100 Jahre Zeller – Hotel + Restaurant – : Übergabe an die vierte Generation im Jubiläumsjahr

Die Leitung des Zeller – Hotel + Restaurant – in Kahl am Main verbleibt in weiblichen Händen: Im 100. Jubiläumsjahr übergibt die bisherige Geschäftsführerin Renate Schleunung (62) die Verantwortung für das Vier-Sterne-Haus in großen Teilen an ihre Tochter Alexandra Schleunung (29), die damit als Urenkelin der Unternehmensgründer in vierter Generation die Tradition als Hoteliersfamilie fortsetzen wird. Auch sie möchte der Philosophie einer „aus Überzeugung gelebten Gastfreundschaft“ treu bleiben.

Frau Schleunung, fällt es schwer, nach 32 Jahren nicht mehr an der Spitze des Unternehmens zu stehen?
Überhaupt nicht. Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich 1982 voller Tatendrang den Betrieb von meinen Eltern übernommen habe. Diese Aufgabe obliegt nun meiner Tochter und ich weiß das Unternehmen bei ihr in besten Händen. Man muss rechtzeitig loslassen können und der nächsten Generation zu einem Zeitpunkt die Möglichkeit geben, ihre Ideen und Vorstellungen umzusetzen, wenn besagter Tatendrang besonders stark vorhanden ist. Auch bleibe ich dem Hotel ja weiterhin als Direktorin treu und kann meine Erfahrung durch Rat und Tat einbringen.

Sie haben das Hotel ohne Ihren Mann geführt – „Frauen-Power“ scheint also Tradition in der Familie zu sein …
Das ist reiner Zufall. Mein Ehemann war bereits Architekt als wir geheiratet haben und er hat sich als solcher umfangreich in die Bauprojekte des Unternehmens eingebracht. Auch denke ich, dass das Geschlecht bei der Führung eines Unternehmens nicht wirklich eine Rolle spielt – trotzdem habe ich große Hochachtung vor meiner Mutter und Großmutter: Beide hatten jeweils einen Krieg zu überstehen, während dem sie das Hotel alleine führen mussten. Erfolgreich, denn wir hatten nie geschlossen …

Bildtext (r.): Front vom Zeller – Hotel + Restaurant – . Foto: Uwe Noelke

 

Frau Alexandra Schleunung, wie haben Sie sich auf Ihre Aufgaben als neue Eigentümerin und Geschäftsführerin vorbereitet?

Mit den Abläufen im Hotel und Restaurant bin ich seit Kindesbeinen ja bereits bestens vertraut. Zudem habe ich nach meinem Studium sowie meinen externen Beschäftigungen – als Reservations Manager im Münchner Louis Hotel sowie bei den Rocco Forte Hotels als Central Reservations Manager Deutschland – viele Abteilungen hier im Hause durchlaufen und mich aktiv eingebracht. Während dieser Zeit habe ich viel Unterstützung seitens der Kollegen und Vorgesetzten erfahren, die mich sehr gefördert und geprägt haben, wofür ich ihnen sehr dankbar bin. Außerdem habe ich meine Mutter ja weiterhin als Direktorin, erfahrene Hotelier und Vertraute an meiner Seite.

Beginnt für das Zeller – Hotel + Restaurant – mit Ihnen an der Spitze jetzt eine neue Ära?
Ja und nein zugleich. Mir ist es wichtig, Veränderungen nur behutsam vorzunehmen. Damit fahren wir seit 100 Jahren sehr gut. Zu unserer Philosophie gehört es beispielsweise, eine besondere Nähe zum Gast, aber auch zu unseren Mitarbeitern zu pflegen: Viele von ihnen sind schon sehr lange bei uns beschäftigt und wir tragen ihnen gegenüber eine große Verantwortung. Daher sind Schnellschüsse oder gar Experimente nicht angebracht. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir nicht am Puls der Zeit bleiben: Neue Ideen, eine Überarbeitung des aktuellen Konzepts, aber auch bauliche und technische Neuerungen sowie Optimierungen im Bereich Verkauf und Vermarktung hat es immer gegeben und wird es immer geben – konkrete Pläne hierzu sind zum jetzigen Zeitpunkt aber noch nicht spruchreif.

Bildtext (l.): Lobby vom Zeller – Hotel + Restaurant – . Foto: Uwe Noelke

 

Ein Marken- oder Kettenanschluss etwa steht also nicht zur Disposition?
Nein. Ein solcher Schritt würde unser Konzept zu sehr einschränken und uns in unserer Entscheidungsfreiheit beschneiden. Wir sind ein Traditionshaus, privat geführt und als solches fest in der Region verankert. Nur so können wir die sprichwörtlich familiäre Atmosphäre, für die wir bekannt und geschätzt werden, weiterhin pflegen. Das soll auch – zumindest auf absehbare Zeit – so bleiben. Vielleicht allerdings wird eines Tages die dann fünfte Generation anders über diese Entscheidung denken …

Welchen Rat gibt die Senior-Chefin ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg?
Wer den Beruf des Hoteliers erfolgreich ausüben möchte, muss mit Leib und Seele dabei sein. Dies gilt insbesondere für einen Betrieb unserer Größe, der noch dazu in Familienhand liegt. Mein grundsätzlicher Rat lautet: Authentisch bleiben und Gästen, Geschäftspartnern und Mitarbeitern stets mit Herzlichkeit, Ehrlichkeit und Menschlichkeit begegnen. Ansonsten muss das jeweilige Bauchgefühl darüber entscheiden, wohin die Reise unseren Betrieb führen und wie sie vonstattengehen wird.

Wenn Sie nun zurückblicken, welche Höhe- und Tiefpunkte haben Sie erlebt?
Ich habe das Glück, fast ausnahmslos auf eine Phase des Wachstums und Fortschritts zurückblicken zu können. Sicherlich war es etwas schmerzlich, als wir Anfang der 1980er Jahre die fast von Anfang an angeschlossene Metzgerei geschlossen haben, um uns ganz auf den Hotelbetrieb zu konzentrieren. Auch war die Zeit während und nach der Finanzkrise 2008 keine einfache. Aber wir haben das alles gut überstanden und sind gestärkt aus ihr hervorgegangen. Resümierend jedoch überwiegt das Positive und hier sind es die freudigen Momente im Tagesgeschäft, die mir besonders in Erinnerung bleiben werden: Nämlich wenn man geschätzter Gastgeber sein darf – für gelungene Familienfeiern wie Hochzeiten oder runde Geburtstage von Freunden, Bekannten und eben den Menschen hier in Kahl. Das erfüllt mit Zufriedenheit und auch etwas Stolz.
(Quelle: maxPR)

Weitere Informationen:
www.hotel-zeller.de

Titelbild: Renate und Alexandra Schleunung vom Zeller – Hotel + Restaurant – in Kahl am Main. Foto: Uwe Nölke