Dr. Martha Schad: „Christine Neubauer wird die Pascalina spielen“


Das Metier der Historikerin und Buchautorin, Dr. Martha Schad, sind Frauendarstellungen, die in der Vergangenheit bis hin zur Gegenwart eine bedeutende Rolle in Königs- und Fürstenhäusern spielten, mächtige Positionen in Kirchenkreisen einnahmen oder in Politik und Musik gewichtigen Einfluss auf weltpolitische Geschehnisse ihrer Zeit nahmen.

Meist kennt man ihre Namen wie etwa Kaiserin Elisabeth, Swetlana Allilejuwa (Stalins Tochter) oder Schwester Pascalina (Vertraute von Papst Pius XII.) – doch was hinter den Namen sich wirklich verbirgt, welch historisch belegbare Schicksale und Begebenheiten, menschliche Abgründe
und Irrungen die Lebenspfade dieser Frauen bestimmten, sind der Öffentlichkeit vielfach unbekannt. An dieser Stelle setzt Dr. Martha Schad mit ihren gedruckten Werken an und hebt viele bedeutende Frauen der Vergangenheit und jüngeren Gegenwart gewissermaßen auf zum Buch gewordene Denkmäler!

Frau Dr. Schad promovierte 1988 in den Fächern Geschichte und Kunstgeschichte mit " magna cum laude". Sie ist Mitglied in zahlreichen Verbänden und Zusammenschlüssen wie etwa dem Rotary Club Augsburg und wurde mit etlichen äußerst renommierten Auszeichnungen geehrt. So erhielt sie unter anderen den Förderpreis der Bayerischen Einigung, München, und wurde 2007 mit dem Münchner Poetentaler der Turmschreiber ausgezeichnet.

Während einer Verschnaufpause vom schriftstellerischen Alltag trafen wir Frau Dr. Schad im Kurort Bad Wörishofen an. Humorvoll und mit einer guten Portion Selbstironie plauderte die Vielbeschäftigte aus dem Nähkästchen ihrer "Schreibwerkstatt".

Sie haben ja relativ spät an Jahren mit dem Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an der Universität Augsburg begonnen. Wie kam es dazu und was hat Sie dazu bewogen?
Nun, den altersmäßig späten Studienbeginn mögen manche für merkwürdig halten, aber bei mir verläuft im Leben fast nie etwas normal. Ein kleiner Exkurs: Nach dem Gymnasium studierte ich in Cambridge und an der Sorbonne, kehrte 1959 nach Augsburg zurück und arbeitete dort als
Auslandskorrespondentin. Ich heiratete, bekam einen Sohn und eine Tochter, zog von Schwaben nach Oberfranken um und fand nach meiner Scheidung erneut in Augsburg Arbeit, diesmal als Sekretärin am Sprachenzentrum der Uni Augsburg sowie als Stadtführerin. Nach meiner Wiederverheiratung mit Pfarrer Horst Schad im Jahr 1984 war ich unter anderen als Lehrbeauftrage an der Universität Augsburg für historische Frauenforschung tätig.

Wie haben Sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen können?
Ich habe ganz bewusst so spät mit dem Studium begonnen, weil ich immer eine Familie haben wollte. Auch als ich neun Jahre lang allein erziehende Mutter war, habe ich mir eine berufliche Tätigkeit gesucht, die es mir erlaubte, viel bei den Kindern zu Hause zu sein und um die täglich anfallenden Hausarbeiten erledigen zu können. So etwas lässt sich natürlich nicht auf alle Familien übertragen. Wenn beide Ehepartner über ein gutes Einkommen verfügen, können sie sich eine Haushaltshilfe nehmen oder die Kinder einer Tagesmutter anvertrauen oder die Kinder den Großeltern übergeben, so fern diese gesund sind und auch die Kinderbetreuung machen wollen.

