Margret Kopp: „Ich möchte den Kindern in Togo helfen, damit sie sich selbst weiter helfen können!“


Die vor über zwei Jahrzehnten von Margret Kopp aus Maisach bei München gegründete "Aktion PiT – Togohilfe e.V." hat sich mittlerweile zu einer eigenständigen, sehr wirkungsvoll arbeitenden Organisation entwickelt. Der gemeinnützige, eingetragene Verein finanziert sich durch Staatsmittel, Spenden und Patenschaften.

Erklärtes Ziel der Vorsitzenden ist es: "dass die Menschen in Togo nicht nur auf unsere Spenden angewiesen sind, sondern auch durch ihre eigene Arbeit und durch ihre eigenen Produkte eine Chance auf tatsächliche Selbsthilfe bekommen." Zur Realisierung dieser visionären Idee rief Frau Kopp Ende November 2007 "Togo-Contact" ins Leben, um Waren und Dienstleistungen einem interessierten Publikum anzubieten.

Gruppenreisen nach Togo gehören ebenfalls zum ehrgeizigen Projekt. In diesem Jahr offeriert Frau Kopp unter anderem eine Reise speziell nur für Frauen nach Togo, damit sie sich persönlich davon überzeugen können, was Frauen in Afrika zu leisten imstande sind.

Wir befragten Margret Kopp über ihre humanitären Aktivitäten.

Wann und wie kamen Sie erstmals mit Togo in Berührung?
Das war ein Zufall in meinem Leben. Ich entdeckte in der Zeitung einen Artikel über einen Apotheker, der Medikamente für Togo gesammelt hatte. Beim Durchlesen stellte ich fest, dass dieser Apotheker ein sehr guter früherer Schulfreund von mir war. Also rief ich ihn an, und schon war’s passiert: er hatte mich, die ich Lehrerin für Französisch war, zum Übersetzen und Dolmetschen überredet, denn in Togo ist Französisch die offizielle Amtssprache.

Was motiviert Sie zu diesem bewundernswerten Engagement?
Die Menschen, vor allem die Kinder in Togo. Jedes Mal, wenn ich nach Togo reise, bin ich zutiefst beeindruckt von der Lebensfreude und dem Lebensmut, den sich die Menschen trotz existentieller Nöte bewahrt haben. Denn in Togo kann man nicht von "Armut" sprechen. Es herrscht "Lebensnot", und vor allem die Frauen kämpfen den täglichen unerbittlichen Überlebenskampf für ihre Kinder. Ich bewundere diese Frauen, und ich bin jedes Mal aufs Neue von der Gastfreundschaft überwältigt, die uns Besuchern aus Deutschland geboten wird.

Auf welche Erfolge können Sie bei ActionPiT zurückblicken?
Ich weiß, dass viele unsere Initiativen wirklich lebensrettend sind, ob es sich um die Patenschaften für Kinder in dramatischen Lebenssituationen handelt, oder um unsere Arzneimittelsendungen, die viele Patienten oft in letzter Minute retten. Besonders wichtig aber ist mir die Förderung der Schulbildung. Da kann man den Erfolg zwar nicht immer sofort messen, aber langfristig wird sich das positiv auswirken. Togo braucht gut ausgebildete junge Leute, die die Entwicklung des Landes voranbringen können. Als Erfolg sehe ich es an, dass 800 Paten unser Projekt unterstützen und Kindern eine Chance auf Bildung geben. Es haben sich zahlreiche Brunnenstifter gefunden, sodass wir schon fast 100 Dorfbrunnen bauen konnten. Ja, das ist es, was mich am meisten freut: die Treue der Spender, die regelmäßig und immer wieder spenden und dadurch die Hilfsprojekte erst ermöglichen.

Was und seit wann hat Sie veranlasst, "Togo-Contact ins Leben zu rufen?
Immer wieder haben mich die Menschen in Togo bestürmt, ich möge doch ihre Produkte mitnehmen und in Deutschland verkaufen, damit sie durch eigene Arbeit Geld verdienen können. Die Bereitschaft zur Arbeit und Eigenleistung ist bei den Menschen in Togo zum Glück noch immer stark ausgeprägt; nur bietet Togo selbst keine ausreichenden Märkte. Da ich die vielen Produkte nicht im Koffer mitnehmen kann, habe ich Ende 2007 das Unternehmen Togo-Contact gegründet, um den Handel in geordneten Bahnen abwickeln zu können. Das ist dann tatsächlich "Hilfe zur Selbsthilfe", über die dringend notwendige humanitäre Hilfe hinaus. Gleichzeitig ist Togo-Contact ein Forum, um konkrete Kontakte zu schaffen, sei es als Firmenconsulting, aber auch konkrete Begegnungen durch Reisen nach Togo, die ich anbiete.

