Monika Poschenrieder: „Ich hätte gerne Jura studiert … noch lieber wäre ich Journalistin geworden“


Doch nach dem Abitur im Jahr 1975 fand sie keinen entsprechenden Studienplatz. So ging sie an die Fachhochschule für Tourismus in München, studierte dort einige Semester und absolvierte anschließend eine kaufmännische Ausbildung.

Schon in jungen Jahren arbeitete Monika Poschenrieder im elterlichen Betrieb mit und wollte eine andere berufliche Richtung einschlagen. Doch da ihr Bruder eine Ausbildung zum Arzt wählte und damit als Gastwirt nicht in Frage kam, lag es gewissermaßen nahe, dass sie nun doch den elterlichen Betrieb, den Forellenhof Walgerfranz, weiterführte. Damals wollte sie ihre weitsichtigen Pläne, den bestehenden Betrieb zu einem modernen Hotel mit attraktiver Wellnessanlage umzubauen, realisieren. Doch das Konzept, das sogar den anspruchsvollen Maßstäben von heute noch genügen würde, scheiterte an der notwendigen Baugenehmigung. Im Jahr 1986 übernahm sie dann endgültig – nach Abschluss der Hotelfachschule – den bis dato verpachteten Forellenhof Walgerfranz und lies den Gastronomiebetrieb von Grund auf modernisieren.

Frau Poschenrieder, Sie sind seit Jahren Vorsitzende des Fachbereiches Gastronomie im Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband e.V. (BHG). Welches waren die Gründe, sich für diese Position zur Verfügung zu stellen?
Mein Vater war 27 Jahre Kreisvorsitzender im BHG in Bad Tölz. Durch sein engagiertes Eintreten für die Belange seiner Kollegen war die Familie natürlich automatisch sehr mit eingespannt. Ich habe schon früh miterlebt, wie es in der Branche zu geht. Eines Tages bin ich gefragt worden, ob ich mich nicht ebenfalls im Verband für die Belange der Branche einsetzen möchte. Im Grunde genommen bin ich in die Verbandsarbeit ´reingerutscht´. So wurde ich vor etwa 10 Jahren für meinige heutige Position aufgestellt und gewählt, obwohl ich im Grunde genommen das eigentlich gar nicht wollte. Damals war ich ziemlich ahnungslos, welch umfangreiches Aufgabengebiet auf mich zukommen würde.

Ist die bayerische Gastronomie eine Männerdomäne oder herrscht dort (ziemliche) Gleichberechtigung in den Chefetagen bzw. in der Führungsebene?
Ich persönlich kenne diese Diskussion nicht. In unserer Branche ist Gleichberechtigung weit verbreitet. Wir sind eine Dienstleistungsbranche mit einem sehr hohen Anteil an weiblichen Führungskräften. Die meisten Männer wissen, dass ein Betrieb mit Frauen besser läuft. Es gibt sehr viele selbstbewusste Führungsfrauen, die ihre Betriebe gut organisieren und führen.

Wollten Sie schon mal den Beruf wechseln?
Ja. Ich hätte gerne Jura studiert. Zwar wäre es keine Profession, aber verstandsmäßig hätte mich die Arbeit als Juristin gereizt, zumal ich auch gut organisieren und zuhören kann. Es wäre eine Arbeit auf sehr distanzierter Ebene. Idealerweise – so im Rückblick – wäre ich noch viel lieber Journalistin geworden.

Was essen und trinken Sie am liebsten?
Ich esse gerne naturbelassene und gut zubereitete Speisen. Die Getränke wie Mineralwasser, Wein oder Bier müssen zum Essen passen.

Gibt es Aufgaben, die Sie nicht so gerne machen?
Bügeln (lacht). Nein, im Ernst, aufgeschobene Arbeiten in letzter Minute zu erledigen, wie zum Beispiel Steuererklärung machen, das ist nicht so mein Fall.

