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«27.07.2010»
aid: Clean Label im Aufwind

Was mit Bioprodukten seinen Anfang nahm, setzt sich auch bei konventionellen Lebensmitteln mehr und mehr durch: Verbraucher wünschen sich Produkte, die frei von "künstlichen" Zutaten und Konservierungsstoffen sind.

Die Lebensmittelindustrie nutzt dieses so genannte Clean Label schon längst als Marketinginstrument. Seit 2005 hat sich die Zahl der Produkteinführungen "natürlicher" Lebensmittel verdreifacht. Im Gegensatz zu "ökologisch" oder "biologisch" hat der Begriff der Natürlichkeit den großen Vorteil, dass er lebensmittelrechtlich nur begrenzt reglementiert ist und relativ frei genutzt werden darf. Auf immer mehr Verpackungen findet man deshalb Hinweise wie "Natur pur" oder "100% natürliche Zutaten".

Was natürlich ist und was künstlich, darüber haben Verbraucher und Lebensmittelindustrie allerdings unterschiedliche Ansichten. Das zeigt eine repräsentative Befragung der Mühlengruppe Kampffmeyer. Danach schätzen Verbraucher vor allem das als natürlich ein, was sie aus eigener Erfahrung kennen. Backen, Kochen oder Trocknen werden von über 85 Prozent der Befragten als "sehr natürlich bis natürlich" angesehen. Enzyme und vor allem Konservierungsstoffe und Oxidationsmittel gelten dagegen als "sehr unnatürlich", obwohl zum Beispiel Zitronensäure ein natürlicher Stoff ist.

Noch stärker zeigen sich die Vorbehalte der Verbraucher gegenüber Unbekanntem bei der Frage zur Natürlichkeit von Bindemitteln. Weizen- oder Reismehl sehen neun von zehn Befragten als natürlich an. Bei Guarkernmehl oder Agar-Agar (wird aus Algen hergestellt), glaubt nicht einmal jeder Fünfte, dass es sich um natürliche Zutaten handelt, obwohl dies der Fall ist. Als besonders unnatürlich werden Carrageen (ebenfalls ein Stoff aus Algen) und chemisch modifizierte Stärke gesehen. Die Industrie steht damit vor einem Dilemma. Die Hersteller wollen möglichst natürliche Produkte anbieten, um mit einem Clean Label die Verbraucher zu überzeugen. Gleichzeitig müssen sie auf preiswerte und technologisch ausgereifte Zutaten verzichten, die teilweise auch natürlich sind.Und: Die Entwicklung natürlicher Alternativen ist aufwändig und kostet die Unternehmen viel Zeit und Geld.
J. Beckhoff

Weitere Informationen:
www.aid.de

(Der Link wurde am 27.07.2010 getestet.)
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