Evelyn Knecht setzt sich für mehr „Spiel-Raum“ ein


Dabei handelt es sich – so EvelynKnecht im O-Ton – um „ein Netzwerk zum Thema Spielen, worin verschiedene Organisationen gemeinsam an Bedingungen arbeiten, die fürs Spielen notwendig sind. Abenteuerspielplätze sind darin genauso gefragt wie Spielbusse oder auch Referate die aus unterschiedlichsten Gründen mit Spielen zu tun haben. Spiel ist aus meiner Sicht eine Querschnittsaufgabe, die nicht nur aus einem Aspekt besteht. Ob Lernen, Bewegen und Gesundheit, Kultur und Kunst – ich versuche, diese Disziplinen zusammenzubringen. Das fasziniert mich.“

Warum setzen Sie sich als Expertin der Fanta Spielplatz-Initiative für kreatives Spielen ein?
Ich bin schon seit längerem im Spielraum Fachbeirat des Deutschen Kinderhilfswerkes, wo ich mich zum Beispiel damit beschäftige, wie man Spielplätze und im erweiterten Sinne „Spielraum“ verbessern kann. Die Fanta Spielplatz-Initiative finde ich sehr spannend, denn sie setzt genau da an und unterstützt Verbesserungsaktionen auf deutschen Spielplätzen.

Warum ist es so wichtig, Kindern die Möglichkeit zu bieten, frei und kreativ zu spielen?
Freies Spiel ist für Kinder unglaublich wichtig, weil sie sich erst durchs Spielen zu kleinen Persönlichkeiten entwickeln: Im Spiel können sie selber Erfahrungen machen und Dinge ausprobieren, was sonst nicht immer uneingeschränkt möglich ist. Außerdem entwickeln sie sich im sozialen Bereich und eignen sich Wissen an: zum Beispiel indem sie ein Brett auf einen Stein legen und ausprobieren was passiert, wenn sie unterschiedliche Gegenstände auf die Enden des Bretts legen. Oder indem sie einen Eimer mit Wasser im Kreis schwingen oder mit Kleidung aus unterschiedlichen Stoffen von einer Rutsche runterrutschen. Das sind Erlebnisse und Erkenntnisse, die Kinder sich selbst im Spiel erarbeiten. So erfahren sie viel über die Welt und ihre Zusammenhänge.

Welchen Einfluss hat kreatives Spielen im sozialen Bereich?
Spiel hat eine wichtige Rolle im ‚Miteinander‘, im Umgang mit anderen Menschen und deren Verhaltensweisen. Spielplätze sind dabei essenziell: Sie sind Treffpunkte, wo man Mitspieler findet, was heutzutage sonst nicht so einfach ist. Allerdings darf das nicht heißen, dass Kinder nur auf Spielplätze dürfen – sie sind eher ‚Knotenpunkte‘ im gesamten Netzwerk einer Spiellandschaft, also von Orten und Räumen, wo Kinder spielen dürfen. Oder zumindest spielen dürfen sollten!

Womit beschäftigen Sie sich in Ihrer täglichen Arbeit bei der Spiellandschaft Stadt? Was sind konkrete, aktuelle Projekte?
Wir weihen demnächst in München eine von Kindern selbst entwickelte Murmelbahn ein, im Rahmen des Projekts ‚Bewegter Schulhof‘. Dass Kinder sich viel bewegen sollten, weil es gesund ist und hilft, besser zu lernen, ist eigentlich bekannt. Dennoch ist es eine Sache, die bei Menschen immer wieder in Erinnerung gerufen werden muss – gerade in dieser Zeit von hohem Leistungsdruck. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit des Arbeitskreises ‚Schulhof-Spielhof‘ mit dem Sportamt Freizeitsport. Das Tolle daran ist, dass Kinder selbst mitgedacht haben, was sie möchten. Für die Umsetzung war ein Spielgerätehersteller zuständig. So wurden die Ideen der Kinder und Expertenwissen zusammengebracht. Die ganze Koordination des Projektes war meine Verantwortung.

Warum ist es so wichtig, Kinder und Jugendliche bei der Planung von Spielorten selbst mitreden zu lassen?
Partizipation ist ein entscheidender Punkt, denn nur Kinder selbst sind die Experten, die wissen was sie möchten und brauchen. Es ist eine tolle Sache, wenn Menschen die aus verschiedensten Disziplinen kommen, wie zum Beispiel Lehrer, Spielpädagogen oder Sportwissenschaftler, mit Kindern zusammen etwas erarbeiten. Denn nur dann können wir sicher sein, dass das Spiel letztendlich Spaß macht.

Weitere Informationen:
spiellandschaft.de

Bildtext: Evelyn Knecht