Silke Lühr: „Ich hätte es mir nicht anders vorstellen können“


Von dort bezieht sie das naturhafte Farb- und Formenverständnis der Eingeborenen, das bis auf den heutigen Tag prägend für die Aussagekraft ihrer Werke ist. 1964 in Köln geboren, aufgrund der Tätigkeit ihres Vaters in Nigeria aufgewachsen, kam sie als 14-Jährige mit ihrer Familie nach Australien. Dort absolvierte sie die Schule mit nachfolgendem Kunststudium am City Art Institute in Sidney mit Schwerpunkt Schmuckdesign, wobei sie das Studium als Jahrgangsbeste abschloss. Im Anschluss daran lebte Silke Lühr auf Rhodos in Griechenland, wo sie ein kleines Atelier und Wohnung zum Arbeiten hatte. Später kehrte sie nach Australien zurück, gründete eine Familie und eine Galerie. Dort begann sie auszustellen und Kurse zu geben. Vom renommierten australischen Bildhauer John Gardner lernte sie die Bildhauerei bzw. das Bronzegußverfahren kennen. Mit 28 Jahren entschloss sich Silke Lühr nach Deutschland zurückzukehren, damit ihre Tochter die Sprache und Kultur, die ihre Mutter geprägt hatten, erlernen konnte. Seit 1993 ist Silke Lühr, die inzwischen Mutter auch eines Sohnes ist, im malerischen Murnau mit ihrer Familie sesshaft. Sie nahm an verschiedenen Ausstellungen in Deutschland und im Ausland teil. Ihr vorläufiges Berufsfazit: "Ich hätte es mir nicht anders vorstellen können."

Eine ihrer jüngsten Aktivitäten ist die Zusammenarbeit mit dem Relais & Châteaux Hotel Alpenhof Murnau. Dort fand sie in Alpenhof-Hoteldirektor Didier Morand sowie seinem Stellvertreter Thomas Heilig überaus kunstverständige Sachkenner, die Silke Lühr nicht nur die Möglichkeit zur Präsentation ihrer Werke bieten, sondern sie zudem beauftragten, ein Motiv für edle Platzteller, Speise- und Menükarten zu entwerfen.

Was schätzen Sie am künstlerischen Standort Murnau?
Nach meinen zahlreichen Auslandsaufenthalten empfand ich bei meinem ersten Besuch einen extremen Unterschied. Ich fühlte mich wie im Traum, alles war so gepflegt und beschaulich, die üppigen Grünfarben wirkten friedvoll.

Wie beschreiben Sie Ihre künstlerische Handschrift?
Es ist sicherlich eine Symbiose aus verschiedenen Einflüssen, also von persönlichen Erlebnissen und Begegnungen mit der Natur. Hinzu kommt meine Liebe zur Licht- und Farbgebung in sonnigen Ländern “ die südländisch-warme Sonne zieht mich an!

Hat Sie das ‚Blaue-Reiter-Flair‘ in Ihrem künstlerischen Schaffen beeinflusst?
Das ‚Blaue Land‘, wie man hier die Gegend auch nennt, regt natürlich an, die Stimmung, die Landschaft und das Licht malerisch festzuhalten, so wie es die Expressionisten umsetzten. Aber ich habe mittlerweile meinen eigenen Weg gefunden. Gefragt werden häufig Familienportraits, die ich jedoch nicht gegenständlich sondern abstrahierend darstelle, um die individuelle Stimmung der Familie wider zugeben. Ich arbeite nicht nur als Malerin “ Acryl auf Leinwand – sondern auch als Bildhauerin und stelle Skulpturen in Holz und Bronze her.

Was möchten Sie mit Ihrer Kunst ausdrücken, bzw. was bedeutet für Sie Kunst?
Malerei bedeutet für mich eine notwendige Ausdrucksform. Der Schaffensprozess gibt mir innere Ruhe und Frieden. Je älter ich werde, desto bewusster wird mir das. Ich tauche ab in meine eigene seelische Welt, das ist der eigentliche Prozess, bei dem ich meine eigene Stimmung wieder erlebe. Vor allem hat es mir die Polarität der Dinge angetan, mit meinen dargestellten Objekten will ich das Pendeln, das Schwingende in Balance bringen. ‚Übersetzt‘ bedeutet das, Mann und Frau als zwei gegensätzliche Pole zu sehen, die aber doch eine harmonische Einheit bilden wie Hell und Dunkel. Ohne Balance ist das ganze Leben nichts! Im Laufe der Jahre habe ich mich in meiner künstlerischen Ausdruckskraft vom Gegenständlichen “ auch in der Bildhauerei “ entfernt, um abstrahierend zu den Urformen zu finden. Ich reduziere die äußerlichen wie innerlichen Eindrücke auf das, was für mich persönlich die Essenz darstellt.

Sie geben Kurse für Kinder, was reizt Sie daran?
Ja, ich bin auch im therapeutischen Bereich tätig und gebe Kreativkurse für Kinder. Unser Garten lädt zum Malen und handwerklichem Arbeiten ein. Der kreative Umgang mit Kindern bereitet mir immer wieder viel Spaß. Ein kleines Erlebnis: Eines Tages besuchte mich eine Mutter und sagte: ‚Meine Tochter malt nicht gerne‘. Heute ist das Mädchen meine treueste Schülerin.

Kunst und Küche nehmen im Alpenhof Murnau einen bedeutenden Stellenwert ein. Seit Eröffnung des Gourmetrestaurants Reiterzimmer vor zwei Jahren sind Sie als Malerin und Bildhauerin für dessen Gestaltung verantwortlich. Erst kürzlich entwarfen sie die Menükarte des Restaurants und den Platzteller.
Zur offiziellen Einführung des neuen Küchenchefs Thilo Bischoff im April dieses Jahres standen auf dem Programm im Gourmetrestaurant Reiterzimmer "Kunst und Küche". Den künstlerischen Part hatte ich mit einer Reihe ausgewählter Bilder und Skulpturen zum Thema "Der Atem der Erde" übernommen. Danach reifte die Idee, die dann als Auftragsarbeit von Hoteldirektor Didier Morand und seinem Stellvertreter Thomas Heilig an mich vergeben wurde, ein Sujet für Speise- und Menükarten sowie Platzteller zu entwerfen. Das Motiv stellt ein reduziertes Pferd mit Reiter dar. Es vermittelt den Bezug zum Gourmetrestaurant Reiterzimmer, farblich habe ich dabei das helle, lichte Ambiente vom Alpenhof Murnau aufgegriffen.

Das Gespräch führte Brigitte Karch