DBS/NPC: Verena Bentele und Kati Wilhelm duellieren sich im Blinden-Biathlon

Wie aber funktionieren Biathlon und Langlauf eigentlich, wenn man blind oder zumindest stark sehbehindert ist? Auf was – und vor allem: auf wen – kommt es an? Wir haben im Vorfeld der Spiele mit der zwölffachen Paralympics-Goldmedaillengewinnerin Verena Bentele und der dreifachen Olympiasiegerin Kati Wilhelm einen spannenden Vergleich veranstaltet, um unseren Lesern die Faszination, aber vor allem auch die Herausforderungen der paralympischen Biathlon- und Langlauf-Disziplinen näher zu bringen.

Entscheidend ist die Höhe. „Achte darauf, wie sich das Geräusch verändert“, sagt Verena Bentele, „es kommt darauf an, dass man den richtigen Ton trifft“. Das ist wie im wirklichen Leben, nur dann ist man erfolgreich.

Die richtige Frequenz, dieses durchgehende Piepen, dann hält die Flinte mitten ins Schwarze, dann leuchtet das grüne Licht in der Zielvorrichtung auf. Volltreffer.

Bei den Paralympischen Spielen und Wettbewerben schießen die sehbehinderten Athleten mit Hilfe von Infrarot-Gewehren. Gezielt wird mit akustischer Unterstützung, dicke Ohrhörer tragen die Sportler, um sich voll auf die Zielgeräusche konzentrieren zu können. Kati Wilhelm schoss viermal rot, einmal grün bei ihrem ersten Mal. Immerhin. „Ich hätte nicht gedacht, dass es so schwierig ist“, gab die 37-Jährige zu. Verena Bentele schoss fünfmal grün.


Bildtext (l.): Kati Wilhelm. Foto: DBS/NPC

Auf Einladung des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) trafen sich die beiden erfolgreichen Olympioniken auf der Olympiaschießanlage von München 1972 zu einem „Duell“ mit dem Blinden-Gewehr. Wilhelm hatte keine Chance gegen die blinde Konkurrentin, machte ihre Sache mit einer absolut blickdichten Brille auf der Nase aber sehr gut. „Ich muss ihr ein Kompliment machen“, sagte Bentele, „dafür, dass sie noch nie solch eine Waffe in der Hand hatte, war das prima.“ Je länger sich Kati Wilhelm an das Piepen und Sausen in ihrem Ohr gewöhnte, desto besser wurde sie. Der Ehrgeiz der ehemaligen Leistungssportlerin kam schon durch. „Es ist sicherlich ein Vorteil, dass ich weiß, wie ein Gewehr zu führen ist, wenn ich im Zielbereich bin, kann ich kleinste Korrekturen vornehmen wie bei unseren Waffen“, sagte die dreimalige Olympiasiegerin, die ihre Karriere nach den Spielen in Vancouver 2010 beendet hatte.

Anders als beim olympischen Biathlon steht die Zielscheibe für die Blinden nur in zehn Metern Entfernung. Auch wird nur im Liegen geschossen, die Gewehre sind wegen der Verdrahtung zum Ziel am Schießstand befestigt und werden nicht auf dem Rücken der Läufer durch das Gelände getragen. Verena Bentele fordert jedoch eine Regelreform: „Ich bin absolut dafür, dass die Läufer in Zukunft mit ihren eigenen Gewehren unterwegs sind. Es ist kein Problem, die Waffe am Schießstand mit der Technik zu verbinden.“

Bildtext (l.): Verena Bentele. Foto: DBS/NPC

 

Die 31-Jährige hatte ihre Laufbahn 2011 beendet. Insgesamt zwölf Goldmedaillen gewann sie im Langlauf und Biathlon bei den Paralympischen Spielen. Inzwischen hat sie ihre Liebe zum Radfahren entdeckt, hatte im Frühjahr den Kilimandscharo bestiegen und hält Motivationsvorträge unter anderem vor lernschwachen Schülern. „Ich vermisse den Langlauf nicht mehr“, sagt sie, „ich tobe mich jetzt anders aus.

Die Liebe und Begeisterung für ihren Sport war aber noch zu merken. Mit großem Enthusiasmus erklärte sie, wie man mit Führungsläufer auf Skiern durch die Loipe jagt (Wilhelm: „Ich bewundere diesen Mut“), mit traumwandlerischer Sicherheit ließ sie die Zielscheiben grün aufleuchten. Verena Bentele trifft offenbar immer den richtigen Ton.
(Quelle: DBS/NPC)

Weitere Informationen:
www.dbs-npc.de

Titelbild: Verena Bentele und Kati Wilhelm. Foto: DBS/NPC