Mira Mayer: „Seit ich der Botschaft folge, bin ich ruhiger und gelassener geworden“


Es ist eine völlig unglaubliche Geschichte, logisch nicht nachvollziehbar. Ein Tabuthema, an das sich kaum jemand heranwagt. Und dennoch scheint etwas dran zu sein an dem Phänomen des Mediums, in diesem Fall Mira Mayer, das in Halbtrance Botschaften hört, die von ihrem Mann, Conrad Mayer, aufgezeichnet und nun in einem Buch veröffentlicht wurden.

Das Ehepaar hat nach eigenen Angaben "voller Selbstzweifel und selbstkritischer Fragen" mit dem Aufzeichnen begonnen. Heute – nach fast fünf Jahren – "sind wir andere Menschen geworden, die davon überzeugt sind, dass jeder Mensch eine Seele hat, die vor unserer Geburt, während des Erdendaseins und auch nach unserem Tode existent ist." Beide Autoren versichern, dass es sich bei den Botschaften der Energiepersönlichkeit weder um Gedanken irgendeiner Sekte noch um Religionsersatz oder um Ergebnisse von Selbsthypnose handelt.

Bei unserem Gespräch tritt Mira Mayer liebenswürdig auf, zeigt sich verhalten selbstbewusst und lächelt zuvorkommend. Sie ist seit 1990 mit dem Diplom-Kaufmann Conrad Mayer, Hotelier und Münchner Vorsitzender des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern e.V., verheiratet. Beide haben drei Töchter im Alter von 19, 17 und 13 Jahren.

Doch wie begann alles? Nun, um sich das private Gesangsstudium finanzieren zu können, jobbte die gebürtige Delmenhorsterin unter anderem auch in einem Hotelbetrieb in Berchtesgaden. Alles verlief zunächst in unauffälligen Bahnen. Bis Mira Mayer – eher spielerisch und unbeabsichtigt – am Ende eines langen Arbeitstages im geselligen Kollegenkreis mit einem Dorfpfarrer aus der Region in Kontakt kam, der die Runde zu einer Séance (Sitzung) einlud. Danach war für die junge Frau nichts mehr wie es früher einmal war.

Im Jahr 1992 übernahm Conrad Mayer den elterlichen Hotelbetrieb in München. Seine Ehefrau nahm kreativ mit an der erfolgreichen Unternehmensentwicklung teil. Heute führen beide ein Hotel mit 89 Zimmern in der Münchner Innenstadt. Dort ist Mira Mayer im Wesentlichen für die "Operations" – von der Mitarbeiterführung bis hin zum Housekeeping – zuständig. Die Kindererziehung teilt sich das Ehepaar Mayer – je nach Zeitbudget – auf.

Seit wann haben Sie entdeckt, dass Sie medial veranlagt sind?
Mira Mayer: Es begann vor etwa 20 Jahren. Da habe ich im kleinen Kollegenkreis mehr oder weniger aus Jux und Tollerei an einer "spiritistischen Sitzung" teilgenommen. Wir haben ausprobiert, wie so etwas abläuft, Fragen – bezogen auf die Zukunft – gestellt, und "irgendwie" auch Antworten erhalten. Später erzählte ich meinem Mann davon und wir haben zusammen mit Bekannten und Freunden solche "Sitzungen" abgehalten. Schließlich haben wir über Jahre hinweg alleine weitergemacht, um das Phänomen alleine zu testen und unsere Konzentration über das Glas zu bündeln.

Was passierte dann?
Mira Mayer: Eines Tages begann ich die Informationen aus den Sitzungen schon vorab zu "hören".

Wie funktionierte das konkret?
Conrad Mayer: Wir setzten uns zu den Sitzungen an einen Tisch mit glatter Tischplatte und stellten ein leichtes Glas kopfüber in die Mitte eines Buchstabenkreises. Wir berührten den Glasboden mit den Zeigefingern und konzentrierten uns, bis das Glas zu rutschen anfing. Wir haben diese Technik über Jahre hinweg weiter entwickelt. Zunächst konnten wir es kaum glauben, als meine Frau die Informationen, die über das rutschende Glas durchkamen, vorher in ihrem Kopf "hörte".

Mira Mayer: Später haben wir das Glas nicht mehr benötigt, da habe ich dann nur noch gehört und gesprochen. Je intensiver ich mich konzentriert habe, desto flüssiger und klarer sprach "es" aus mir heraus. Hören und Sprechen sind jetzt identisch. Anfangs habe ich nur eine Stimme gehört, ähnlich einem Echo. Im Laufe der Zeit verfestigte sich dann der Informationsfluss und die Durchgabe wurde deutlicher. Währenddessen hat mein Mann viele inhaltsbezogene Verständnisfragen gestellt und spontan Antworten darauf erhalten.

Wie haben Sie denn diese Sitzungen vom Ablauf her durchgeführt?
Mira Mayer: Wir haben die Sitzungen in regelmäßigen Abständen an Wochenenden durchgeführt, also immer dann, wenn es Beruf und Familie es zuließen.

