HauChun Kwong: Scherenschnitte sind eine besondere Herausforderung


Die heute 41-jährige Bildhauerin lebt seit 17 Jahren in der Bayern-Metropole und wurde als Meisterschülerin an der Münchner Kunstakademie ausgebildet. Ihre Werke sind gesucht. So hat etwa die Pinakothek der Moderne München ein Exponat von HauChun Kwong erworben. Die Künstlerin selbst schenkte dem Buchheim Museum in Bernried am Starnberger See eines ihrer Exponate. Die Vielzahl ihrer Eigen- und Gruppenausstellungen ist enorm, ihre Werke werden in Zeitungen (zum Beispiel "Süddeutsche Zeitung"), Kunstmagazinen und Antologien hochgelobt.

Die Wahl-Münchnerin arbeitet in den unterschiedlichsten Kunsttechniken Malerei, Bildhauerei, Chinesische Tuschezeichnungen, Kalligraphie, Radierungen und Scherenschnitte. Dabei scheint die Bedeutung ihres Vornamens HauChun “ zu deutsch: "klein, fein und wertvoll" – Programm zu sein; denn ihre persönliche Wesensart und ihre künstlerischen Arbeiten entsprechen der Namensgebung “ wenngleich manche ihrer Werkwerke dann doch aus dem Rahmen fallen, ganz einfach deshalb, weil sie großformatig und raumgreifend dimensioniert sind.

Übrigens, das Interview mit HauChun Kwong dauerte mit über zwei Stunden weitaus länger als geplant “ zu spannend und interessant war es, ihren oftmals sehr humorvollen Ausführungen zuzuhören und ihren gedanklichen Aussagen über ihr künstlerisches Schaffen zu folgen. Und all das bei genussvollen Tassen original weißen chinesischen Tees mit getrockneten roten Rosenblütenblättern “ "dieser Tee beruhigt und macht glücklich" – wie HauChun Kwong lächelnd glaubhaft versicherte.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich künstlerisch betätigen?
Eigentlich begann alles mehr zufällig; als ich zusammen mit einer Freundin von Hongkong in die Volksrepublik China ging, begann ich in Kanton mit dem Kunststudium. Von 1985 bis 1988 studierte ich an der The Guangzhou Academy der Bildenden Künste Malerei und Bildhauerei “ das sind in China Pflichtfächer. Das war damals alles nicht sehr leicht für mich, denn ich konnte nur Kantonesisch sprechen, nicht aber Mandarin. Danach folgten von 1988 bis 1989 Lehrtätigkeiten am Shek Lei & Cho Yiu Youth Center, Hongkong, sowie am Wing On Art Center, Hongkong.

Später kamen Sie nach Europa bzw. nach München und stießen mit ihren Arbeiten rasch auf lebhafte Resonanz.
Ja, seit Ende der 80-er Jahre lebe ich in München. Von 1991 bis 1995 studierte ich Bildhauerei bei Prof. Leo Kornbrust an der Akademie der Bildenden Künste in München. 1994 wurde ich von der Jubiläums-Stipendium-Stiftung der Stadt München gefördert und erhielt 1995 ein Stipendium der Steiner-Stiftung, München. Von 1996 bis 1997 war ich Meisterschülerin der Bildhauerei bei Prof. Cristina Iglesias. Danach folgten eine über fünfjährige Lehrtätigkeit (bis 2002) für Kalligraphie am Institut für Ostasienkunde an der Ludwig Maximilian Universität in München. Zwischendurch fuhr ich zu Studienzwecken nach Hongkong, China und New York, um dann 1998 das Meisterschülerindiplom bei Prof. Cristina Iglesias an der Akademie der Bildenden Künste, München zu erwerben.

Wenn ich mich hier in Ihrem Atelier in der Domagkstraße umsehe, dann arbeiten Sie mit recht unterschiedlichen Materialien und Techniken.
Ich fertige Radierungen an wie etwa den "Buddha", eines meiner jüngsten Arbeiten, die mir ganz rasch von der Hand gingen. Andererseits arbeite ich mit verzinktem oder verkupfertem Draht und forme daraus Drahtfiguren. Für eine diese Figuren, die oftmals mehrere Meter lang sind, benötigte ich ein Jahr; zur Herstellung wickelte ich auf einer Art Stellage rund 9 Kilometer Draht im Gesamtgewicht von 200 kg per Hand um einen festen Kern. Das Material ist von großer Bedeutung für mich, ich lege mich auf keine bestimmte Richtung fest und bin somit offen für die zufällig entstehende Form dieser Drahtskulpturen. Mit Draht zu arbeiten, heißt für mich Energie und Gefühl und Zeit “ es ist eine besondere Spannung in der Arbeit. Das Volumen wächst von selber, all dies begeistert mich; denn hier ist nichts geplant und der Kunstgegenstand kommt auf mich zu.

Außerdem befassen Sie sich mit dem Material Aluminium.
Der Umgang mit Aluminium fasziniert mich. Das ist fast eine philosophische Ansicht und lässt sich vielleicht aus meiner chinesischen Herkunft heraus erklären. Meine Arbeiten "Ebenen", verschieden große handgeschliffene Alu-Platten (300x47x0,3 cm sowie 200x200x0,5 cm), lassen den Betrachter von Nahem verschwommen erscheinen. Je weiter man sich von der Alu-Platte entfernt, desto klarer erkennt man sich. Das ist wie ein schönes Spiel, in dem sich Energie und Charakter offenbaren.

Neben chinesischen Tuschearbeiten arbeiten Sie vor allem an Scherenschnitten.
In den Jahren 2002 bis 2003 begann ich mich mit der Scherenschnitttechnik zu beschäftigen. Damals war ich sehr krank und schwach und konnte sonst nichts tun. In jener Zeit schuf ich über 100 Scherenschnitte vor allem mit farbigen, bunten Tiermotiven. Es waren sehr intensive Wochen, ja ich befreite mich regelrecht von meiner Krankheit. Scherenschnitte sind eine ganz besondere Herausforderung, denn sie sind nicht korrigierbar. Von der Technik her muss ich zweidimensional arbeiten, aber dreidimensional wie eine Bildhauerin denken. Darin liegt die Spannung und der Reiz. Mit dem Schneiden kann ich weiche, zärtliche Linien “ etwa Kinder darstellen “ oder mit harten Schnitten, beispielsweise für Männerköpfe oder von schwerer Arbeit gekennzeichnete Menschen, "zeichnen". Einen Scherenschnitt hat die Pinakothek der Moderne, München, erworben. Oftmals nehme ich mir Fotos aus Zeitungen und Zeitschriften als Vorlage und versuche die dort abgebildeten Menschen und ihre Gefühle mit Scherenschnitt “ zumeist auf dunklem Papier – einzufangen.

Eine abschließende Frage: Wie beurteilen Sie den Standort München aus Künstlersicht?
München bietet mit seinen über 80 Galerien eine sehr gute Plattform für Künstler. Auch wirkt die Stadt auf Künstler sehr motivierend.

Das Interview führte Brigitte Karch©

Weitere Informationen:
e-mail: hauchunkwong65@hotmail.com,
homepage www.naturtalente.de