Saba Voss: „Malerei und tänzerische Ausdruckskunst in das Leben hinein nehmen!“


Kinder plantschten im Badewasser, Erwachsene kühlten sich beim Schwimmen ab “ in der Ferne zog ein Ausflugsdampfer seine Route “ eine wahrhaft malerische Umgebung, inspirierend für einen offenen Gedankenaustausch!

Saba Voss (Jahrgang 1962) wurde in Oerrel (Lüneburger Heide) geboren. Ihr Großvater entzündete in ihren jungen Jahren ihr künstlerisches Talent. Während ihrer Zeit in der Bremer Kulturwerkstatt entwickelte Saba Voss ihre Malerei weiter, kam aber ebenso intensiv mit Tanz und Theater in Berührung. Ihr Leben und Wirken wurde in den 90-ern stark vom Wiener Aktionisten und Kommunegründer Otto Mühl geprägt. Sie studierte die Arbeitsweisen von Van Gogh und Cezanne, Kandinski, Picasso, nur um die Wichtigsten zu nennen. Der künstlerische Durchbruch von Saba Voss datiert im Frühjahr 2003, als sie mit der Retrospektive ihrer Werke in der Galerie LFI (München) einen durchbrechenden Erfolg erzielte. Saba Voss ist verheiratet und Mutter zweier Kinder. Sie bietet privat- und geschäftliche Auftragsarbeiten als Bild, Portrait, Kalender, Cover und Bühnenbilder an. In Einzel- und Gruppenunterricht führt sie Erwachsene und Kinder ins Malen und Zeichnen ein, als Choreografin und Darstellerin.

Seit wann malen Sie?
Meine erste Zeichnung, es war ein Pferd, fertigte ich im Alter von etwa 16 Jahren an. Ich begann zu dichten und mit Kohle meine Träume zu beschreiben. Zu Malen begann ich mit 19.

Wer oder was hat Sie zum Malen gebracht?
Mein Vater war Architekt, doch das Gefühl fürs Malen habe ich von meinem Großvater, der sehr liebevoll gemalt hat. Meine Mutter hingegen war gerne unter Menschen und tanzte für Ihr Leben gern. Doch beeindruckt haben mich Freigeister.

Welche Ausbildung hatten Sie?
Ich lernte den Wiener Aktionisten und Kommunegründer Otto Mühl kennen und ging 1983 zum Friedrichshof nach Österreich. Dort hatte ich viel Zeit für meine künstlerische Entwicklung. Es folgten Jahre auf der kleinen kanarischen Insel La Gomera, leitete unter anderem Kreativkurse für Kinder und genoss das Open Air Atelier unter Palmen.

Wie würden Sie Ihren Malstil, wie Ihre Bilder beschreiben?
Ich experimentiere gerne und habe schon viele Maltechniken ausprobiert. Häufig arbeite ich mit Acrylfarbe und Ölkreide gerne großformatig. Eine meiner jüngsten Arbeiten im Format 1,20 mal 2,40 hängt im griechischen Restaurant „Gyoia“ (übersetzt: „Freude“) in München. Es ist eine Wasserfall-Improvisation mit Figuren, die im Wasser spielen. Ich verwende beim Malen Acrylfarben als flächendeckendes Element. Ungewöhnlich ist vielleicht auch, dass ich manchmal meine Bilder unter die Dusche halte. Manches geht dadurch „kaputt“, aber was dann auf der Leinwand haften bleibt, sind erstaunlich reizvolle Ergebnisse und das begeistert mich. Diese vertiefe ich mit Ölkreide, dadurch gewinnt das Bild an Tiefe.

Sie treten in der Öffentlichkeit nicht nur als Malerin, sondern auch als Tänzerin auf oder lesen Ihre Gedichte zu den Bildern.
Ja, die tänzerische Ausdrucksfähigkeit habe ich wohl von meiner Mutter geerbt. So tanze ich bei verschiedenen öffentlichen Auftritten quasi in meinen Bildern, die als Projektion auf einer Leinwand sichtbar gemacht werden. Wenn ich auf der Bühne stehe, dann strömt ein Gefühl der Liebe aus mir heraus, damit mache ich meine Malerei mit dem Tanz auf eine zusätzliche Art sicht- und erlebbar. Die wunderbare Köchin Christine Robert von der Auberge Moar Alm hat meine Auftritte einmal so formuliert: „Man spürt soviel Freude, dass für jeden etwas bleibt!“. Wichtig ist für mich, die Malerei und die tänzerische Ausdruckskunst in das Leben mit hinein zunehmen.

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken?
Das ist gar nicht so einfach in Worte zu fassen. Ich drücke mich aus und als Betrachter entstehen Gefühle, Neugier Unbekanntes und Vertrautes erzeugen Lebendigkeit. Es ist ein Spiel aus Rhythmus, Können und Gefühl, das sich im Laufe der Jahre immer mehr verfeinert. Der Bauch ist gefragt, und nicht “ wie es heute viele machen “ nur über reines „Kopf-Denken“ den Inhalt und Gehalt eines Bildes erfassen. Für mich ganz persönlich bedeutet Malen beispielsweise auch die psychologische Auseinandersetzung mit meiner eigenen Sexualität, mit der Rolle als Frau und auch als Mutter, was sich in verschiedenen Bildserien niederschlug.

Was bedeutet für Sie Kunst bzw. Malerei?
Viel Weiblichkeit, Verehrung und liebevolle Hingabe

Haben Sie künstlerische Vorbilder?
Ja, vor allem die französische Malerin und Bildhauerin Nicki de St. Phalle, die ja mit ihren Nana-Figuren berühmt geworden ist. Aber auch Gabriele Münter.

Kann man von der Kunst leben?
Das ist nicht so ganz einfach. Kunst bedeutet für mich Freude und immer wieder neue Herausforderungen. Ich brauche keinen Luxus, obwohl es nicht schlecht ist, in Luxus zu leben lacht, aber ich mag mich genauso auf das Einfache konzentrieren. Einerseits male ich rein nach dem Gefühl, andererseits nehme ich auch Auftragsarbeiten an. Zudem trete ich immer wieder mit anderen Künstlern auf die Bühne. Mit Katrin Großmann habe ich meine Bilder und Gedichte mit ihren selbstverfassten Liedern verwoben. Ab September erscheint mein Buch, es ist ein sehr
persönlich gehaltenes Bekenntnis aus Bildern und Gedichten “ vor allem jedoch ein Beleg für die Suche nach Leben.

Text und Foto: Brigitte Karch©