Wie äußert sich Ihre Bereitschaft, in Trance sprechen zu wollen?
Mira Mayer: Wenn sich Orimars Durchgaben ankündigen, dann trete ich mit meinem Ego quasi beiseite und stelle mich als Medium zur Verfügung. Es baut sich ein Informationsstau in mir auf, ich werde zuweilen unruhig und beginne zu sprechen. Mein Mann kann Orimar nicht direkt hören, denn die Energiepersönlichkeit spricht nur über mich. Ich übermittle seine Botschaften mit meinen Worten. Mein Mann hat alle Sitzungen aufgezeichnet, anfangs handschriftlich, später mit einem Diktiergerät und danach mit einer Spracherkennungssoftware.

Ist Ihre Medialität eine Belastung für Sie?
Mira Mayer: Jetzt nicht mehr, weil ich den Weg gegangen bin, diese außersinnliche Wahrnehmung zu akzeptieren, die Botschaften durchzulassen und mich nicht mehr intellektuell dagegen zu wehren.

Welche Inhalte umfasst das Buch?
Conrad Mayer: Die Botschaften, die meine Frau durchgegeben hat, waren für uns eine großartige Lebenshilfe. Im Jahr 2005 erklärte uns dieses "Etwas" in ihr, das sich fortan den Namen "Orimar" gab, ein Buch schreiben zu wollen. In einer unserer Sitzungen, die jeweils ein- bis eineinhalb Stunden dauerten, verkündete Orimar, dass dieses Buch eine Einleitung und 19 Kapitel umfassen werde. Für diese Aufgabe benötigten wir dann 84 Buchdiktatssitzungen. Für den Verlag haben wir die Inhalte der Sitzungen etwas gekürzt und sprachlich bereinigt. Wir sind sehr erleichtert, dass das Buch jetzt endlich "auf die Welt gekommen" ist.

Mira Mayer: Das war für uns eine enorme Herausforderung, denn wir wussten nicht, wohin sich der Buchinhalt entwickeln, wovon das Buch überhaupt handeln würde. Auf jeden Fall: Seit die Arbeit am Buch abgeschlossen ist und ich Orimars Ratschläge umsetze, bin ich ruhiger und gelassener geworden.

Haben Sie beide denn nie an den Durchgaben gezweifelt?
Conrad Mayer: Vieles, was uns Orimar während der etwa vier Jahre für das Buch diktierte, hat unser Intellekt zunächst in Zweifel gezogen – oft, bis wir den Text mehrfach durchgelesen und dann endlich verstanden hatten…

Die Frage mag erlaubt sein: Sind Sie schon mal beim Psychiater oder anderen Ärzten gewesen und haben Ihr Phänomen des "Trancesprechens" vorgetragen?
Mira Mayer: Nein, denn das ist aus meiner Sicht keine "Krankheit" oder ein Phänomen, das schulmedizinisch beurteilt werden kann.

Sind Ihre medialen Fähigkeiten vererbbar?
Mira Mayer: Meiner Meinung nach ist jeder Mensch medial veranlagt, wenn er oder sie es zulässt. Medialität hat mit dem "Körper" nichts zu tun, ist meines Erachtens also auch nicht vererbbar.

Wie lautet denn die Quintessenz der "Botschaft der Seele"?
Conrad Mayer: Das Buch zeigt einen neuen Weg auf, wie wir zu unserer Seele zurückfinden können und dort die Lösungen für unsere Lebensprobleme finden. Essenziell ist dabei, dass wir uns das Vorhandensein unserer Seele zunächst wieder bewusst machen, uns erinnern, wie wir mit unserer Seele und der Seelenwelt in Verbindung treten können. Unser Körper und unser menschlicher Geist sind sterblich, aber unsere Seele lebt ewig, sie bleibt als persönliche Identität erhalten – auch nach dem Tod von Körper und Geist. Unser Intellekt schottet sich bislang gegen die eigene Seelenstimme ab, um die Kontrolle nicht zu verlieren, und wir müssen erst wieder lernen, den Kontakt zu unserem inneren Selbst zu finden. Das geht nur mit viel Üben, um die Urängste zu überwinden und wieder an die universelle Energie anzuknüpfen, die uns als Kindern selbstverständ-lich war. Durch diese neue Sichtweise auf die eigene Zentrierung erhalten wir alle ein anderes Verhältnis zu unseren Mitmenschen und unserer Umwelt.
Das ist die Kernbotschaft, die Orimar uns allen vermitteln will. Mir persönlich hat diese Botschaft sehr geholfen, den Sinn in meinem Leben wieder zu finden.

Mira Mayer: Auch ich bin sehr erleichtert, endlich den Weg zu meiner eigenen Seele gefunden zu haben.
Das Gespräch führte Brigitte Karch

Bildtext: Mira Mayer. Foto: Brigitte Karch