Elisabeth Arnold-Schwankhart: „Die Leidenschaft ist der Schlüssel zum Glücklichsein!“


Sie zählt zu den Frauen, denen es gelingt, Familie und Beruf sowie Zeit für eigene Belange verträglich unter einen Hut zu bringen. Disziplin, flexibles Agieren auf unvorhersehbare Ereignisse, Belastbarkeit, Qualitätsbewusstsein sowie Einfühlungsvermögen und Fürsorge für die ihr anvertrauten Menschen bedeuten der verheirateten zweifachen Mutter oberstes Handlungsprinzip. Von Schülerseite findet sie Anerkennung und Achtung, auch wenn manche der jungen Leute erst im Laufe ihres eigenen Berufslebens wirklich den Weitblick und das unnachgiebige Pochen ihrer Lehrerin auf handwerkliche Qualitätsarbeit begreifen. Die gebürtige Münchnerin stammt aus einem gastronomischen Betrieb. Neben ihrer Unterrichtstätigkeit an der Städtischen Schule setzt sich Frau Arnold-Schwankhart ehrenamtlich in ihrer Wohngemeinde in Mammendorf für das Umsetzen der „Agenda 21“ ein. Beim „Arbeitskreis der Konditoren e. V.“ ist sie als Schriftführerin im Einsatz und arbeitet zu gewissen Saisonen in einem Konditorei-Confiserie-Betrieb.

Was veranlasste Sie, die Konditorlaufbahn zu wählen?
Meine Eltern führten einen gastronomischen Betrieb mit Metzgerei, den eine meiner Schwestern übernehmen sollte. Meine erste Idee für meine Berufswahl war, Fotografin zu werden. Doch meine Mutter meinte, da ich schon immer gerne beim Kuchenbacken mit Freude und einem gewissen Talent dabei war, ich solle den Beruf einer Konditorin erlernen. So absolvierte ich eine dreijährige Lehre in einer guten Konditorei in einer Münchner Vorortgemeinde. In dieser Zeit wurde ich wegen meiner Leistungen Kammer- und Landessiegerin im Berufswettbewerb für Junggesellen und erlangte den 3. Preis beim Bundesentscheid in Wolfenbüttel. Nach der Lehre schloss sich ein Aufenthalt im berühmten Kulm-Hotel in St. Moritz an, dort arbeitete ich eine Wintersaison als Commis-Patissiere. Danach folgten Stationen in München, unter anderem bei Mövenpick, dort war ich als 2. Abteilungsleiterin tätig.

Dort hatten Sie ja ein besonderes Erlebnis …
Ja (lacht), als mir mein damaliger Chef eine Lohnerhöhung anbot, lehnte ich ab “ sehr zur Verwunderung meines Vorgesetzten. Auf seine Nachfrage, warum, antwortete ich, dass ich aus zweierlei Gründen nicht annehmen kann. Zum einen unter dem Aspekt, wenn ich mehr Lohn bekäme, wäre es mein persönlicher Anspruch, dass ab sofort überhaupt nichts mehr schief laufen dürfe. Zum anderen wollte ich in Kürze die einjährige Meisterschule besuchen und fand es daher unfair, noch rasch eine Lohnerhöhung „mitzunehmen“. Übrigens, mein Chef honorierte meine Haltung mit einem wunderschönen Buchgeschenk.

Dann wurden Sie Konditormeisterin “ wie ging es danach weiter?
Der damalige Fachleiter der Meisterschule für Konditoren, Hans Herrmann, empfahl mir, nebenberuflich an der Meisterschule tätig zu werden. Das war für mich eine große Ehre. Aus der Nebenberuflichkeit wurde eine feste Anstellung, jedoch nur auf Teilzeitbasis, bei der Landeshauptstadt München. Gleichzeitig habe ich mit handwerklich selbst hergestellten Marzipanfiguren etliche Konditoreibetriebe beliefert. Nach meiner mehrjährigen Familienzeit (Erziehungsurlaub), habe ich „nur“ noch einen Unterrichts-Tag in der Woche an der Meisterschule. In dieser Zeit ist mein Mann für die Betreuung unserer beiden Kinder da, dies ist mir sehr wichtig! Nicht nur deshalb kann ich einen vollen Einsatz gewähren, d. h. ich muss nicht zu einer bestimmten Uhrzeit zu Hause sein, eine fremde Betreuungsperson hätte da hingegen feste Zeiten. Der Unterricht beginnt für mich um 8.00 Uhr und geht bis Nachmittag oder auch länger (besonders vor den anstehenden Prüfungen). Nach außen hin sieht es so aus, als wäre ich nur einen Tag beim Arbeiten, doch die Unterrichtsvor- und -nachbereitungen beschäftigen mich einen zusätzlichen Tag, aber halt zu Hause. Hinzu kommen Lehrerkonferenzen, Absprachen mit Kolleginnen und Kollegen und gewisse Zusatzarbeiten, wie zum Beispiel Öffentlichkeitsarbeit.

