Ute Prause: „Die karibischen Orishasgottheiten sind die Quelle meiner modeschöpferischen Inspirationen“


Mit ihrer jüngsten Kollektion „Orishas“ ist sie drauf und dran, dem internationalen Modegeschehen ein völlig neues Gesicht zu verleihen.

Was hat Sie nach Barcelona verschlagen?
Barcelona ist seit einigen Jahren die Trendstadt, wo jeder hinfährt. Ich war schon vor 22 Jahren bei meinem Besuch fasziniert von dem Flair dieser Stadt und beschloss, hier zu leben und Fuß zu fassen. Als ausgebildete Philologin und Modedesignerin hatte ich dafür immer zwei Optionen und die habe ich auch verfolgt.

Bitte beschreiben Sie die wesentlichsten Merkmale Ihrer Orishas-Kollektion.
Die Kollektion geht in ihren Farben, Mustern und Motiven auf die karibischen Orishasgottheiten zurück. Es sind vor allem die Stoffe mit ihren leuchtenden Farben und die Lebensart, die dort den Alltag prägen, die die Quelle meiner modeschöpferischen Inspirationen sind.

Welche Zielgruppe wollen Sie mit Ihrer Orishas-Kollektion ansprechen?
Meine Kollektion „Orishas“ war ursprünglich für lateinamerikanische Frauen konzipiert, es stellte sich aber heraus, dass auch mitteleuropäische Frauen von der Idee fasziniert sind, sich in ein Kleidungsstück zu hüllen, welches nicht nur Eleganz ausstrahlt, sondern durch den spirituellen Verweiss eine besondere Note gibt. Meine Mode ist für eine modebewusste Frau, die auf Individualität und Schick wert legt aber gleichzeitig tragbare bequeme Kleidung verlangt.

Wie kommen Sie auf den Kollektionsnamen „Orishas“? Haben Sie eine persönliche Geschichte zur Religion der Yoruba?
Bei meinen Aufenthalten in Kuba, wo ich bei der Malerin Eidania Perez meine zeichnerischen Fähigkeiten erweiterte, stolperte ich immer wieder über die Santería, die afro-kubanische Religion, die über einen faszinierenden Göttertempel wie die griechische Mythologie verfügt und in der kubanischen Kultur tief verankert ist, bei den Schwarzen, die diese Fusion bewirkt haben wie auch bei der weißen Bevölkerung. Die kubanische Theaterkostümbildnerin Maria Elena Molinet, überzeugte Atheistin und gleichzeitig Spezialistin auf dem Gebiet der Santería, informierte mich über Religion, mythische Geschichten und alle Details zur Kostümgeschichte bezüglich der Orishas.

So entstand plötzlich die Idee, die Orishas nicht nur in Theaterkostümen lebendig werden zu lassen oder zu religiösen Anlässen, sondern auch einem schon existierenden Bedürfnis, sich zu festlichen Anlässen mit Farben und symbolischen Formen der Orishas schmücken zu können, nachzukommen.

Die Kollektion entstand und die Santos begannen auch mich unter ihren „Schutz“ zu nehmen: In Barcelona lernte ich eine kubanische Schneiderin kennen, die ihr Leben lang die rituellen Kostüme der Orishas genäht hatte. Sie stand mir dann mit Rat und Tat zur Seite. Als die Kollektion schließlich fotografiert wurde, lehnte eines der Fotomodelle – eine Venezulanerin – die Bezahlung ab. Sie hatte eine Schuld bei den Orishas zu begleichen und ihre Arbeit für mich war ihr Versöhnungsgeschenk an die Santos. Anekdoten im Zusammenhang mit diesem Projekt gibt es reichlich, so reichlich, dass man damit Seiten füllen könnte.

Wie reagieren die Kunden auf Ihre Kollektion?
Ich bin überzeugt, dass die Kollektion „Orishas“ sowohl auf dem amerikanischen als auch auf dem europäischen Markt auf großes Interesse stoßen wird, und das nicht nur, weil es sich um schöne und elegante Stücke handelt. Ihr spezieller Reiz liegt vielmehr in der direkten Beziehung der Farben und Motive zu den Gottheiten des Orishaglaubens, was den Stücken einen ganz persönlichen Charakter verleiht, und damit natürlich auch den Trägerinnen dieser Stücke.

Wo kann man Ihre Mode kaufen?
Die Kollektion kann man über Internet beziehen und ab Frühjahr 2008 wird sie in Miami präsentiert.

Das Interview führte Brigitte Karch
Weitere Informationen:
www.uteprause.com

(Der Link wurde am 30.11.2007 getestet.)