MVHS: „Ins Spiel kommen. Inklusion und öffentlich verantwortete Erwachsenenbildung“

Lesesonntag: Teilgenommen haben 70 Expertinnen und Experten aus dem ganzen Bundesgebiet, Österreich, der Schweiz und Italien. Diese verabschiedeten die „Münchner Erklärung zur Inklusion und öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung“.

In ihrer Begrüßungsrede betonte die Programmdirektorin der MVHS Dr. Susanne May „Inklusion ist keine rein organisatorische Angelegenheit, sie birgt das Potential, unser Verständnis von Bildung zu reflektieren."

Landtagspräsidentin Barbara Stamm wies in ihrem Grußwort darauf hin, dass man Inklusion nicht einfach überstülpen könne, sie müsse wachsen. Aber auch hierfür bedarf es entsprechender Voraussetzungen und Haltungen: Inklusion beginnt in den Köpfen.
Prof. Dr. Heiner Bielefeldt, Lehrstuhl für Menschenrechte und Menschenrechtspolitik der Universität Erlangen-Nürnberg, ging in seinem Eröffnungsvortrag auf das Innovationspotential des „Übereinkommens der Vereinten Nationen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen“ ein. Die UN-BRK dürfe nicht als eine „Spezialkonvention“ missverstanden werden, die von „Sonderrechten“ handele; vielmehr gehe es um die allgemeinen Menschenrechte aus der Perspektive von Menschen mit Behinderungen.

Noch immer gibt es relativ wenige Bildungsangebote, die Erwachsenen mit kognitiven Einschränkungen zugänglich sind. Solche Angebote wurden innerhalt der Behindertenhilfe aufgebaut – jedoch in der Regel nicht inklusiv. Die dort gewonnenen Erfahrungen und Kompetenzen können bei der Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems mit einbezogen werden.

Stadtrat Oswald Utz, der Behindertenbeauftrage der LH München bedauerte, dass „Menschen mit Behinderungen immer noch in der Rolle des Bittstellers sind. Die Möglichkeiten der selbstverständlichen Teilhabe an Bildung müssen – auch über ein Bundesteilhabegesetz – infrastrukturell und finanziell garantiert werden.

Georg Eisenreich, Staatssekretär im Bayerischen Staatsministerium bedauerte, dass die Erwachsenenbildung bisher nicht im Focus der Inklusionsbemühungen stand, obwohl sie einen zentralen Stellenwert hat.
 

Bildtext (r.): Plakat "Toleranz ist imme freundlich". Foto: MVHS

Auf der Tagung wurden verschiedene Projekte einer inklusiven Erwachsenenbildung aus dem VHS-Bereich vorgestellt. Diese zeigen: Es geht! Gleichwohl, so Prof. Dr. Klaus Meisel, Managementdirektor der Münchner VHS und erster Vorsitzender des bayerischen VHS Verbandes, „Man kann mehr machen, als derzeit getan wird.“

Die Fachtagung wurde gemeinsam von der Gesellschaft Erwachsenenbildung und Behinderung Deutschland e.V., der Ludwig-Maximilians- Universität München, der Münchner Volkshochschule und dem bayerischen Volkshochschulverband veranstaltet.

Münchner Erklärung zur Inklusion und öffentlich verantworteten Erwachsenenbildung (Auszug)

"Auf dem Weg zur Öffnung des Lernortes Volkshochschule für Menschen mit Behinderungen sind wir gut vorangekommen. Die konkreten Wege zur inklusiven Volkshochschule können und müssen jedoch weiter erschlossen werden: Das bedeutet zum Beispiel:

  • Fahrdienste zu den „passenden“ Zeiten

  • Ermöglichung von Begleitungen, Sicherung von Assistenzen

  • Unterstützungen im Lernprozess z.B. durch Teamteaching

  • Kleine Gruppen

  • Akzeptanz und Beachtung individuell unterschiedlicher Lerngeschwindigkeiten

  • Inklusionsadäquate Organisationsentwicklung in den VHS

  • Inklusionsorientierte Weiterbildungen für alle in der Erwachsenenbildung Tätigen

  • Dozentenhonorare, die Kompetenzen und Engagement angemessen entlohnen.

Öffentlich verantwortete Erwachsenenbildung ist insgesamt strukturell unterfinanziert. Der Inklusionsansatz kann die Einrichtungen deshalb strukturell überfordern. Um den Herausforderungen der Inklusion gerecht zu werden, bedarf es einer ausreichenden institutionellen Grundförderung der Einrichtungen als auch einer nachhaltigen Förderung inklusiver Bildungskonzepte.

Gefordert sind nicht nur die Länder, sondern auch die Kommunen und nicht zuletzt die Einmischung der VHS-Verbände. Aktuell bietet die pragmatische Zusammenarbeit zwischen der allgemeinen Erwachsenenbildung und der Behindertenhilfe Chancen für eine Weiterentwicklung im Sinne einer Erwachsenenbildung für Alle."

Weitere Informationen:
www.mvhs.de

Titelbild: Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Foto: Münchner Volkshochschule (MVHS)