ECA: Auch selbständige Frauen brauchen Urlaub – von der Pflicht zur Erholung

Jahrelang beklagten sich Angestellte darüber, dass sie für Kollegen oder Vorgesetzte nach Feierabend oder im Urlaub erreichbar sein mussten. Das Phänomen gibt es zwar noch, aber sowohl bei Arbeitgebern als auch bei Arbeitnehmern ist das Bewußtsein für den Wert einer ungestörten Erholungszeit gestiegen, nicht zuletzt dank des Modewortes „Work-Life-Balance“ oder differenzierter „Work-Private-Life-Balance“. Sind die Klagen von Angestellten über Stress im Urlaub aber seit Jahren mittlerweile sogar rückläufig, ist eine andere Gruppe massiv und zunehmend von Stress im Urlaub betroffen, bzw. wagt erst gar nicht an Urlaub zu denken. Der Anteil der Selbständigen unter den deutschen Erwerbstätigen ist im letzten Jahrzehnt überproportional gestiegen, vor allem der Anteil der Solo-Selbständigen und Freiberufler. Insbesondere Frauen, die selbständig arbeiten, haben für den Urlaub eine Doppel und Dreifachbelastung unter einen Hut zu bringen, mit Kindern, Ehemann und beruflichen Aufgaben.

Bildtext (r.): Christel Juchniewicz, Vizepräsidentin der European Coaching Association (ECA)

 

Bei Selbständigen ist die ständige Erreichbarkeit ganz besonders verknüpft mit existentiellen Befürchtungen. Daraus resultiert schnell eine besondere Form des Workoholismus, nämlich der Idee, man könne sich keine Auszeiten erlauben. Frauen sind besonders betroffen von diesem Phänomen. Als Selbständiger fällt es Frau zwar tendenziell leichter, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen, aber sie plagt auch schnell das schlechte Gewissen, dass sie nicht genug Zeit entweder für den Job oder für die Familie aufbringt. Das erhöht den Stresspegel, es mischen sich oftmals Arbeitszeiten und Aufgaben, die für die Familie anfallen, der Anteil an persönlicher Freizeit tendiert meist gegen Null. Wochenenden und Feiertage   Christel Juchniewicz, Vizepräsidentin der European Coaching Association (ECA)

werden für solche Zwei-Fronten-Kämpferinnen zu Tagen, an denen Liegengebliebenes aufgearbeitet wird. Dann steht der lange geplante Urlaub vor der Tür. Jetzt soll auf einmal komplett auf „Erholung“ umgeschaltet werden? Für viele Selbständige undenkbar.

Umdenken beginnt oft erst in der Krise
Erreichbarkeit im Urlaub kann gute Gründe haben, sollte aber streng begrenzt werden. Die Coachs der European Coaching Association raten, sich eine sommerliche Auszeit auch wirklich zu gönnen. Doch um ausspannen zu können, bedarf es einiger Vorbereitung, damit der Urlaub auch wirklich genossen werden kann.

„Nicht ohne Grund gehören Themen wie Zeit und Selbstmanagement zu den häufigsten Anliegen, sowohl im Business Coaching als auch im privaten Coaching “, sagt Christel Juchniewicz. Und wer meint, ein gutes Zeitmanagement zu haben, weil er viel schafft, hat noch lange kein gutes Selbstmanagement. „Statt das geflügelte Wort „Sein eigener Chef sein“ wörtlich zu nehmen und auch das eigene Arbeitsleben so zu gestalten, dass das persönliche Wohlbefinden nicht zu kurz kommt, sind Selbständige in vielen Fällen auch ihre schlimmsten Antreiber.“ Familie und Freizeit kommt In den ersten Jahren der Selbständigkeit in der Regel immer zu kurz und die Qualität der persönlichen Arbeitswelt wird meist erstmals hinterfragt,  wenn  bereits erste „Opfer“ zu beklagen sind, in Form von Beziehungskrisen, Scheidung oder gesundheitlichen Einschränkungen. Die treffen einen ganz gerne dann auch genau dann, wenn man sich eigentlich Erholung „befohlen“ hat. Beugen Sie drohendem Workoholismus und Burnout vor.

Präventiv handeln – Urlaub beginnt im Kopf
Es gibt viele gute Gründe, die dafür sprechen, sich im Sommer eine Auszeit vom Job, aber auch dem Familienalltag, zu gönnen und wegzufahren, Abstand vom Alltag zu gewinnen und ganz unbeschwert neue Eindrücke zu gewinnen. Aber um wirklich langfristig leistungsfähig zu bleiben, müssen gerade „Höchstleister“ wie Selbständige und Freiberufler lernen, sich auch außerhalb des Urlaubs zu regenerieren. Die Stichworte heißen Psychohygiene, sinnesspezifische Anwesenheit, Regeneration und Vitalisierung und sie können mittels einfacher Methoden trainiert werden.

So kann zum Beispiel tägliche Meditation helfen, die Gedanken zu beruhigen und innere Klarheit und Tiefenentspannung zu verschaffen. Verzichten Sie auf Multitasking und seien Sie lieber vollständig Sinnes spezifisch anwesend bei dem, was Sie gerade tun. Das gilt auch für die Zeit, die Sie mit Partner und Familie verbringen. Sinnes spezifische Anwesenheit ist ein essentieller Bestandteil der persönlichen Psychohygiene. Eine weitere Methode für den Erhalt der täglichen Leistungsfähigkeit ist z.B. auch das „Power-Napping“. Studien haben auch nachgewiesen, dass die Leistungsfähigkeit des Gehirns diese Methoden ansteigt.

 

Lernen, den Moment zu genießen ist Urlaub
Und wenn dann der wohlverdiente Urlaub wirklich in die Tat umgesetzt wird, können Sie ihn dank positiver erlernter Einstellungs- und Verhaltensweisen auch garantiert genießen. Unterstützung im Umgang mit persönlichem Stress findet man bei den Coaches der European Coaching Association.

Über die ECA: Die European Coaching Association ist ein europaweit vernetzter Berufsverband professioneller Coaches (lizenziert im: Basic, Advanced oder Expert Level und differenziert in ihren Kern-Kompetenzen), Lehr Coaches, Lehr Institute (Erwachsenenbildner) und Sozietäten (Praxisgemeinschaften). Die ECA engagiert sich besonders für die berufsständische Aus- und Weiterbildung von professionellen Coaches und für die europaweite Entwicklung des Berufsbilds – professioneller Coach – mit einheitlichen Qualitätsstandards im Bereich professionelles Coaching. Die ECA ist der erste in Deutschland gegründete Coaching-Berufsverband. Die ECA feierte im letzten Jahr ihr 20jähriges Jubiläum.

Weitere Informationen:
www.european-coaching-association.com

Titelbild: Christel Juchniewicz: „Lernen, den Moment zu genießen ist Urlaub“