Carolin Reuter: „Ich „vermarkte“ Menschen“


Die 28-jährige Jungunternehmerin studierte zunächst Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien in Stuttgart mit Abschluss Dipl. Wirtschaftsingenieurin (FH). Danach war sie als Corporate Media Manager bei der Zapf Creation AG (Spiel- und Funktionspuppen) tätig. Als Marketing Manager beim Tessloff Verlag (Kinder- und Jugendsachbücher) blieb sie dem Thema Kinder und Jugend weiterhin verbunden.

Seit ihrer Studienzeit bis 2010 löst Carolin Reuter im Rahmen ihrer sporadischen nebenberuflichen Tätigkeit mal rein sachlich orientierte Marketing-Aufgaben und mal kreative Design-Herausforderungen. Ab 1. Januar 2011 ist Carolin Reuter mit KONZEPT.TEXT.DESIGN. selbstständig.

Bitte umreißen Sie in wenigen Worten den Kern Ihrer Geschäftsidee KONZEPT.TEXT.DESIGN.
Unter dem Motto „Hier wächst Kreatives“ biete ich Agenturleistungen für Unternehmen rund um die Themen Marketing, Text und Design und zum Anderen „vermarkte“ ich Menschen, indem ich Bewerbungen konzipiere. Ich rücke die Vorzüge meiner Kunden ins rechte Licht und helfe Ihnen auf dem Weg zum Traumjob.

Wer oder was hat Sie zu dieser Idee motiviert?
Die Tatsache, dass ich in meinen Festanstellungen keine Agentur gefunden habe, die exakt meinen Vorstellungen entsprach, professionell, kreativ und nicht elitär und abgehoben zu arbeiten.
Die Idee, die wissenschaftlichen Ansätze der Werbung auf Bewerbungen zu übertragen kam mir während meinen eigenen Bewerbungsphasen. Von Personalern bekam ich stets dickes Lob für meine Unterlagen. Dann begann ich das zunächst bei Freunden und Bekannten auszuprobieren – und es klappte.

Wie reagierte Ihr persönliches Umfeld auf Ihre Bestrebungen nach beruflicher Selbstständigkeit?
Ganz unterschiedlich. Bei meiner Familie war schon Überzeugungskraft angesagt – und das obwohl einige davon selbstständig sind. Vielleicht auch gerade deshalb.
Besonders meine Eltern hatten Angst, dass ich bei schlechter Auftragslage in finanzielle Not geraten könnte. Hätte ich einen Lebenspartner gehabt, wären sie beruhigter gewesen – frei nach dem Motto, da ist ja noch wer, der auch Geld reinbringt. Meine Freunde waren recht schnell dafür.

Was benötigt man als Existenzgründerin – außer einer pfiffigen Idee?
Ich denke, es gibt da kein Standard-Rezept. Wichtig ist der Glaube an das, was man kann und das, was man will. Für meinen Bereich braucht man natürlich fachliche Kenntnisse. Mein Studium war da eine gute Wahl – hier habe ich die Managementgrundlagen erworben. Die Kreativität habe ich von meiner Mama geerbt. Und auf meinem Weg hin zur Selbstständigkeit bin ich immer wieder guten Mentoren begegnet, die mir viel beigebracht haben.

Wodurch heben Sie sich von anderen ab? Bzw. welchen Service bieten Sie? Welches Ihrer Angebote ist tatsächlich einzigartig?
Das müssten Sie eigentlich meine Kunden fragen (lacht).
Ich glaube, man muss hier unterscheiden. Das Geschäftsfeld Bewerbungen gibt es, so wie ich es anbiete, nicht wirklich – wenn, dann immer nur Teilbereiche davon. Bei der klassischen Werbung ist das anders. Es gibt viele Agenturen, allerdings meist größere. Ich habe mir auf die Fahne geschrieben, kreativ, zuverlässig, bodenständig und auf Augenhöhe zu arbeiten. Dass ich in einer Person alle Bereiche abdecke ist mein Vorteil. Ich versetze mich bereits strategisch in die Lage meines Kunden und führe noch dazu aus. Es gibt keine langen Kommunikationswege.

Ihre Corporate Identity ist ein Gingko-Blatt – was wollen Sie damit signalisieren?
Oh, jetzt könnte ich ausholen. Ich versuch’s kurz (lacht).
Mein Slogan „Hier wächst Kreatives“ stand als erstes. Den Wachstumsfaktor wollte ich auch bildlich untermauern. Das einzigartige zweigeteilte Gingko-Blatt hat für mich etwas Magisches.
Seit Jahrtausenden spielt es in den verschiedensten Disziplinen eine Rolle: Kunst, Kultur, Heilkunde etc. Dazu kommt, dass mein CI (Unternehmens-Identität) und mein CD (Unternehmens-Design) auch unter Aspekten der fernöstlichen Lehre Feng Shui entwickelt wurden (Farben, Formen etc).

Welche Erfahrungen haben Sie mit Ihrem Eine-Frau-Unternehmen bislang gemacht?
Puh – die verschiedensten. Frauen finden, das was ich mache meist toll. „Endlich mal eine, die den Männern zeigt, dass auch wir was auf die Beine stellen können“, so ist oft der Tenor.
Aber ganz klar, man muss sich auch durchboxen können. Wo ein Mann auf Anhieb stärker wahrgenommen wird, muss eine Frau erst mal laut trommeln und Überzeugungsarbeit leisten.

Welche Ziele wollen Sie mittel- und langfristig erreichen?
Mein primäres Ziel ist möglichst schnell die kontinuierliche Vollauslastung zu erreichen. Meine anderen Ziele sind davon abhängig. Ich würde so gerne wieder Kollegen um mich haben – als sehr kommunikativer Mensch vermisse das. Dann möchte ich irgendwann auch mal ausbilden. Mitarbeiter einstellen ist ein großes Ziel von mir. Bis dahin heißt es alleine Gas geben.
Und jetzt wird es noch etwas philosophisch und visionär: Ich würde gerne mal zeigen, dass man auch mit einer guten Work-Life-Balance seiner Mitarbeiter Unternehmensziele erreichen kann. Der Wandel hin zur Burnout-Gesellschaft und dem hire-and-fire-Prinzip ist erschreckend.
(Die Fragen stellte Brigitte Karch)

Weitere Informationen:
www.reuter-carolin.de

Bildunterschrift: Carolin Reuter

(Der Link wurde am 22.08.2011 getestet.)