DasTogo-Contact-Programm 2009 ist ja sehr facettenreich. Warum initiieren Sie eigens eine Togo-Reise für Frauen?
Ich habe schon weiter oben davon gesprochen, dass die Frauen eine besondere Rolle in Afrika spielen. Sie leisten den eigentlichen Überlebenskampf in der Familie und entwickeln unglaubliche Kräfte, aber auch Kreativität, um den Alltag und alle Probleme immer wieder zu bestehen. Togoische Frauen sind auch recht selbstbewusst, "Nana Benz" sind die berühmten Stoffhändlerinnen in Lomé – und sie sind ungeheuer wissbegierig. Ich glaube, dass wir emanzipierten deutschen Frauen von den Afrikanerinnen genauso viel lernen können wie sie von uns. Dennoch: es ist mein erster Versuch einer reinen "Frauenreise" nach Togo und ich stelle mir so eine Reise "Von Frau zu Frau in Togo" sehr spannend vor.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrem Togo-Engagement?
Mein Ziel ist es, den Kindern und ihren Familien in Togo so weit zu helfen, dass sie Tritt fassen und sich wieder selbst weiter helfen können. Dazu ist die Schul- und berufliche Ausbildung das Wichtigste. Deshalb helfen wir den ärmsten Kindern, die Schule besuchen zu können, finanzieren Schulbauten, verbessern die Ausstattung mit Schulmaterial, bezahlen Schulspeisung, investieren in die berufliche Ausbildung, z. B. bei Nähschulen für die Mädchen, oder Aktivitäten bei Behinderteneinrichtungen.

Eine große Sorge stellen für mich die steigenden Zahlen der Aids-Waisen dar. Es gibt nicht genügend Waisenhäuser, um sie aufzunehmen, und es fehlt völlig an qualifiziertem Betreuungspersonal. Diese Kinder werden in absehbarer Zeit die Erwachsenen in Togo sein, und ich suche dringend nach Hilfen und Strukturen, um sie auf ein positives Erwachsensein vorzubereiten. Da gibt es noch viel zu tun!

Was bleibt zu tun? Welche mittelfristigen und langfristigen Pläne hegen Sie?
Meine langfristigen Pläne? Ich träume davon, dass unsere Hilfe so effektiv ist, dass sie den Menschen ein bisschen Wohlstand ermöglicht und unsere humanitäre Hilfe überflüssig macht.

Abschließend eine provokative Frage: leider gibt es ja immer wieder Negativnachrichten über Hilfsorganisationen wg. veruntreuter Sammlungsgelder. Wie gelingt es Ihnen, interessierte Menschen von Ihrer Glaubwürdigkeit als vertrauenswürdige Institution zu überzeugen?
Das ist gar keine provokative Frage! Für mich ist es selbstverständlich, dass man den Spendern so detailliert wie irgend möglich über die Verwendung seiner Spenden Auskunft gibt. Das versuche ich jedenfalls, obwohl es natürlich ein ungeheuer großer Aufwand an Organisationsarbeit ist, den wir ehrenamtlich leisten. Aber fast jeder Spender erfährt ganz genau, wofür seine Spende verwendet wird, auch bei Kleinspenden. Und dann habe ich ja viele "Zeugen", denn ich nehme Projektförderer und Pateneltern jederzeit bei meinen Projektbesuchsreisen nach Togo mit. Das sind keine Erholungsreisen, sondern sehr anstrengende Touren oft in den tiefsten Busch. Aber man lernt Togo und seine Menschen dabei kennen, wie es einem Touristen kaum gelingen wird. Und man kann persönlich "sein" Projekt oder "sein" Patenkind sehen und sich über den Verbleib der Spenden ein persönliches Bild machen.
Die Fragen stellte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
Margret Kopp, Aktion PiT – Togohilfe e.V., Stefanusstr. 4, 82216 Maisach, Tel. 08141/305363, Fax 08141/305365, email: info@aktionpit.de
www.togo-contact.de
www.aktionpit.de

(Die Links wurden am 11.02.2009 getestet.)