Marlies Bernreuther: „Wer vor der Berufswahl steht, sollte Schnupperlehren machen“


Doch auch hier werden immer mehr Frauen in der Braulandschaft gesichtet. Dafür gibt es zumeist zwei wesentliche Gründe: der männliche Stammhalter fehlt oder, wenn es ihn denn gibt, verspürt dieser zur Weiterführung der elterlichen Brauerei keine Lust.

In zunehmendem Maße machen sich immer mehr Frauen diese Tatsache zu nutze und nehmen voller Freude und Liebe zur Sache die Zügel in die Hand. Ihr Sinn für Ausgewogenheit und Kommunikationsfreudigkeit, ihr Faible für den Umgang mit Menschen, ihr logisches Denken und Talent für Organisation und strukturelle Abläufe, in Verbindung mit einer guten, zielgerichteten Ausbildung, lassen diese – vorwiegend jungen Frauen – zur Schaltzentrale einer Brauerei werden. Derzeit gibt es in Bayern vermutlich ein knappes Dutzend Brauereien, bei denen Frauen Führungspositionen einnehmen – sei es als Unternehmensleiterin oder Braumeisterin.

Eine von jenen tüchtigen Frauen ist beispielsweise Marlies Bernreuther, Geschäftsführerin der fränkischen Pyraser Landbrauerei in Thalmässing, Mutter eines Sohnes (18 und einer Tochter (3 Monate).

Bereits im Alter von drei bis vier Jahren meinte Marlies Bernreuther zu ihrem Vater, dem Brauereibesitzer, Georg Bernreuther, keck und selbstbewusst aufblickend: "Gell, ich kriege mal die Brauerei?" Diese Bemerkung war eigentlich mehr eine Feststellung, denn als Frage gemeint.

Von klein auf mit diesem festen Ziel vor Augen, richtete Marlies Bernreuther zielstrebig ihre berufliche Ausbildung aus – zumal sich weder ihre beiden Schwestern, noch ihr Bruder für die zukünftige Führung der Brauerei interessierten. Und so wurde aus dem Töchterchen von einst, eine erfahrene, umsichtig agierende Geschäftsführerin, die das elterliche Familienunternehmen in der 11. Generation einer, wenn auch schwierigen, jedoch durchaus spannenden Zukunft entgegen führt.

Bemerkenswert ist: die weiblichen Führungsqualitäten wurden der heute knapp 30-jährigen Marlies Bernreuther gewissermaßen "genetisch mitbestimmt"; denn Kriegs- und Schicksals bedingt, prägten Frauen die Traditionsbrauerei, deren Wurzeln bis ins Jahr 1649 reichen – ähnlich wie "Zwischenstationen" – immer wieder entscheidend mit. Dazu zählten etwa die Urgroßmutter Kundigunde Bernreuther sowie Seniorchefin Eugenie Bernreuther, die sich zwar offiziell vom Geschäftsalltag zurückgezogen hat, aber dennoch häufig darüber informiert werden will "was so anliegt".

Marlies Bernreuther trat 2001 zunächst als Assistentin der Geschäftsleitung ihres Vaters in die Pyraser Landbrauerei ein und absolvierte die Ausbildung zur Getränkebetriebswirtin bei Doemens e.V. Anschließend studierte sie berufsbegleitend drei Jahre lang an der Verwaltungs- und Wirtschafts Akademie in Nürnberg Betriebswirtschaft. Ab 1. Januar 2010 ist sie Inhaberin der Brauerei.

Welches sind Ihre wichtigsten Aufgaben, die Sie hier im Hause erledigen?
Ich bin für Marketing, Vertrieb, Logistik, Lager und Fuhrpark sowie für die Personalführung zuständig. Mein Vater verantwortet die Bereiche Produktion und Finanzen.

Gibt es bei dieser "Doppelspitze" manchmal auch Vater-Tochter-Probleme?
Mit meinem Vater verstehe ich mich eigentlich immer gut. Dennoch gibt es hin und wieder kleine Reibereien, das sind so "losgelöste" Phasen, die aber vorübergehen.

Wie sieht es in der Ihrer Branche für die Frau – als Arbeitnehmerin und als Unternehmerin – mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus?
Wir bieten in vereinzelten Fällen an, dass die Mütter mit Kleinkindern von zu Hause aus am PC für uns arbeiten. Zudem werden wir möglicherweise einen kleinen Betriebskindergarten einrichten, das meine ich auch in Bezug auf mich persönlich. Ich kann mir nämlich nicht vorstellen, mir als Unternehmerin vor der Geburt meines Kindes (schmunzelt: "Vielleicht tritt das ja nochmals ein!") sechs Wochen Elternzeit zu nehmen. Statt dessen würde ich bis zum letzten Tag arbeiten und nach der Geburt des Kindes so schnell wie möglich wieder an die Arbeit zurückkehren.

Wie beurteilen Sie das Duo "Frauen und Bier"?
Bier macht dick, Bier ist eigentliche Männersache und Frauen wollen aber auch kein "Frauenbier" kaufen. Leider bestimmen noch immer diese Schlagworte die Diskussionen. Vielmehr ist es doch so: Bier macht schön!

Stimmen diese Vorurteile wirklich? Denn Biergenuss an sich macht ja nicht dick, und Bier ist durchaus auch Frauensache, wenn man es "sinnlich" zu präsentieren versteht.
Ich trinke ausgesprochen gerne Bier, und zwar alle unserer fast 20 Sorten!! Natürlich in kleineren Mengen, in einem hübschen Glas serviert, passend zum richtigen Essen. Praktisch ist da außerdem unser Drehverschluß für Bierflaschen – so schmeckt die zweite Hälfte der Flasche auch noch am nächsten Tag frisch!

Haben Sie Zeit für Freizeit?
Ich nehme mir Zeit fürs Spazierengehen oder Schwimmen. Am liebsten werkele ich im Garten – da kommen mir die besten Ideen.

Was raten Sie jungen Frauen, die vor der Berufswahl stehen?
Anstatt nur die Möglichkeit in Erwägung zu ziehen, zum Beispiel ein soziales Jahr zu absolvieren, sollten sich Mädchen ein Jahr lang eine Auszeit nehmen und Praktika machen. In verschiedenen Betrieben, Ländern und Städten. Sie sollten so viel wie möglich neue berufliche Dingen kennenlernen und Schnupperlehren machen. Danach können sie besser beurteilen und entscheiden, was ihnen beruflich liegt.

Abschließend eine persönliche Frage: Welche Perspektiven sehen Sie für sich im Alter? Bzw. wie wollen Sie ihr Alter gestalten?
Was ist das Alter? Nach dem Berufsleben? Da ich noch relativ viel Lebenszeit vor mir habe, wäre es sehr schön, wenn mein Sohn Marc, der die 12. Generation unserer Familie verkörpert, unseren Betrieb weiter fortführen würde. Aber ich will ihn nicht dazu zwingen.

Das Interview führte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
www.pyraser.de
www.dagusta.de