Katja Schätzle: „ Ich finde junge Leute klasse, die schon früh ganz genau wissen, was sie wollen“


Die gebürtige Siegenerin (Jahrgang 1964) lebt nach ihrer Scheidung seit fast 25 Jahren glücklich allein mit Hund. Zwar hat sie keine Kinder, dafür erfreut sie sich aber ganz zauberhafter Nichten und eines Neffen. Von ihrer Mutter, einer Bauernmalerin, hat Katje Schätzle vermutlich ihr Talent fürs Künstlerische geerbt. Vom Vater, ein Versicherungsberater, stammt vermutlich ihr Sinn für Organisation und Sachlichkeit. Katja Schätzle war lange Jahre die "rechte Hand" von Ute Patel-Missfeldt, Gründerin der Mut zum Hut-Schau in Neuburg an der Donau. Doch die Entfernung Köln-Neuburg und die Doppelbelastung Beruf und Hobby war für Katja Schätzle auf Dauer zu anstrengend. Geblieben ist ihr Faible für modische Hüte und schöne Dinge.

Frau Schätzle, Sie sind Geschäftsführerin des Kölner Maschinenbauunternehmens Heinker Maschinenbau GmbH. Sie führen den Familienbetrieb in 4. Generation. Was hat Sie dazu gebracht, Ihren derzeitigen Beruf zu wählen?
Ehrlich gesagt gab es damals nicht so viele Möglichkeiten in Siegen. Als Mädchen wurde man Frisöse, Bäckereiverkäuferin oder man ging ins Büro. Ich wäre gern Goldschmiedin oder KFZ-Mechanikerin geworden. Aber das scheiterte an den Möglichkeiten. Ich wusste auch nicht so richtig, was ich beruflich eigentlich wollte. Damals war ich erst 15 Jahre alt.

Man hatte mir eine Stelle als Talar-Stickerin angeboten, das wäre DER Job für mich gewesen, weil mir das Handarbeiten sehr großen Spaß bereitete. Dennoch erhielt ich die Stelle nicht, weil ich nicht katholisch war. Letztendlich konnte ich froh sein, dass ich überhaupt einen Ausbildungsplatz bekam. Und so bin ich Bürokaufmann geworden. Damals gab es nämlich nur die Bezeichnung „Bürokaufmann“ und nicht wie heutzutage auch die Berufsbezeichnung „Bürokauffrau“.

Letzten Endes war das für mich keine schlechte Wahl. Ich habe mich arrangiert und fühle mich auf meinem Platz recht wohl. Ich habe bei Heinker als Kauffrau begonnen und musste vom ersten Tag an alle Arbeiten verrichten. Auch musste ich mich alleine, weil ich keine Einarbeitung bekam, in sämtlichen kaufmännischen Bereichen zurechtfinden. Als unser Chef plötzlich verstarb, übernahm ich den Betrieb. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt drei Auszubildende und zwei ältere Arbeitnehmer, die nicht mehr vermittelbar gewesen wären. Ich fühlte mich für die Leute verantwortlich. Aber es war und ist ein „hart verdientes Brot“.

Wie gelingt es Ihnen, sich gegenüber Ihrer überwiegend männlichen Belegschaft durchzusetzen?
Mit sehr viel Diplomatie und einem Lächeln

Sie stellen auch Pralinen und andere Konditoreiwaren her. Was brachte Sie dazu?
In den ersten beiden Jahren, als ich den Betrieb übernommen hatte, fehlte uns das Geld die bis dahin üblichen Präsentkörbe zum Jahresende an unsere Kundschaft zu schicken. Da habe ich mir gedacht, warum nicht selber backen?! Schließlich sind wir ein Handwerksbetrieb, selber etwas zu Backen ist naheliegend und zudem auch etwas sehr Persönliches.

Und damit die Pralinen handwerklich immer besser werden, besuchte ich (und besuche noch) Kurse und bilde mich weiter. Das führte schließlich dazu, dass ich Pralinen und Torten selber herstelle. Mittlerweile backe ich innerhalb von sechs Wochen 22 Sorten und das Kiloweise. Meine Kundschaft aus dem Maschinenbau fragt im Juli schon, ob´s Weihnachten denn wieder Plätzchen gäbe. Letztes Jahr habe ich sozusagen als Visitenkarte so genannte Logopralinen in Geschenkdosen gelegt und mir so die Weihnachtskarten gespart.

Welche Konditoreiprodukte bieten Sie noch an?
Kuchen und Festtags-Torten, Pralinen und Kekse.

Verkaufen Sie im Privatbereich oder auch „ganz offiziell“?
Beides; erst habe ich „privat geübt“, um zu sehen, ob es für mich überhaupt einen Markt gibt. Als das sehr gut ankam, habe ich ein Gewerbe angemeldet.

Welche Ihrer Leckereien sind die „Renner“?
Logopralinen und Hochzeitstorten.

Ihre persönlichen Lieblingssüßigkeit?
Französischer Honig-Mandel-Nougat.

Weihnachten ist nicht mehr weit weg. Was wird es in diesem Jahr geben?
Selbstverständlich Plätzchen, Pralinen, Makronen und Macarons.

Was raten Sie jungen Menschen, wenn sie vor der Berufswahl stehen?
Sich wirklich genau darüber Gedanken zu machen, wo die eigenen Vorlieben liegen. Man muss mit Freude zur Arbeit gehen können. Am besten vom ersten Tag an! Ich finde junge Leute klasse, die schon früh ganz genau wissen, was sie wollen und das auch durchziehen.

Wie denken Sie über das Altern?
Soll ich Ihnen was sagen – ich freue mich drauf! Ich halte nichts von diesem Jungendwahn. Irgendwann macht man sich lächerlich, wenn man immer noch mithalten will und andere genau sehen, dass man´s nicht mehr kann. Ich hatte schon immer ältere „weise“ Freundinnen. Ich würde mich freuen, auch mal für eine jüngere Frau eine gute Ratgeberin zu sein. Ich freue mich auf die Gelassenheit, die auch bei mir hoffentlich irgendwann einkehrt. Ich habe mir fest vorgenommen, sie zu genießen. Ich hoffe nur, dass ich lange tatkräftig und fit im Hirn bleibe und es vermeiden kann, mal ein Pflegefall zu werden. Ich möchte mit Würde altern.
Die Fragen stellte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
heinker-koeln.de

(Der Link wurde am 29.10.2010 getestet.)