Was schätzen Sie an Ihren Schülerinnen und Schülern?
Der Umgang mit jungen Menschen hält mich jung und auf dem Laufenden. Sie „füttern“ mich mit Informationen aus ihrer Welt. Spannend sind für mich ihre unterschiedlichen Beweggründe die Meisterschule zu besuchen, auch die Erwartungen, nicht nur in fachlicher Hinsicht, und die Ziele und Ansichten, die sie haben. Besonders zum Finale eines Schuljahres, wenn alle an ihren Prüfungsvorbereitungen auf Hochtouren arbeiten, fordern die Schülerinnen und Schüler sich selbst und mich, was zwar sehr anstrengend sein kann, aber für mich und hoffentlich auch für die Schüler, die schönste Zeit ist. Da merken die meisten Schüler erst, wie viele Ideen sie selber haben können und was noch alles möglich ist. Auch der Wille, nur Spitzenprodukte anzufertigen, ist hier auf dem Höhepunkt angelangt. Das „In-sich-wachsen“ wird bemerkt und beflügelt, die Selbstzweifel sind meiner Meinung nach, die besten Kreativitätsförderer. Erst nach (erfolgreichen) Anstrengungen wird der Mensch zufrieden und diese Erfahrung muss von vielen erst durchgehalten und erlebt werden.

Sie sind zudem noch Vorstandsmitglied im „Arbeitskreis für ehemalige Meisterschüler der Konditoren in München e.V. Welches sind dort Ihre Aufgaben?
Ich gehöre seit meiner Meisterschulzeit dem Arbeitskreis an, der seit Jahren vom Weltmeister der Konditoren Manfred Bacher geleitet wird. Es ist ein branchenspezifisches Netzwerk, dass allen Absolventen der Meisterschule für Konditoren in München, ebenso den angehenden Meisterschülern, offen steht. Auf den jährlichen Frühjahrs- und Herbsttagungen halten Experten und Kollegen interessante Vorträge und Referate. Die praxisorientierte Seite ist mit Demonstrationen versierter Fachleute über das „Wie“ bei der Herstellung von Konditoreiprodukten der Schwerpunkt. Ich selber bin hier als Schriftführerin tätig. Mein (umfangreiches) Aufgabenfeld reicht von der schriftlichen Einladung an die mehr als 250 Mitglieder über das Protokollschreiben von Vorstandssitzungen bis hin zur Veranstaltungsmitorganisation. Bei mir laufen alle Fäden zusammen.

Was ist in Ihrem Beruf wichtig?
Zunächst nicht auf geleistete Arbeitsstunden zu achten, doch ich erwarte dies auch von meinen Schülern. Ich sehe viele Dinge, an denen andere „blind“ vorübergehen. Vielleicht trainiert man sich diese Eigenschaft des Genau-Hinsehens im Laufe der Jahre selber an. Ich gehe mit wachen und kritischen Augen durch die Welt, was für mein Umfeld nicht immer angenehm ist. Es liegt mir daran, dass die Schüler die Arbeiten nicht irgendwie erledigen, sondern sehr exakt ausführen. Eine gewisse Ausdauer und Disziplin ist unerlässlich und vor allem nicht jammern, sondern positiv die Probleme lösen wollen. Allerdings muss ich auch sagen, dass mein großes Schmerzanliegen darin besteht, dass mein Arbeitseinsatz nicht leistungsorientiert honoriert wird.

Was wünschen Sie sich von der Zukunft?
Ich möchte gesund bleiben an Körper und Seele, das wünsche ich auch für meine Familie. Für mich möchte ich gerne mehr Zeit haben und einmal im Indischen Ozean baden (wegen der warmen Wassertemperatur). Die Gesellschaft sollte mehr Rückgrat bekommen, besonders unserer Jugend wegen. Das Miteinander in der Erwachsenenwelt sollte mehr – und der Egoismus weniger werden. Die Umwelt muss viel mehr beachtet werden und wirtschaftliche Machenschaften wie mit den Gen-Lebensmitteln sollten nicht geschehen dürfen. Dann wünsche ich mir, wie in der Vergangenheit auch, dass ich immer wieder den richtigen Leuten begegne. Denn mein Werdegang war nie stur geplant, sondern entwickelte sich, eben auch durch Menschen, die mir gewisse Anstöße gaben. Vielleicht ergibt ich sogar eine berufliche Veränderung, mal sehen. Dem Konditorenbereich wünsche ich einen Nachwuchs, der super ausgebildet wird, durchgreifende Impulse, kaufkräftige Kunden und Verkäuferinnen mit Leidenschaft. Die Leidenschaft ist, wie überall, ein Schritt zum Glück.

Das Interview führte Brigitte Karch

Weitere Informationen: www.dagusta.de

(Der Link wurde am 13.06.2007 getestet.)