleichwohl voller Sensibilität und Feingefühl “ Charaktereigenschaften wie Flut und Ebbe, die die Künstlerin auszeichnen. Die große Kunst des Zuhörens ist ihr ebenso zu eigen, wie ihre scheinbar ungebremste Energie und ihr mitreißender Elan. Ihre Treffsicherheit des guten Geschmacks ist traumwandlerisch, ihr Gespür für niveauvolles Interieur “ abzulesen in ihrem höchst persönlichen, eindrucksvollen Wohnambiente in herrschaftlicher Schloss-Atmosphäre “ versetzt den Betrachter in nahezu andachtsvolles Staunen.

Für die Stadt Neuburg dürfte Frau Ute Patel-Mißfeldt ein ausgesprochener Glückfalls sein; denn ihre Aktivitäten rund um die jährliche Hutschau wirken als bedeutsamer Anziehungspunkt. Mit der zunehmenden Medienpräsenz und wachsenden Besucherzahl der Hut-Schau trägt die Künstlerin zur wünschenswerten Aufmerksamkeit der geschichtsträchtigen Renaissancestadt mit bei. Das örtliche Dienstleistungsgewerbe, Einzelhandel, Gastronomie und Hotellerie, ja auch die Mitbürger partizipieren im wohlverstandenen Sinne an der wörtlich zu verstehenden Unternehmerinnen-Lust einer kreativitätsverliebten Perfektionistin. All dessen ist man bewusst, immerhin ehrte die Stadt Neuburg a.d. D. Frau Patel-Mißfeldt im Jahr 1994 mit dem Kulturpreis.

Wie kamen Sie auf die „Hut-Idee“?
Seit ich denken kann, habe ich mich mit schönen Dingen beschäftigt. Meine Mutter war eine schöne rothaarige, fragile Frau. Sie, meine Großmutter und ich trugen eigentlich immer Hüte. Als ich vor Jahren die Frankfurt Messe besuchte, erzählte mir eine Modistin: Von diesem Beruf könne sie nicht leben. Da habe ich es mir zu Aufgabe gemacht, Frauen wieder unter den Hut zu bringen, um auf diese Weise auch den Beruf der Modistin (Damenhüte) und des Hutmachers (Herrenhüte) vor dem Aussterben zu bewahren. Seit 1998 organisiere ich daher die „Mut zum Hut“-Schau in Neuburg an der Donau, die mittlerweile wohl die größte Hautschau Europas ist. Inzwischen hat sich das Blatt wieder gewandelt: die Lust am Hütetragen ist sichtbar zurückgekehrt!

Doch damit nicht genug. Sie malen Aquarelle und Karikaturen – was hat Sie dazu gebracht?
Während eines dreiwöchigen Kankenhausaufenthaltes begann ich Karikaturen und Aquarelle zu malen. Nach nochmals drei Wochen stelle ich in einer Ausstellung meine Werke aus. Später kamen Pastelle, Malereien auf Seide sowie Design auf Porzellan hinzu.

Bei dieser vielfältigen künstlerischen Tätigkeit bleibt natürlich die Frage nach Ihrer künstlerischen Ausbildung nicht aus.
Ich hatte zwar eine dreijährige grafische Ausbildung in Bremerhaven, aber ansonsten bin ich nicht ´verbogen´ durch irgendwelche Bildung. Den guten Geschmack und den Sinn für Ästhetik habe ich wohl von meiner Tante und von meiner Mutter.

Welches waren Ihre Lieblingsfächer in der Schule?
Kunst, Musik, Biologie, Sport und Handarbeit.

Beschreiben Sie bitte Ihren Malstil
Vor allem: ich male keine abstrakten Bilder, sondern bleibe im Gegenständlichen. Die Ansicht eines Kunstkritikers “ ich fasse das als Kompliment auf – dürfte meinen Malstil sehr treffend beschreiben: „Sie hat den Jugendstil neu belebt, ohne ihn nachzumachen.“

Wie beschreiben Sie Ihre Bilder?
Ich möchte es ganz ausdrücklich sagen: ich bin überästhetisch, alles muss schön aussehen und harmonisch sein. Bilder drücken das Wesen und die Seele aus.

