Christa Hagn und Stephanie Spendler: „Typische“ Mutter-Tochter-Konflikte sind ihnen unbekannt


"Typische" Mutter-Tochter-Konflikte sind ihnen unbekannt. Meinungsverschiedenheiten – vielleicht ja, diese lösen sich jedoch nach Diskussionen in Wohlgefallen auf – ohne Ressentiments zu hinterlassen. Vielmehr achten sie sich gegenseitig, unterstützen sich bei ihrer Tagesarbeit und sorgen gemeinsam dafür, dass der Gaststättenbetrieb erfüllt ist von gelebter Tradition. Gemeint sind Christa Hagn (66) und Tochter Stephanie Spendler (42), die gemeinsam das oftmals recht stressige Tagesgeschäft vom Unions-Bräu-Haidhausen mit nach außen hin scheinbar leichter Hand bewältigen.

Als "Hüter des Hauses" fungiert Ehemann bzw. Vater Ludwig Hagn, langjähriger Präsident und Ehrenpräsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes. Er lässt "seine beiden Damen" schalten und walten, bietet in schwierigen Situationen Entscheidungshilfe, wobei die Drei, sprich Vier, denn Ehemann Michael Spendler ist als Controller ebenfalls im Betrieb aktiv involviert, gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Christa Hagn ist in München geboren und entstammt einer Metzgersfamilie. Nach der Schule besuchte sie die renommierte Hotelfachschule Bad Reichenhall. Seit 1965 ist sie mit dem heutigen Wirt vom Unions-Bräu-Haidhausen Ludwig Hagn verheiratet.

Im Jahr 1967 kommt Tochter Stephanie zur Welt, wie ihre Mutter ist sie ein waschechtes "Münchner Kindl". Nach dem Abitur im Jahr 1986 tritt sie die Lehre zur Hotelkauffrau im damaligen Park Hilton München an und setzt ihre Berufsausbildung mit dem FH-Studium Betriebswirtschaft mit Studienschwerpunkt Tourismus sowie Hotel- und Restaurantmanagement in München fort. Seit 1993 ist sie mit Michael Spendler verheiratet, sie haben zwei Söhne Johannes (16) und Lukas (14).

Christa Hagn zeichnet sich durch charismatische Charakterzüge aus. Sie ist wegen ihrer Mütterlichkeit und Warmherzigkeit hoch geschätzt. Auf Anhieb fühlt sich der Gast im Unions-Bräu-Haidhausen umsorgt und gleichsam familiär behütet. Ihre von langjähriger Erfahrung im Umgang mit Gästen geprägte Menschenkenntnis und Gelassenheit sind bewundernswert. Mit ihrem anschaulichen, von liebenswerten Münchner Dialekt begleiteten Erzähltalent zieht sie die Zuhörer in ihren Bann. Kein Wunder, dass sich im Unions-Bräu quer durch alle Gesellschaftsschichten etwa 40 Stammtische, darunter auch Senioren-Stammtische, ausgesprochen wohl fühlen.

Auch Stephanie Spendler hat es von klein auf verinnerlicht, den Gast in den Mittelpunkt ihres Denkens und Handelns zu stellen. Sie liebt den Umgang und den direkten Kontakt mit dem Gast. Dennoch ist sie mehr "Verwaltungsfrau, und zwar so umfassend, dass manchmal fast kaum Zeit für den Gast übrig bleibt", sagt sie bedauernd und verweist auf die ständig wachsende Bürokratie.

Beide, Mutter wie Tochter, verfügen über Durchsetzungsvermögen und verlieren nicht – trotz gelebter Nächstenliebe – den für die in der Gastronomie unverzichtbaren Blick für die Realität.

Genau diese Mischung aus Sanftheit und nüchterner Betrachtungsweise führten wohl auch dazu, dass der Generationswechsel im Hause Unions-Bräu kein Thema im Sinne von großen Auseinandersetzungen begleitet war. Vielmehr folgten alle Beteiligten – Eltern wie Tochter mit Ehemann – einer weitsichtigen Strategie. So wurden langfristig im Vorhinein die Weichen für einen harmonischen Wechsel eingeleitet und sukzessive vollzogen.

Frau Hagn, 1991 übernahmen Sie zusammen mit Ihrem Mann das Unions-Bräu-Haidhausen. Welche Überlegungen waren dafür ausschlaggebend?
Die Eltern meines Mannes bewirtschafteten das Schützenzelt auf dem Münchner Oktoberfest von 1953 bis 1978. Seit 1979 führen wir das Löwenbräu-Festzelt. Als die Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung Ende der 80er Jahre die Nachkriegsruine vom Unions-Bräu, ein Pachtbetrieb von Löwenbräu, komplett wieder aufbauen ließ, ergriff mein Mann die Gelegenheit und pachtete das Unions-Bräu-Haidhausen mit hauseigener Brauerei und gemütlich eingerichteten Gasträumen.
Unser erster Gedanke war, dass wir diesen Betrieb nur dann pachten, wenn unsere Tochter ihn zukünftig auch weiterführen würde.