Sie haben ja die Biographien zahlreicher bedeutender Frauen nach gezeichnet und eine unglaubliche Vielzahl von Büchern geschrieben. Für Sie persönlich ebenfalls sehr spannend verliefen ja wohl auch die Recherchen zu Ihrem Buch "Hitlers Spionin – das Leben der Stephanie von Hohenlohe"…
Richtig! Meine Recherchen über die Wienerin Stephanie von Hohenlohe, die trotz ihrer jüdischen Herkunft, von Hitler, Goebbels und Göring sehr geschätzt wurde, führten mich in das Washingtoner Archiv, und zwar genau an dem für die USA so verheerenden Unglückstag, dem 11. September 2001. Wir alle mussten auf Geheiß der US-amerikanischen Polizei den Flughafen Hals über Kopf verlassen und wurden eine Woche in verschiedenen Hotels in Virginia untergebracht. Danach musste ich Washington verlassen, ohne wie geplant, ein weiteres Archiv besucht zu haben. Ich beauftragte daher von Deutschland aus einen Historiker vor Ort, der mir das gewünschte Material über Stephanie von Hohenlohe fotokopierte. Fälschlicherweise befand sich unter diesen Fotokopien ein Aufsatz über eine deutsche Nonne im Vatikan, der tendenziell nach dem Motto "geliebt, gehasst und vergessen" verfasst war. Dieser Aufsatz bildete die Basis für mein Buch "Gottes mächtige Dienerin".

Und gerade dieses Buch erfuhr besondere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Warum eigentlich?
Ich möchte betonen, dass ich bei all meinen Büchern historisch belegbare Tatsachen heranziehe. Ich erfinde nie etwas, wäre es anders, würde ich Romane schreiben, aber keine historischen Bücher. Ich stütze mich beim Verfassen meiner Bücher auf zuverlässiges Quellenmaterial, auf zum Teil unveröffentlichte oder für die Öffentlichkeit zumeist unzugängliche Schriften und habe – wie bei meinem Buch "Gottes mächtige Dienerin" – mit hochgestellten Persönlichkeit im Vatikan, die Schwester Pascalina noch gekannt hatten, direkt vor Ort sprechen können. In Rom bekam ich handgeschriebene Briefe des damaligen Nuntius Pacelli an Schwester Pascalina in München aus den 30-iger Jahren und im Mutterkloster in der Schweiz verbrachte ich eine Woche, um die gesamte Korrespondenz der Schwester zu sichten. Das waren alles sehr spannende Recherche-Erlebnisse für mich.
Das Interesse an meinem Buch hängt sicher auch damit zusammen, dass ich aufzeigen konnte, in welch hohem Maße Schwester Pascalina für die Versorgung vieler Menschen während des Zweiten Weltkrieges und danach ganz besonders zusammen mit dem amerikanischen Kardinal Francis Spellmann und dem Münchner Kardinal Michael Faulhaber tätig war. Sie war ein logistisches Genie.

Welches sind Ihre nächsten Projekte?
Die ARD wird eine 90-minütige Dokumentation über das Leben der Schwester Pascalina drehen. Die Schauspielerin Christine Neubauer wird die weibliche Hauptrolle Pascalina spielen. Welcher Schauspieler die Rolle des Papst Pius XII. übernehmen wird, steht derzeit noch nicht fest.

Außerdem wird es nach meinem Buchtitel "Frauen gegen Hitler" im nächsten Jahr ein weiteres Buch unter dem derzeitigen Arbeitstitel "Sie liebten den Führer" erscheinen. Darin beschreibe ich die Schicksale von Frauen, die bisher noch kaum beschrieben wurden. Dies werden unter anderen sein Edda Ciano, die Tochter Mussolinis, und Elisabeth Förster-Nietzsche, Schwester von Friedrich Nietzsche, beide glühende Anhängerinnen Hitlers.

Das Interview führte Brigitte Karch

Weitere Informationen:
Dr. Martha Schad wird am 9. Juni 2008 um 19.30 Uhr im Amerikahaus in München einen Vortrag halten über: " Stalins Tochter". Anmeldung bei
info@thomas-dehler-stiftung.de
und
am 13. Juni in der Bücherei von St. Justinian in Bad Wörishofen über ihr Buch "Gottes mächtige Dienerin – Schwester Pascalina und Papst Pius XII." sprechen.