Welche Sujets favorisieren Sie?
Blumen, Landschaften, Weibsbilder und schöne Frauen – und überhaupt: ich bin ein Ornamente-Freak.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?
Für mich gibt es gar keine Freizeit. Ich finde es schon schlimm, wenn ich Zeitung lese. Nein, im Ernst, die Organisation und Durchführung der jährlichen Hutschau nimmt schon viel Zeit in Anspruch. Ich kümmere mich um meinen Garten, ich schreibe Bücher, Briefe, bemale Porzellan und Seide “ nein, Freizeit habe ich nicht.

Haben Sie künstlerische Vorbilder?
Ja, vor allem die Impressionisten wie etwa Alfred Sisley. Ich habe eines seiner Bilder, eine Schubkarre im Hohlweg, so oft nach gemalt, dass die Kopie schließlich fast wie echt aussah…

Was ist Ihnen bisher besonders gelungen?
Ich war immer anders als andere Menschen und habe auch eine gewisse Ausstrahlung auf Menschen. Das macht die Sache leichter im Leben. Naja, auch meine Kinder und Enkelkinder, obwohl die manchmal doch recht nervig sein können. Und dann natürlich die „Mut zum Hut“-Ausstellung“ das ist wohl das Beste, das mir in meiner künstlerischen Laufbahn je gelungen ist.

Wer oder was inspiriert Sie?
Natur, Mensch, die Farbe Grün, Musik…

Wer ist Ihr größter Bewunderer?
Mein zauberhafter Mann und viele andere Bewunderer. Wenn ich zum Beispiel einkaufen gehe, setze ich immer einen Hut auf, oftmals wirklich umwerfende Kopfbedeckungen. Häufig bleiben junge Männer stehen und sprechen mich bewundern an. Man erlebt mit Hüten ganz tolle Sachen! Von dieser Anerkennung lebe ich, es ist faszinierend für mich.

Haben Sie Zukunftspläne?
Die habe ich eigentlich nie. Ich weiß nur, dass Vieles sehr gut läuft, und wenn etwas nicht so funktioniert, dann stelle ich mein Leben sofort um. Als ich 5 Jahre alt war, habe ich mir immer gedacht, ich werde einmal nach Amerika gehen “ so ist es denn ja auch gekommen. Oder: in meiner Jugend war meine Familie so arm wie die Kirchenmäuse. Aber schon damals wusste ich, eines Tages werde ich in einem Schloss wohnen “ auch dieser Wunschtraum hat sich erfüllt. Ich nehme mir innerlich immer etwas vor, hege dabei jedoch keinen sonderlich großen Ehrgeiz. Ich verfolge kein Ziel, sondern nehme es an, wie es kommt.

Gibt es Aufgaben, die Sie nicht so gerne machen?
Sauber machen, Schreibarbeiten, das bringt mich schlichtweg um “ dieser bürokratische Aufwand.

Wie definieren Sie „Talent“?
Lob macht´ne ganze Menge aus. Begabung ist da sekundär, aber man muss fleißig sein. Talent ist die Summe von Begabung und Fleiß. Doch es ist der Fleiß, den das wahre Talent ausmacht.

Haben Sie ein Lebensmotto?
Ja: positiv Denken!

Rückblickend auf Ihr Leben: Wie denken Sie über das Alter?
Als 18-jährige wollte ich eigentlich nie so alt werden, wie ich es jetzt bin. Mich interessiert das Alter überhaupt nicht! Ich setze einen tollen Hut auf und genieße es, wenn ich junge Verehrer habe.

Das Gespräch führte Brigitte Karch ©

Weitere Informationen:
www.patel-missfeldt.de und www.mutzumhut.de

(Die Links wurden am 20.06.2007 getestet.)