Eva Hehemann: „Beeindruckt haben mich alle Frauengruppen, bei denen ich zu Gast sein durfte“


Abitur in Köln, Besuch der „Bayrischen Staatslehranstalt für Photographie” in München, Studium in Köln mit Abschluss Magister Artium in Germanistik, Kunstgeschichte und Theaterwissenschaft, als Buchlektorin und Herstellerin für verschiedene Verlage tätig, lebt Eva Hehemann seit 2003 in ihrer Geburtsstadt Köln. Sie ist verheiratet, Mutter zweier Kinder und arbeitet als freie Fotografin.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Fotografin bzw. Schriftstellerin/Autorin zu werden?
Gar nicht. Ich wollte eigentlich Architektin werden. Hat sich ergeben in langer Geschichte. Aber es gab den Wunsch, in Verlagen zu arbeiten, selber zu verlegen. Das Schreiben kommt erst jetzt.

Was hat Sie veranlasst, „frauengesellschaft(en)“ zu fotografieren und Frauen in ihrem Umfeld zu beschreiben?
Die Idee stammt von einer Freundin, der die Fülle an Feiern aufgefallen war, die Frauen nur mit Frauen veranstalten. Bei der Recherche entdeckte ich den ganzen Kosmos der Netzwerke, Initiativen, Gruppen und Verbände, die es für Frauen gibt. Und welch tragende Rolle Geselligkeit dabei spielt – nämlich gesellschaftsbildend.

Was reizt Sie an Ihrem Beruf?
An welchem? Erstens: Bücher machen; es ist toll, das Produkt in der Buchhandlung zu sehen! Eine Idee so zu präsentieren, dass etwas inhaltlich Wertvolles nachvollziehbar für den Leser wird.
Zweitens: Fotografieren; das schult das Auge, erhöht die Aufmerksamkeit und Sensibilität. Ich bekomme umso mehr mit, wenn ich fotografiere. Ich bin immer auf der Jagd nach Schönheit, dem besonderen Augenblick, der besten Perspektive.
Drittens: Journalistische Arbeit; sie ist vielleicht für jeden neugierigen Menschen ein Traumberuf! All die Dinge, die ich erfahre und kennenlerne, von denen ich vorher keine Ahnung hatte! Es eröffnet Welten und einen Zugang dazu.

Welches ist das schönste, beeindruckendste, aber auch das besonders nachdenklich stimmende Erlebnis bei der Entstehung Ihres Werkes?
Davon gab es so viele, dass ich sie hier nicht alle aufzählen kann. Als Beispiele etwa mein Tag mit einer Gruppe Beginen in Flandern bei der Besichtigung alter Beginenhöfe dort. Und mein Aufenthalt bei den Steyler Missionsschwestern in Eriskirch am Bodensee. Das waren Erlebnisse, die mich tief bewegt haben und für die ich ganz besonders dankbar bin. Ich glaube, das sieht man auch den Fotos an. Aber beeindruckt haben mich eigentlich alle Frauengruppen, bei denen ich zu Gast sein durfte, auf die eine oder andere Weise. Wenn Frauen zusammenkommen, entsteht eine ganz besondere Energie, die pure Lebenslust. Das zu erleben, hat mir immer so viel gegeben, dass ich die Anstrengungen all der vielen Reisen durch Deutschland kaum gespürt habe.

Woran arbeiten Sie derzeit?
Ich arbeite an einem Roman. Außerdem habe ich für das Magazin der BücherFrauen die Redaktion übernommen. Und ich hätte noch ein paar Ideen, aber ob ich jemals die Gelegenheit haben werde, sie umzusetzen, weiß ich nicht.

Haben es Frauen im Foto-Journalismus schwerer als ihre Kollegen?
Frauen haben es überall schwerer. Ich bin eine ziemlich militante Verfechterin der Frauenquote.

Welches Foto ist Ihr Lieblingsmotiv in Ihrem Buch?
Das Bild von meiner Tochter mit ihren Freundinnen unter dem Blüten regnenden Baum, im Vorwort, wäre eines meiner Lieblingsbilder.

Ihr liebstes Hobby?
Mit meinen Kindern Carcassonne spielen.
Die Fragen stellte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.hehemann-fotografie.de