Jessca Gruner: „Wir helfen nachhaltig der Frauenkooperative Panchachuli Women Weavers


Dabei setzte die studierte Betriebswirtschaftlerin mit Master in Design and Fashion auf den Mix von Luxus und Mode in Verbindung mit hoher sozialer Komponente. Getragen von der Überlegung, wie kann man den Menschen, die in fernen Ländern exquisite Produkte in aufwändiger, traditioneller Handarbeit fertigen, zu mehr Lebensqualität und einem auskömmlichen Leben verhelfen?

In Mukti Datta (44) fand Jessica Gruner per Zufall eine ideale Geschäftspartnerin. Ihr war es gelungen, mit der Frauenkooperative „Panchachuli Women Weavers“ rund 800 Frauen in Brot und Arbeit zu versetzen. Das neue Modelabel 8 Eden Avenue konzentrierte sich seither darauf, traumhafte Cashmere Schals zu produzieren. Sie alle stammen aus eben dieser Manufaktur der Frauenkooperative in Almora/Himalaya, ein Ort auf 3.000 Meter Höhe. Dort wird jeder Schal von den Frauen selbst gewebt, gesponnen und nach alter Kashmiri Tradition aufwändig bestickt.

Wie kann man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und der Frauenkooperative vorstellen?
Nun, wir hier in Deutschland entwerfen jährlich zwei Kollektionen. Dass der kreative Part hier von uns bestritten wird, ist vor allem deshalb notwendig, weil wir Europäer einen anderen Geschmack als Asiaten haben. Unsere Prototypen werden in der Frauenkooperative gefertigt. Bevor die Ware zu uns nach München zurückkommt, nimmt eine französische Designerin vor Ort die Qualitätskontrolle ab. Der Verkauf der Cashmere Schals erfolgt wiederum durch uns im Direktverkauf ausschließlich über ausgewählte Boutiquen in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Worin besteht Ihre Hilfe für die etwa 130 Frauen, die ausschließlich für 8 Eden Avenue arbeiten?
Business und Kreativität und Hilfe zur Selbsthilfe – das waren die Eckpunkte meiner beruflichen Selbstständigkeit. Viele Menschen setzen zwar auf Charity, wir aber helfen wirklich, direkt, vor Ort und nachvollziehbar.

Können Sie das auch „belegen“?
Ja, natürlich! Wir zahlen den Frauen der Kooperative mehr als üblich. Auf ihren Basislohn zahlen wir zusätzlich 30%. Und schließlich erhalten die Frauen auch noch einen Bonus in Höhe von 10% unseres Umsatzes. Ich denke, dass ist eine faire Bezahlung; denn die Frauen sind meistens die einzigen Brotverdiener in ihren Familien. Mit dem Geld, das sie bei uns verdienen können Sie ihre Familie ernähren, ihre Kinder zur Schule gehen und auch Krankenhausaufenthalte bezahlen.

Natürlich müssen wir die Preise so gestalten, dass auch wir davon leben können. Aber die Preisgestaltung wird so vorgenommen, dass es für alle eine faire Zusammenarbeit ist. Das Ganze als eine faire Win-Win-Situation, getragen von gegenseitigem Vertrauen und begleitet von viel Idealismus.

Wie lange arbeitet eine Frau an einem Schal?
Je nach Aufwand drei bis vier Wochen, ja sogar bis zu drei Monate.

Wie hoch teuer ist ein Cachmere Schal?
Wir verarbeiten nur pures Cashmere und lassen es nur nach dem so genannten Mongolei Standard Mongolian A Gread fertigen, was soviel wie ‚bester Standard‘ bedeutet. Diese hochwertigen Schals kosten im Durchschnitt 250 bis 500 Euro. Schals, die mit der ältesten Stickerei der Welt „Ari und Sozni“ gefertigt sind, können sogar bis zu 1.200 Euro kosten. Diese alte Tradition der Cashmere-Stickerei ist in Europa nur noch selten anzutreffen.

Erklären Sie uns doch bitte den Namen Ihres Labels 8 Eden Avenue.
Den Firmennamen 8 Eden Avenue habe ich mit Bedacht gewählt. Es ist ein Name mit tieferer Bedeutung: 8 ist für Asiaten eine Glückszahl. Eden bedeutet das Paradies und Aveneu Straße. Übersetzt bedeutet es soviel wie „mit Glück ins Paradies auf einer Straße“ und verdeutlicht, dass man durch Verbindung dem Paradies schon im Hier und Jetzt nahe kommen kann.

Was ist das Besondere an den Cashmere Schals der "Panchachuli Women Weavers Cooperative"?
Faszinierend für mich und für andere ist: man kann fühlen, woher der Schal kommt. Es ist, als wenn die Frauen ihr Schicksal, ihre Wünsche und Hoffnungen mit in den Schal einweben. Der Kunde spürt die Geschichte, die hinter dem Produkt steht. Es ist der eingewebte Spirit, das Gefühl der Frauen ist in den Schals spürbar.

Was wollen Sie noch erreichen?
Ich bin von meiner Arbeit sehr, sehr erfüllt, soviel offene Verbindung und Würde, die dahintersteckt. Ich habe 8 Eden Avenue nach meinem Herzen gegründet. Ich kann nur jedem raten, der sich selbstständig machen will, diesen Weg zu gehen, es erfüllt so sehr.

Zudem haben wir Internationalisierung angestrebt. In New York haben wir jetzt schon einen Shop. Hinzu kommen ab dieser Saison Geschäfte in Frankreich und Amsterdam – alle nach dem bestehenden Konzept. Wir wollen exklusiv bleiben, langsam, aber stetig wachsen und die Zahl der 130 Frauen in unterschiedlichem Alter, die derzeit im Himalya für uns arbeiten, stetig erhöhen.

Weitere Informationen:
www.8edenavenue.com

(Der Link wurde am 10.05.2012 getestet.)

Bildtext: Jessica Gruner