Angela Inselkammer: „Wir zeigen unseren Gästen gegenüber das gleiche Werteverständnis wie wir es in unserer Familie vorleben!“


Brauchtum, Tradition, unaufdringlicher Komfort und Service sowie wunderschönes Ambiente – das sind die Grundpfeiler der Familienphilosophie. Das Restaurant zählt 2009 erneut zu den bundesweit 400 besten Betrieben. Mit der Eröffnung des Denkmal geschützten Herrenhauses (48 Zimmer) rundete die Familie das Ensemble am Ayinger Dorfplatz harmonisch ab. Nicht zuletzt ist es das Verdienst von Angela Inselkammer, das nach liebevoller Renovierung nunmehr im Herrenhaus 14 exklusive Zimmer, eine Bibliothek, eine großzügige Stube mit Anschluss an die ehemalige Gutshaus-Küche und ein modern ausgestattetes Konferenzzimmer entstanden ist.

Die gebürtige Münchnerin Angela Inselkammer (Jahrgang 1958) heiratete nach dem Gymnasium den Bräu der Brauerei Aying, Franz Inselkammer. Sie selbst, Tochter eines Unternehmers und einer Hausfrau, war eine Zeit lang als Mutter und Hausfrau tätig, bis sie um 1990 in das Familienunternehmen eintrat und die Arbeit im Brauereigasthof in Aying aufnahm. Familie Franz und Angela Inselkammer haben drei Kinder, die mittlerweile erwachsen sind: Ursula (28) und Franz jun. (26) werden auf die Unternehmensnachfolge vorbereitet. Tochter Barbara (31) lebt als Hausfrau und Mutter von drei Kindern in der Nähe von München.
Angela Inselkammer engagiert sich zudem in verschiedenen Berufs- und Wirtschaftsverbänden. Die Dorferneuerung von Aying liegt ihr besonders am Herzen.

Wie verläuft bei Ihnen ein "ganz normaler" Arbeitstag?
Das geht morgens gegen 7.30 Uhr los und endet nachts so gegen 22.00 Uhr. Nach dem gemeinsamen Frühstück mit meinem Mann, geht jeder seinem Aufgaben nach. Immer ist einer von uns beiden im Gasthof oder in der Brauerei vor Ort. Unser Leben findet sozusagen mittendrin statt, also zwischen Beruf und Privatleben.
Jeder Tag läuft anders ab, keiner gleicht dem anderen. Das macht ja das Spannende in unserem Beruf aus: man ist ständig als Problemlöser gefragt. Dabei ist der richtige Umgang mit Gästen längst nicht mehr so leicht wie früher. Der Gast ist kritischer geworden und wenn man ihn zufriedenstellen will, muss man ihm leicht, locker und fröhlich entgegenkommen – das verlangt hohe Professionalität. Unser Ziel ist es, dem Gast eine herzliche, persönliche Gastfreundschaft entgegen zubringen, ohne hohle Floskeln. Wir agieren dem Gast gegenüber zugewandt. Dabei zeigen wir unseren Gästen gegenüber das gleiche Werteverständnis wie wir es in unserer Familie vorleben.

Wussten Sie bereits bei Ihrer Heirat, welche Aufgaben auf Sie zukommen würden?
Nein, ich habe aus Liebe geheiratet, eine Entscheidung, die ich nie bereute, ich würde es jederzeit nochmals tun, sofort!

Ist die bayerische Gastronomie eine Männerdomäne oder herrscht dort Gleichberechtigung in den Chefetagen bzw. in den Führungsebenen?
Gleichberichtigung hat es schon immer gegeben, denn ohne Frauen geht’s in der Gastronomie gar nicht.

Wie sieht es in der Branche für die Frau – als Unternehmerin und Arbeitnehmerin – mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Wenn man kleine Kinder hat, ist es schwierig, Familie und Beruf zu vereinbaren. Solange meine Kinder klein waren, war ich nicht im Geschäft tätig. Es ist eine wertvolle Zeit, wenn Mütter sich um ihre Kleinkinder kümmern können. Ich habe erst später den Beruf erlernt. In der Gastronomie kann sich aber auch das Elternpaar diese Arbeit teilen, das geht ganz gut.