Haben Sie trotz Ihres heftigen Verbandsengagements und Leitung Ihres Betriebes noch Zeit für Freizeit?
Trotz meiner Terminfülle, versuche ich immer wieder, mir Luft zu verschaffen, damit ich die so wichtigen zwischenmenschlichen Kontakte nicht verliere. Oftmals scheitert es nicht an der Zeit, sondern an meiner mangelnden Energie für Neues oder an sportlichen Aktivitäten. Langfristig bleibt leider einiges liegen.

Was raten Sie jungen Frauen, die vor der Berufswahl stehen?
Gut überlegen, zu was man sich berufen fühlt. Sich die Fragen stellen und beantworten: habe ich Spaß am Umgang mit Menschen? Bin ich ein Organisationstalent? Verfüge ich über Führungsqualitäten? Kann ich mich selbst zurücknehmen? Wichtig ist es, sich einen optimalen Ausbildungsplatz zu wählen und weiterführende berufliche Möglichkeiten zu nutzen. Dann stehen jungen Menschen alle Wege offen. Die Branche bietet hierzu viele Möglichkeiten, sich genau zu prüfen, ob und zu was man geeignet ist.

Welche persönlichen Zielen streben Sie an?
Ich würde gerne mal eine Auszeit nehmen. Irgendwohin an einen schönen Ort fahren, wo es warm ist. Mit dabei sein sollten auch meine Katze, mein PC, mein Klavier und viele Bücher. Ich schwärme von einem schönen alten Landhaus in Italien mit Blick auf eine reizvolle Landschaft. Also schlichtweg: ich wünsche mir eine Zeit lang ungestörtes Privatisieren.

Wenn Sie heute Bilanz ziehen sollten, wie sähe die aus?
Die verantwortungsvolle Verbandsarbeit bedeutete für mich eine ziemliche Lebensumstellung. Die Aufgaben sind interessant, ich lerne viele Menschen kennen und kann an vielen Veranstaltungen teilnehmen. Auch habe ich viel für mich dazu gelernt und meine persönliche Entwicklung vorantreiben können – ohne Zweifel. Dennoch, mein Gastronomiebetrieb und zugleich die Verbandsarbeit zeitlich und physisch zu vereinbaren, das verlangt sehr viel Disziplin und hohen persönlichen Einsatz. Beides – Betrieb und Verband – stellen derzeit meinen Lebensschwerpunkt dar, alle andere Dinge, wie etwa Familie, Freunde oder gar Freizeit müssen zurückstehen. Wenn das familiäre Umfeld kein Verständnis für solch breites Arbeitsspektrum hat, dann wird es ausgesprochen knapp …

Nach welcher Philosophie gestalten Sie Ihr Leben?
Wenn man begriffen hat, dass einem das Leben nicht nur glückliche Momente verschafft, dann kommt man dahinter, dass man sich in sein Umfeld so einfügt, dass der Alltag harmonisch und gerecht verläuft. Wenn das jeder positiv eingestellte Mensch versuchen würde, wäre das Leben sicherlich erträglicher. Ich habe Probleme mit Aggressivität, wenn es zu laut und zu hektisch wird.

Haben Sie ein Lebensmotto – wie lautet es?
Die Dinge sind so, wie sie sind. Man muss versuchen, damit entsprechend umzugehen.

Welche Perspektiven sehen Sie für sich im Alter? Bzw. wie wollen Sie ihr Alter gestalten?
(Lacht) Das ist eine Frage zwischen Wunsch und Wirklichkeit. Gesundheit ist das Allerwichtigste. Ich glaube nicht an den Zufall, sondern an Fügung, an ein übergeordnetes System. Alles, was wir im Leben tun, hat einen Sinn. Im Alter wünsche ich mir eine Lebensgemeinschaft mit einem Menschen, da bin ich auf einem guten Weg. Ich will im Alter nicht allein sein.

Das Gespräch führte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.walgerfranz.de
www.dagusta.de