Christin Belzner: „Mode beginnt am Kopf“


Wir haben einmal vorbeigeschaut und die Laden-Inhaberin, Christin Belzner, zu ihrer Idee, ein Modegeschäft zu führen, das auf ganz besondere Weise von Kundinnen, die trotz Erkrankung flott aussehen wollen, befragt.

Sie berät, besucht und betreut die Betroffenen. Sie nimmt sich vor allem Zeit für sie. Man fühlt sich dort verstanden und gut aufgehoben.

Frau Belzner, welchen Berufswunsch hatten Sie als junges Mädchen?
Als kleines Mädchen, das gern mit Puppen spielte, wollte ich Kinderkrankenschwester werden. Als dann die Berufsausbildung anstand, absolvierte ich eine Friseurlehre. Später als Meisterin führte ich lange einen Friseursalon.

Wie führte nun der Weg von der Frisur zum Hut?
Da mein Geschäft in der Nähe eines Krankenhauses lag, gehörten zu meinen Kundinnen auch Patientinnen, die infolge ihrer Krebserkrankung eine Chemotherapie erleiden mussten. Da der Verlust des Haares, besonders für eine Frau gravierend ist, wird es für sie besonders wichtig, dass sie auch in dieser Situation, die einige Monate andauert, ansprechend aussieht. Die damals üblichen Kopfbdeckungen ähnelten sich aber sehr oft, so dass es mir vorkam, als ob alle Frauen gleich aussahen.

Da kam Ihnen die Idee, künstliche Haarfrisur mit einer modischen Kopfbedeckung zu verbinden?
Ja, nicht nur mit dem Hut, sonden auch mit variablen Formen wie dem Turban und mit diversen Tüchern, mit denen man den optischen Eindruck verändern kann.

Diese Idee kam bei den Damen gut an?
Ja, anfangs waren die Damen zögerlich und skeptisch, aber durch meine Beratung konnte ich sie von den Vorteilen überzeugen. Das ist übrigens auch heute noch so. Ich veranstalte zu diesem Thema Workshops, auf denen ich viele Beispiele an Kopfbedeckungen vorführe und Beratungen durchführe.

Wo und wann finden diese Workshops statt?
Der nächste Workshop, zu dem ich selbstverständlich eine große Kollektion an Kopfbedeckungen und Perücken mitnehme -unter dem Motto „Ich bin schön und habe Krebs“ findet in Ulm, Universitäts-Klinikum, Klinik für Innere Medizin, Medizinisch-Onkologische Tagesklinik, statt. Der nächste Workshop in Berlin ist im Oktober.

Was wird dort zusätzlich angeboten?
Ich berate Teilnehmerinnen auch in Schminkfragen, wie Augenbrauen-Make-up etc. Aus dem Auditorium können spezielle Fragen gestellt werden.

Wer trägt die Kosten für spezielle Anfertigungen von Perücken?
Die Krankenkassen gewähren Zuschüsse.

Aus welchem Material sind Turbane, Hüte bzw. die Perücken gefertigt?
Ich bevorzuge leichte, luftige Materialien, gut zu waschen, schnell zu trocknen, qualitativ gute Materialien. Hautfreundlich müssen sie selbstverständlich sein.

Die Perücken gibt es in Echthaar- und als Kunsthaarmodell. Der Nachteil einer Echthaar-Perücke: Sie ist teurer und die Pflege sehr viel aufwändiger. Nach dem Waschen muss sie wieder mit mehr Mühe und Zeitaufwand in Form gebracht werden. Die Kunsthaar-Perücke wird nach dem Waschvorgang, geschüttelt und ist im Nu wieder einsatzfähig.

Welchen Erfolg zeigt eine Beratung bei Ihnen im Geschäft oder in der Klinik?
Anfangs sind die Damen recht verunsichert. Die Krankheit allein fordert viel Selbstbewusstsein. Man wird unsicher und möchte natürlich vermeiden, dass der Haarverlust von den Mitmenschen wahrgenommen wird. Die einfühlsame Beratung von mir wirkt oft wahre Wunder. Die neue Frisur wird passgerecht und individuell auf die Kundin zugeschnitten. Eine neue Fasson wird auch oft ausprobiert, vielleicht sogar die Haarfarbe neben dem Schnitt von ganz Mutigen gewechselt. Das Ergebnis besteht nicht nur im flotten, farbenfrohen Aussehen, der Turban kaschiert auch, dass es sich nicht um das eigene Haar handelt. Alles sitzt fest, auch bei Wind.

Und – mit am wichtigsten: Die Kundin, die bei mir gleichzeitig auch eine Patientin ist, geht mit einem neuen, positiven Lebensgefühl aus dem Geschäft, was zu ihrer Gesundung maßgeblich beiträgt.

Frau Belzner, Ihr Beruf ist eigentlich mehr sozusagen eine Berufung, eine glückliche Verknüpfung Ihrer Ausbildung mit Ihrem Wunsch, anderen zu helfen?
Ja, eine Tätigkeit, die anderen hilft, gesund zu werden, die auch Augen wieder strahlen lässt, kurz, sie optimistisch in die Zukunft zu entlassen, eine bessere Lebensaufgabe kann ich mir nicht wünschen. Ich möchte sie auch noch so lange wie möglich ausüben.

Der nächste Workshop in Ulm findet statt: am Freitag, 21. September 2012, von 11-16 Uhr in Ulm, Universitäts-Klinikum, Klinik für Innere Medizin, Medizinisch-Onkologische Tagesklinik. Die Teilnahme ist kostenlos. Weitere Infos unter: 0731/500 440 87.

Der nächste Workshop in Berlin – 1 x jährlich – ist am 23. Oktober 2012 von 15-17 Uhr (Veranstalter, Berliner Krebsgesellschaft e.V., Tel: 030/283 24 00)
Das Interview führte: emb.Berlin

Weitere Informationen:
www.christin-belzner.de
www.christin-belzner.de/Peruecken.Berlin.html
www.trendy-turbane.de

Bildunterschrift: Christin Belzner; Model. Fotoquelle: Belzner

(Die Links wurden am 20.09.2012 getestet.)