Carmen Niebergall: „Ich habe noch sooo viele Ideen im Kopf!“


Impulse zur Gründung einer eigenen Agentur erhielt Carmen Niebergall von ihrem Mann und von Freundinnen. Doch auch die „eigene Lust und Laune, etwas zu unternehmen“ waren mit ausschlaggebend, sich beruflich selbstständig zu machen. Erklärtes Ziel von Anfang an: Menschen aus dem In- und Ausland „unsere Heimat zu zeigen, wie es früher bei uns war und welche kulturelle Vielfalt wir hier in Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen vorzuweisen haben“, erklärt Carmen Niebergall. Bei all ihrem Tun spielen Frauen, sei es als Touristinnen, sei es als historisch bedeutende Persönlichkeiten eine besondere Rolle.

Wer ist Carmen Niebergall, manchen besser bekannt unter ihrem Namen Carmen Stange, den sie vor ihrer Hochzeit trug? Nun, die 56-Jährige lebt und arbeitet in Magdeburg. Sie ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn. Nach der politischen Wende fungierte sie zunächst als Staatssekretärin für Frauen- und Gleichstellungsfragen, später dann im Landtag. Aus dieser Tätigkeit heraus ist es denn kein Wunder, dass Frau Niebergall mit „tourenreich“ insbesondere für Frauen gesonderte Reisen anbietet. Gleichwohl bezieht sie die Frauengeschichte, die in Mitteldeutschland einen bedeutenden Stellenwert einnimmt, in ihr Architektur- und Kunstreisen-Programm ganz bewusst mit ein.

Zu den Nachfrage-Favoriten ihrer Reisen zählen die so genannten IBA-Touren, die nur von Fachpublikum wie etwa Stadtplanern, Architekten oder Lehrern gebucht werden. An zweiter Stelle stehen „Himmelsscheibe von Nebra“-Führungen. Die älteste Darstellung des Sternehimmels (vor rund 3600 Jahren) ist im Landesmuseum von Sachsen-Anhalt in Halle zu besichtigen. Den dritten Platz auf der „tourenreich“-Hitliste nehmen Stadtführungen durch Magdeburg ein. Die Festungsstadt ist mit seinem Dom, Kirchen und Sehenswürdigkeiten reich an kulturellen Höhepunkten.

Wenn Frauen reisen …
Reisen Frauen anders als Männer? – wollten wir wissen. „Es gibt einen Unterschied“, erläutert Carmen Niebergall, „ältere Frauen sind auf Reisen viel entspannter, gelassener, ruhiger und nehmen sich Zeit beispielsweise für einen Kaffee, einen Prosecco oder Spaziergang. Häufig nehmen sie ihren Mann oder Lebenspartner mit. Jüngere Frauen hingegen, vor allem wenn es sich um Fachgruppen handelt, haben es eilig. Sie wollen rasch und möglichst viele Informationen bekommen, Schlag auf Schlag.

FrauenOrte
Einen ganz spezifischen „Frauen-Aspekt“ initiierte Historikerinnen mit dem Projekt FrauenOrte – Frauengeschichte“. Das Projekt entstand im Hinblick auf die EXPO 2000 in der Region Sachsen-Anhalt. Carmen Niebergall war dann die Vorsitzende des 2006 neu gegründeten Vereins FrauenOrte. Ziel war und ist es, „Frauengeschichte als Teil der Geschichte des Landes Sachsen-Anhalt mehr ins öffentliche Bewusstsein zu rücken“. FrauenOrte stellen Orte dar, wo Frauen gewirkt haben. Dies wird durch Informationstafeln gekennzeichnet. Aus zeitlichen Gründen konnte Frau Niebergall den Verein nicht mehr weiterführen. Aber die FrauenOrte leben.

„Es fragen immer wieder Frauenvereine oder Institutionen an, um auf FrauenOrte-Tour zu gehen“, erzählt Frau Niebergall. „Auch beziehe ich auf all meinen Architektur- und Kunstreisen FrauenOrte ein. Hier seien zum Beispiel erwähnt: Mechthild von Magdeburg, Katharina von Bora und Dr. Dorothea Erxleben oder die Zerbster Prinzessin, die als Zarin Katharina die Große das russische Reich regierte. „Aktuell sind es die Reisen ins Kernland deutscher Geschichte, wo die Frauen immer eine große Rolle spielen. Übrigens in Nebra (Unstrut) suchten wir unter anderem den Geburtsort und FrauenOrt Hedwig Courths-Mahlers auf. „Wir haben viele interessante und schöne FrauenOrte besucht“, erinnert sich Carmen Niebergall.

Ausstellungs-Glanzlichter 2012
Das Jahr 2012 ist mit besonders aufmerksamkeitsstarken Reisethemen angefüllt. So sind gemeinsam mit der Tourismus-Marketinggesellschaft Sachsen- Anhalt attraktive, beispielhafte Angebote entwickelt worden. Unter dem Motto: „ Reisen ins Kernland deutscher Geschichte: Sachsen-Anhalt“ gibt es im Jubiläumsjahr 2012 ANHALT 800 die sensationelle Ausstellung „ Pompeji – Nola- Herculaneum. Katastrophen am Vesuv“ im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle ( Saale) und zahlreiche Veranstaltungen im Wörlitzer –Gartenreich. Hinzu kommt die einzigartige Ausstellung „Otto der Große und das Römische Reich“ im Kulturhistorischen Museum Magdeburg zum 1100. Geburtstag von Kaiser Otto der Große in Magdeburg(ab 27.08.2012 bis 09.12.2012) sowie Halberstadt und Quedlinburg. Auf historischen Spuren geht es nach Wittenberg, wenn – gewissermaßen als kultureller Vorläufer – des 500. Todestages von Martin Luther im Jahr 2017 gedacht wird. Alles im Kernland deutscher Geschichte in Sachsen-Anhalt- es lohnt sich zu Kommen.

Wie denn ihre vorläufige Bilanz nach rund acht Jahren Selbständigkeit aussieht – wollten wir wissen. „Meine Arbeit macht mir unendlich viel Spaß. Ich bin froh, dass ich mit ‚tourenreich‘ ein Nischenprodukt gefunden habe“, schwärmt Frau Niebergall und ergänzt: „Ich lerne immer wieder ganz viele nette, neue Menschen kennen, die mir viel Energien für meine Arbeit geben; denn ich habe noch sooo viele Ideen im Kopf, die ich alle realisieren möchte!“

Weitere Informationen:
www.tourenreich.de
www.frauenorte.net

Bildunterschrift: Carmen Niebergall. Foto: Privat

(Die Links wurden am 23.02.2012 getestet.)