Und wie dachten Sie über die Vorstellungen Ihrer Eltern, Frau Spendler?
Ursprünglich wollte ich ja eigentlich Zahnärztin werden. Auch sportliche hatte ich einige Ambitionen, zumal ich 14 Jahre lang Volleyball-Mannschaftssport betrieb. Als mich meine Eltern zu ihren Pachtideen befragten, wurde mir damals richtig angst und bange. Immerhin war ich erst 24 Jahre alt – und alles sollte schon so früh festgelegt werden. Aber ich war ja bereits in den elterlichen Betrieb regelrecht hineingewachsen. Den Beruf als Wirtin übe ich von Herzen aus. Ich will, dass der Gast von sich aus zu uns kommt. Er soll sich bei uns wohl fühlen und feiern. Wir begleiten den Gast von der Tauffeier bis zum Leichenschmaus. Dieses Begleiten gibt es in keinem anderen weltlichen Beruf.

Geht man in Ihrer, Frau Spendler, Berufschronologie einen Schritt zurück, so waren sie während Ihrer Ausbildungszeit 1987 im Löwenbräu-Festzelt Ihrer Eltern bereits in Führungsposition tätig. Im Alter von 32 Jahren waren sie sogar die jüngste Oktoberfest-Wirtin aller Zeiten.
Ja, das ist richtig. Ich hatte schon damals die Aufgabe, die Reservierungen zu organisieren. Im direkten Kontakt zum Gast fühlte ich mich am richtigen Platz. Diese Tätigkeit übe ich ja noch heute aus. Nicht immer einfach, immerhin müssen innerhalb weniger Wochen und Monate Tausende von Anmeldungen, Bestellungen und unendlich viele Anfragen rasch und zuverlässig abgewickelt und auch das Wiesn-Personal eingestellt werden . (Schmunzelt): Übrigens, meine Diplomarbeit zum Thema "Unions-Bräu" schrieb ich während der Wiesnzeit.

Wie gelang es Ihnen, Frau Spendler, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen?
Ich konnte mich immer auf verlässliche Netzwerke stützen. Hier haben mir meine Mutter und Bekannte geholfen. Wir hatten auch schon mal einen Babysitter gehabt.

Wie vollzog sich der Generationswechsel im Hinblick auf den elterlichen Betrieb?
Bereits 1999 wurde erstmals ein Vertrag über die Nachfolge vom Unions-Bräu zwischen meinem Vater und mir geschlossen. Das fand ich ganz toll. Zwei Jahre später steckte ich arbeitsmäßig zurück, denn die Wiesn, das Unions-Bräu und die Kindererziehung wurden mir zu viel. Im Jahr 2004 gründeten wir eine OHG für das Unions-Bräu-Haidhausen. Heutzutage arbeitet meine Mutter an den Wochenenden im Unions-Bräu und ich an allen anderen Tagen. Nach wie vor bin ich für die Löwenbräu-Festzelt-Reservierungen verantwortlich. Für alle anderen Belange ist mein Vater zuständig. Das alles klappt bestens und einvernehmlich.

Frau Hagn, bitte beschreiben Sie Ihr berufliches Selbstverständnis
Wirtin zu sein, ist genau der Beruf für eine Frau: Jeder Gast wird wie ein eingeladener Freund behandelt, er sitzt am gedeckten Tisch mit hübschem Blumenschmuck. Er bekommt seine gewünschten Speisen und Getränke. Vor allem möchten wir, dass sich der Gast bei uns wie daheim wohl fühlt.

Alles in allem sind Sie, Frau Spendler, mit Ihren Eltern und Ihrem Mann ein rundum eingespieltes Team.
Es hat sich über Jahre hinweg bewährt: meine Mutter und ich arbeiten direkt am Gast. Mein Mann ist als Controller Unions-Bräu zuständig. Mein Vater, der sich 16 Jahre als Präsident vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband enorm für den Verband und seine Mitglieder einsetzte, hat hingegen im Löwenbräu-Festzelt das Sagen. Auch dort arbeiten wir beide sehr eng zusammen, und ich bin froh, dass wir uns so gut ergänzen!

Das Gespräch führte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.unionsbraeu.de
www.dagusta.de

Bildtext (v.l.): Christa Hagn mit Tochter Stephanie Spendler. Foto: bk