Elisabeth Heinrich: „Man kommt nie am Ziel an, wenn man nicht genau weiß, was man will!“


Dort trafen wir die gebürtige Münchnerin an und stellten Fragen zu ihrer Berufswahl, ihren Zielen und was sie über ihre Freunde und ihre Familie denkt. Elisabeth Heinrich schätzt ihre Eltern über alles und hat durchaus konkrete Vorstellungen, was sie im Leben einmal alles erreichen will.

Sie wollten eigentlich Fluggerätemechanikerin bzw. Hubschrauberpilotin werden. Wie kommt man denn auf diese “ für Mädchen immer noch eher ungewöhnlichen Berufe? Man wacht ja nicht eines Tages auf und sagt: Ich will Fluggerätemechanikerin oder Hubschauberpilotin werden?
Das stimmt! Aber mein Opa war Flugpilot und mein Onkel hatte als Elektriker ebenfalls beruflich mit Flugzeugen zu tun. Das hat mir so gut gefallen, dass ich beschloss, eines Tages beruflich unbedingt in diese Richtung zu gehen.

Doch nun absolvieren Sie noch bis Ende Februar eine Schnupperlehre im Paulaner am Nockherberg unter den Fittichen von Küchendirektor Andreas Geitl. Das ist ja ein ganz anderes Berufsfeld. Wie kam es dazu?
Nachdem mich die Bundeswehr und die Lufthansa (ohne Angabe von Gründen) abgelehnt hatten, stieß ich beim Surfen im Internet auf den Paulaner am Nockherberg. Dort suchte man Leute für eine Schnupperlehre als Köchin. Ich habe ja nicht nur die Mittlere Reife, sondern auch einen Abschluss in Hauswirtschaft. Nach dem Vorstellungsgespräch bei Herrn Geitl erhielt ich sofort die Stelle, und habe meine Schnupperlehre im Januar 2007 begonnen.

Zwischen Schulende und Beginn der Schnupperlehre lagen ja einige Wochen dazwischen. Was haben Sie in dieser Zeit gemacht?
Ich arbeitete in einer Bäckerei, um etwas Geld zu verdienen.

Wie sieht Ihr derzeitiger Tagesablauf aus?
Ich beginne um 12.00 Uhr mittags, ziehe mich um und kleide mich mit meiner Kochkleidung, also mit Kochjacke, langer Schürze und Kochmütze ein. Danach schaue ich nach, was auf dem Tagesplan steht, bei wem ich eingeteilt bin und gehe zu diesem Kollegen, um mich dort zu informieren, was ich tun muss. Arbeitsende ist für mich gegen 20 Uhr.

In einer Profi-Küche gibt es ja viel zu lernen und zu tun…
Das stimmt. Im Laufe der Schnupperlehre werde ich auf den Posten Produktion, Gardemanger (Kalte Küche), Entremetier (Beilagen), Saucier (Saucenkoch) und Patisserie (Süßspeisenkoch) eingeführt.

Man hört immer wieder, dass der Beruf Köchin für Frauen sehr anstrengend ist. Was sagen Sie dazu?
Für Frauen ist der Beruf gar nicht mal so anstrengend. Viele wissen auch nicht, was man als Köchin zu tun hat. Hier im Betrieb herrscht hohe Teamfähigkeit, dann klappt alles. Wenn die Töpfe zu schwer sind, dann bitte ich einfach einen Kollegen, der hilft mir dabei.

Wie ist denn der Umgangston in diesem Männer-dominierten Beruf ?
Manchmal gibt es heftigere Worte, der Ton ist dann etwas härter. Aber ich bin robust und stabil, das halte ich auch dann aus, wenn es gelegentlich etwas bunter wird.

Was gefällt Ihnen hier besonders?
Man lernt täglich dazu. Ich kann selbstständig arbeiten und durfte auch schon mal ein Buffet dekorieren. Außerdem finde ich das toll, dass hier noch von Hand frisch produziert wird. Das ist vor allem auch deshalb gut, weil man alle Zubereitungsarten lernen kann; denn wenn ich alles nur maschinell betreiben würde, dann bräuchte ich auch gar nicht erst Köchin zu werden. Außerdem habe ich großen Spaß daran, etwas Neues auszuprobieren. Man kann die Speisen solange ausprobieren, bis man das „gewisse Etwas“ im Mund spürt. Und natürlich gefällt mir hier das gute menschliche Klima, man merkt, jeder ist mit Spaß bei der Sache!

Was kochen Sie am liebsten?
Ich mag lieber Süßes “ da kann ich geschmacklich mehr spielen und viel mehr ausprobieren, also Desserts, Kuchen und Plätzchen.

Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit, und was sagen Ihre Freunde, wenn Sie erst abends Zeit für sie haben?
Als Köchin muss ich zeitlich flexibel sein, das geht in unserem Beruf nicht anders. Echte Freunde akzeptieren dass. Außerdem habe ich wöchentlich zwei bis drei Tage genügend Freizeit. Ich komme damit super klar!

Was unternehmen Sie in Ihrer Freizeit?
Ich treffe mich mit Freunden. Wir spielen Volleyball oder gehen Baden im See. Und natürlich gehen wir zum Shoppen nach München. Gelegentlich finde ich Zeit zum Lesen spannender Lektüre wie etwa „Das Sakrileg“.

Welche beruflichen Ziele streben Sie an?
Mein Traum ist es, nach Kanada zu gehen, um dort meinen Hubschrauber-Pilotenschein zu machen. Ich möchte einmal in meinem Leben selber fliegen können! Ich will mir selbst beweisen, dass ich es kann, ich will an meine eigenen Grenzen gehen, ein Risiko eingehen. Alles andere wäre sonst zu langweilig. Ich kann das schaffen, denn ich bin Technik-begeistert und hatte in Physik sogar die Note 2. Vielleicht bleibt es nur ein Traum, aber dann kann ich immer sagen, dass ich es aktiv versucht habe. Jeder Mensch sollte sich ein Ziel setzen, und unbedingt versuchen, es zu erreichen. Man kommt nie am Ziel an, wenn man nicht genau weiß, was man will. Man muss auch mal was riskieren. Ein anderes Ziel ist für mich, auf einem Schiff zu kochen, es zu erleben, wie man dort als Köchin arbeitet. Wichtig ist ja vor allem, dass man Erfahrungen sammelt, und auch aus Fehlern kann man lernen.

Haben Sie Vorbilder?
Ja, das ist mein Opa, der als Pilot gearbeitet hat, und mein Vater, der schulungstechnisch und menschlich viel drauf hat und weiß, was Sache ist. Meine Mutter kennt mich so gut, das sie genau weiß, was los ist. Sie hat dann immer einen Ratschlag für mich. Bei ihr spüre ich Geborgenheit. Überhaupt bin ich in einer großen Familie mit vielen Tanten und Onkeln aufgewachsen. Ich bin stolz darauf in einer so großen Familie zu leben!

Machen Sie sich Gedanken über die Zukunft?
Ja, eigentlich schon; denn wenn man in den Zeitungen und im Fernsehen liest und sieht, dass um das Jahr 2050 herum hier Mittelmeerklima herrschen soll, dann denkt man schon mal darüber nach. Sicherlich wird die Technik in Zukunft eine noch größere Rolle spielen.

Das Interview führte Brigitte Karch©

Weitere Informationen: www.dagusta.de

(Der Link wurde am 16.02.2007 getestet.)