Sabine Friedland: Erfolg mit Ich-AG


Die gelernte Industriekauffrau machte ihr Hobby Computer-gesteuerte Stickereien zum Beruf und fand damit eine durchaus vielversprechende Marktlücke. Seit 1. Juli 2003 ist sie mit einer Ich-AG am Markt. In einem vorläufiges Fazit zieht Frau Friedland eine erste Bilanz.

Worin besteht Ihre jetzige Tätigkeit?
Hauptsächlich arbeite ich am Computer mit Bildbearbeitungs– und Stickprogrammen. Dabei übertrage ich die speziell erstellten Stick-Dateien per Diskette in meine 6-Nadel-Einkopf-Stickmaschine. Mit anderen Worten: ich sticke ein ganz eigenes Wunschmotiv auf Textilien auf.
Das können zum Beispiel T-Shirts, Handtücher, Fleece-Pullover. Hochzeits-Grußkarten, Leinen-Einkaufstaschen und seit neuestem auch Kappen sein. Vor allem sind Motorräder- und Rollermotive gefragt, da wegen des hohen Zeitaufwandes das Erstellen der vielen verschiedenen Modelle in dieser Form kaum auf dem Markt angeboten wird. Darüber hinaus betreue und berate ich meine Kunden im Internet. Und natürlich erledige ich ebenso die üblichen Büroarbeiten, die ein Betrieb mit sich bringt.

Warum haben Sie eine Ich-AG gegründet ?
Vorher habe ich keinen lebenserfüllenden Arbeitsplatz gefunden. Außerdem zählt man mit 50 Jahren schon vielfach zum "alten Eisen". Als nächstes hat es mich gereizt, zu Hause mit eigener Zeiteinteilung arbeiten zu können. Nicht zuletzt war die finanzielle und fachliche Unterstützung vom Arbeitsamt für mich ausschlaggebend.

Worin bestehen Ihrer Meinung nach die Vorteile einer Ich-AG?
Die Vorteile sehe ich im gestiegenen Wertgefühl durch die eigene Arbeit und nicht als "erfolglos Jobsuchende" unterwegs zu sein. Außerdem gehe ich gerne mit Menschen um. So erfahre ich beispielsweise auf Messen und Ausstellungen im direkten Gesprächen die Wünsche meiner Auftraggeber, die ich dann ganz kundenbezogen realisieren kann. Ich liebe es zudem, unerwarteten Herausforderungen entgegenzutreten, viel Neues zu erarbeiten und zu lernen sowie die eigenen Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Es macht einfach Spaß für sich zu arbeiten !

Und die Nachteile?
Die erwähnte Zeiteinteilung geht als erstes "baden". Außerdem ist der Zeitaufwand als Ich-AG´ler erheblich höher als im 8-Stunden-Job. Der finanzielle Erfolg für geleistete Arbeit tritt nicht beim ersten Monatswechsel ein. Durststrecken müssen somit eingeplant werden.

Können Sie mit der Ich-AG Ihren Lebensunterhalt bestreiten?
Sabine Friedland: Leider noch nicht. Es bedarf einer gewissen Einführungsphase, wobei man dann auch irgendwann entscheiden muss, ob sich der Aufwand weiterhin lohnt oder nicht. Da ich finanziell soweit abgesichert bin, nicht davon leben zu müssen, werde ich noch weiterhin meine Planung dahin steuern, wirklich auch "Selbstständig" zu werden.

Finden Sie ideelle Unterstützung durch Familienangehörige?
Sabine Friedland: Ein klares "JAIN" kann ich dazu sagen: Von meinem Mann wurde und werde ich unterstützt, anfangs auch in der Hoffnung, mal zwischendurch Freizeit genießen zu können, aber auch wenn die Unterstützung in Form von Haushalt und Büroarbeiten weiterhin da ist, so ist doch die anfängliche Euphorie in Bezug auf Freizeitgestaltung gewichen. So manches Mal könnte ich außer den 24 Stunden am Tag auch die
Nachtzeit noch gut gebrauchen.

Würden Sie sich nochmals selbständig machen?
Ja, weil es eine ganz andere Erfahrung ist, die man macht. Außerdem möchte ich es einfach wissen, ob ich die angestrebte Selbstständigkeit auch erreichen kann, denn bessere Alternativen sind für mich nicht gegeben. Andererseits ist der Zeitaufwand so groß, dass ich stark zweifle, ob ich mich nochmals auf das Ich-AG-Experiment einlassen würde.

Was raten Sie anderen Frauen, die eventuell eine Ich-AG gründen wollen?
Sabine Friedland: Zuerst muss der eigene Juhu-Schrei kommen, das ist der erste von 1000 weiteren Schritten!
– Es muss ein eigenes Konzept erarbeite werden; je genauer die Planung ist, desto weniger folgen später unliebsame Überraschungen.
Zusammen mit dem Partner die Selbstständigkeit planen, denn damit steht und fällt alles “ aufpassen, dass besonders in den Anfangsjahren das Familienleben nicht zu extrem belastet wird. Was nützt der Erfolg, wenn die Partnerschaft/Ehe in die Brüche geht?
Jede Frau sollte sich vorher über ihr Tätigkeitsfeld und alle Modalitäten informieren. Hier habe ich durch das Arbeitsamt die Möglichkeit gefunden, auch in speziellen Arbeitsgemeinschaften Erfahrungen zu sammeln.
Wichtig ist vor allem die finanzielle Absicherung zum Beispiel durch einen Zuschuss vom Arbeitsamt. Auch dürfen die Sozialabgaben und Rentenbeiträge nicht unberücksichtigt bleiben.
Darüber hinaus muss man sich in seinem Tätigkeitsfeld ständig weiterbilden “ das ist ganz wichtig, um sich auf Dauer am Markt halten zu können.
– Noch ein kleiner Tipp: Marktforschung sollte man ohnehin vor Beginn der Selbständigkeit betreiben, es ist absolut notwendig. Schließlich müssen Interessenten und zukünftige Käufer vorhanden sein und nicht nur der eigene Juhu-Schrei, der ungehört verhallt….
Und auf keinen Fall vergessen: einen freien Tag – ein Durchatmen – fest einplanen für Partner, Familie und Freunde!

Das Gespräch führte Brigitte Karch©