Petra Bach: „Mit Menschen umgehen, das macht mir am meisten Spaß“


In nur wenigen Jahren entwickelte sich das Unternehmen gegen jeden denkbaren Widerstand zu einem Wegbereiter alternativer Bestattungsformen. Wir haben mit der erfolgreichen Unternehmensgründerin über Kindheitsträume, bezwingbare Hürden und über den Tod gesprochen. (Das Interview erscheint in gekürzter Fassung).

Es rumpelt laut. Auf dem Flur vor ihrem Büro ist Hektik ausgebrochen, eine Mitarbeiterin steckt den Kopf durch die Tür, ruft etwas rein. Petra Bach ruft zurück. „Ich mache erst einmal die Tür zu“, sagt sie lachend. „Wissen Sie, wir bauen hier gerade um. Außerdem stehen wir kurz vor der Einweihung unseres nächsten FriedWaldes und unmittelbar vor der Eröffnung unseres ersten Baumhaushotels in der Schwäbischen Alb.“

„Mit Menschen umgehen, das macht mir einfach am meisten Spaß“, sagt die studierte Volljuristin und Mutter dreier fast erwachsener Söhne. So stehen Menschen und ihre Bedürfnisse im Mittelpunkt all ihrer Geschäftsideen. Mit dem 2001 bei Kassel eröffneten ersten FriedWald hat die gebürtige Rheinländerin einen Nerv getroffen. Die Asche Verstorbener wird an den Wurzeln eines Baumes beigesetzt, ein Namensschild am Baum macht auf die Ruhestätte aufmerksam.

Auf die Idee gebracht hatte Petra Bach und ihren damaligen Geschäftspartner ein Unternehmen aus der Schweiz, das damals mit einem ähnlichen Angebot am Bodensee für Furore sorgte. Petra Bachs Weg von der Juristin für Erb- und Familienrecht hin zu Deutschlands erfolgreichster
Friedhofsbetreiberin war dabei alles andere als ein Spaziergang.

Erst mussten die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörden davon überzeugt werden, dass ein als Ruhestätte kenntlich gemachter FriedWald die rechtlichen Verordnungen genauso erfüllt wie der vorschriftsmäßig eingefriedete Friedhof. Dann galt es, einige aufgebrachte Kirchenväter aufzuklären, die eine Art antiklerikalen Feldzug für anonyme Bestattungen befürchteten.

Inzwischen sind in enger Zusammenarbeit mit Kommunen und Forstverwaltungen 35 FriedWald-Standorte bundesweit entstanden. Jedes Jahr kommen bis zu fünf neue hinzu. Dabei wächst das Unternehmen sogar mit dem Segen einstiger Skeptiker. Bei den Eröffnungen sind heute sowohl
katholische als auch evangelische Geistliche zugegen.

An vielen FriedWald Standorten hat der Andachtsplatz ein Kreuz. Wer möchte, lässt sich mit konfessionellem Beistand bestatten. Andere bevorzugen die Anwesenheit lediglich eines der kooperierenden Förster. Es gibt Gemeinschaftsbäume, Familienbäume, Partnerbäume und Freundschaftsbäume. Und die wenigsten fragen nach einer anonymen Bestattung.

Ob Petra Bach der eine oder andere Bestattungswunsch nicht befremdet? „Nein, ich war immer eine Vertreterin der Alternativen. Ich möchte niemandem vorschreiben, wie er zu leben, zu denken, was er zu tun oder zu lassen hat“, antwortet sie entschieden. Trotz der Gelassenheit, die sie sonst ausstrahlt – bei einer Sache kennt sie kein Pardon: „Richtig ärgerlich finde ich, wenn andere unser Unternehmen gezielt mit dem angeblichen Trend zur anonymen Bestattung in Verbindung bringen und damit verunsichern.“

Wie es ist, einen geliebten Menschen zu verlieren, weiß sie aus eigener Erfahrung. „Mein Vater starb sehr früh. Ich habe sehr an ihm gehangen. Und ich habe all diese Phasen durchlaufen – von der Schockstarre bis hin zur Zwiesprache mit ihm. Aber wie bei allen Katastrophen im Leben überprüft man in einer solchen Situation auch seine eigenen Werte, sein eigenes Verhalten. Das ist die große Chance. Ich halte es deshalb für wichtig, den Tod zuzulassen und bewusst anzunehmen. Der Tod ist eine Mauer, an der ich nicht vorbeikomme.“

Weitere Informationen:
www.friedwald.de

Bildunterschrift: Petra Bach, Gründerin und Geschäftsführerin der FriedWald GmbH. Foto: Alexander Heimann

(Der Link wurde am 13.05.2011 getestet.)