Bieten Sie in Ihrem Haus besondere Angebote (zum Beispiel leichte Küche) für weibliche Gäste?
Nein, wir machen da keinerlei Unterschiede. Jeder Gast, ob weiblich oder männlich, hat bei uns den gleichen Anspruch auf herzliche Gastfreundschaft, dabei versuchen wir, auf die jeweiligen individuellen Bedürfnisse Rücksicht zu nehmen.

Was tun Sie für Ihre persönliche Weiterbildung?
Je nachdem wie es mein Zeit zulässt, besuche ich die renommierten SchmidtColleg Seminare für mittelständische Unternehmer und Führungskräfte. Diese Seminare sind mir für meine Selbstüberprüfung wichtig.

Haben Sie Zeit für Freizeit?
Zu Hause in Aying gehe ich so oft wie möglich, mit unserem Hund, einem 12 Jahre alten Hovawart, hinaus in die Natur. Diese Zeit genieße ich sehr. Wenn es um Urlaub geht, dann nehme mir einmal im Jahr drei Wochen Freizeit am Stück. Zusammen mit meiner ganzen Familie fahre ich nach Spanien. Dort genießen wir die Ruhe und entspannen uns vom Alltag. Ich lese, gehe viel Schwimmen, und ich lasse mich auch nicht durchs Fernsehen ablenken. Ich koche jeden Tag und verlebe mit meiner Familie die Urlaubstage mit vielen langen Gesprächen.

Wie organisieren Sie das, wenn Sie so lange nicht im Betrieb persönlich anwesend sind?
Ich habe nicht das Gefühl, ich sei unabkömmlich. Ich habe ganz hervorragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auf die ich mich komplett verlassen kann.

Was raten Sie jungen Frauen, die vor der Berufswahl stehen?
In die Gastronomie zu gehen; denn die Gastronomie ist die Basis fürs Berufsleben. Die Branche ist so vielseitig, man kommt mit vielen unterschiedlichen Menschen zusammen, lernt sie besser kennen und kann dadurch auf Dauer gesehen auch bessere Entscheidungen im Leben treffen. Auch für ältere Frauen zwischen 40 und 50 Jahren ist die Gastronomie eine durchaus sinnvolle Berufsalternative. Wer zum Beispiel als Aushilfskraft bei uns einen halben Tag arbeiten will, dem bieten wir flexible Arbeitszeiten, abgestimmt nach persönlichem Bedarf.

Gibt es Aufgaben, die Sie nicht so gerne machen?
Ja, Büroarbeiten mache ich nur ungern, dabei muss ich gerade da sehr vieles erledigen.

Was essen und trinken Sie am liebsten?
Gut gekochtes Essen aus regionalen guten Naturprodukten. Und gutes Bier (lacht), natürlich am liebsten Ayinger Biere.

Welche persönlichen Zielen streben Sie an?
Ich möchte der 7. Generation einen gesunden Betrieb übergeben. Damit sie das Unternehmen im Sinne der Familientradition mit viel Freude weiter führen kann.

Ist "Unternehmensnachfolge" ein aktuelles Thema für Sie?
Ja, durchaus. Unsere Tochter Ursula arbeitet bereits seit anderthalb Jahren im Brauereigasthof. Nach dem Abitur und ihrer Ausbildung zur Hotelfachfrau im Palace-Hotel in München, studierte sie Tourismus am Management Center Innsbruck. Unser Sohn Franz, der zukünftig die Ayinger Brauerei führen wird, schloss nach dem Abitur eine Brauer- und Mälzerlehre in die Klosterbrauerei Andechs ab. Er studiert derzeit Betriebswirtschaft.

Wollten Sie schon mal den Beruf wechseln?
Nein, nie!

Haben Sie ein Lebensmotto – wie lautet es?
Meine Pflichten mit Freude zu erfüllen und dabei darauf zu achten, dass es meiner Familie und auch anderen Menschen gut ergeht.

Das Gespräch führte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.ayinger.de
www.dagusta.de